https://www.faz.net/-gtl-p7e4

Golf : Der bekennende Langschläfer Cejka darf ausschlafen

  • -Aktualisiert am

Mal schauen: Alexander Cejka Bild: AP

Ein von Bernhard Langer nicht für das europäische Ryder-Cup-Team berücksichtigter Golf-Profi will es dem großen Gastgeber beim Masters in Pulheim zeigen.

          Die Enttäuschung darüber, daß ihn Bernhard Langer, sein befreundeter Kollege, Nachbar und gelegentlicher Trainingspartner aus Palm Beach, nicht ins Ryder-Cup-Team berief, ist überwunden.

          "Ich habe das abgehakt", sagt Alexander Cejka, "ich kann ihm das nicht übel nehmen. Bernhard hatte drei, vier gleichstarke Spieler, und er hat sich für einen Schotten und einen Engländer entschieden." Soll wohl heißen: Die Wildcards für Colin Montgomerie und Luke Donald waren auch eine Entscheidung gegen einen deutschen Landsmann - der gleiche Paß als Malus. Trotzdem ist der 33jährige Golfprofi dem Kapitän nicht gram: "Unser Verhältnis hat darunter nicht gelitten, jedenfalls nicht von meiner Seite."

          „Ich war einfach platt“

          Doch der Stachel, daß Spieler, die in der Weltrangliste hinter ihm plaziert waren, bevorzugt wurden, sitzt noch immer. Auf die Frage, ob Cejka bei der Linde German Masters im Golf Club Gut Lärchenhof in Pulheim ganz besonders motiviert sei, antwortete der gebürtige Tscheche mit einem langgezogenen, genüßlichen "Jaaa".

          Keine Frage, Cejka will es Langer zeigen, denn der 47jährige Routinier fungiert gemeinsam mit seinem Bruder Erwin auch als Veranstalter dieses mit drei Millionen Euro dotierten Turniers. Da wäre es ein besonderer Genuß, dem Gastgeber zu demonstrieren, daß er auf dem von der amerikanischen Golflegende Jack Nicklaus entworfenen, 6662 Meter langen Platz mit hohem und dichtem Rough am Rande der Spielbahnen in einem Elitefeld mit acht europäischen Ryder-Cup-Spielern der Allerbeste ist. Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht. Das Tief der vorigen Woche, als Cejka in Crans-Montana im Schweizer Wallis nach der Eröffnungsrunde von 81 Schlägen aufgab, ist überwunden: "Da war einfach die Luft raus. Ich hatte in den letzten Monaten so viel Gas gegeben, um mich für den Ryder Cup zu empfehlen. Da war ich einfach platt, zumal ich am Montag und Dienstag noch zwei Exhibitions in Tschechien und Wien gespielt hatte."

          Frischer Mut

          In Pulheim geht Cejka mit frischem Mut ans Werk - und mit Erfolg: Nach zwei Runden von 67 und 70 und insgesamt 137 Schlägen lag Cejka in der Spitzengruppe - und das obwohl er auf seinen beiden Schlußlöchern am Freitag - Cejka hatte die Runde am 10. Loch begonnen - im Übereifer noch zwei unnötige Bogeys kassierte. "Da war ich zu aggressiv", sagte Cejka selbstkritisch. Zweimal drei Putts, etwas was für Profis einer kleinen Katastrophe gleichkommt, verhinderten, daß er sich zunächst an die Spitze des Feldes setzte. Am 8. Loch, einem durch den starken Gegenwind extrem langen Par-3-Loch von 220 Metern - Cejka mußte zum Holz 3 greifen - benötigte er aus zwanzig Meter drei Putts; ein Mißgeschick, das sich am 9. Loch aus zwölf Metern wiederholte.

          "Den wollte ich unbedingt lochen", erklärte Cejka, der dem Ball zu viel Fahrt mitgab und den Rückputt aus drei Metern wenige Zentimeter am Loch vorbeischob. Da half auch der sogenannte Belly-Putter, bei dem der Spieler den Schläger im Bauch fixiert, nicht. Cejka benutzt diesen überlangen Putter seit rund drei Monaten: "So lange wie ich gut spiele." Das tat er trotz des unglücklichen Endes bisher auch in Pulheim: "Ich treffe den Ball gut. Ich bin zufrieden."

          Am Freitag vormittag wehte der Wind stark über den Platz. Mindestens zwei Schläger, schätzte Cejka. Das heißt in der Golfersprache: Bei Gegenwind muß man zwei Schläger mehr, also zum Beispiel statt eines Eisen 7 ein Eisen 5 nehmen, oder bei Rückenwind zwei Schläger weniger. Nicht der Wind, sondern mangelndes Feingefühl auf den Grüns schaffte Langer. Nach Runden von 73 und 77 Schlägen bei der 18. Auflage seines Turniers verpaßte er wie im Vorjahr den Cut und kann sich am Wochenende zum zweitenmal ganz auf seine Rolle als Gastgeber konzentrieren. Aber Langer, der am Montag mit seinem Team nach Detroit fliegt, um gegen die Amerikaner den Ryder Cup zu verteidigen, hat in den letzten Monaten durch seine Handgelenksverletzung und die vielfältigen Organisationsaufgaben als Kapitän wenig Zeit gefunden, an seinem eigenen Spiel zu arbeiten.

          Morgenarbeit auf der Kö

          Für Cejka dagegen geht das Turnier erst am Wochenende richtig los. Dann muß er nicht mehr, wie am Freitag in aller Herrgottsfrühe aufstehen. Der bekennende Langschläfer darf am Samstag ausschlafen. Denn dann starten die besten zuletzt. Am Freitag fuhr er nach getaner Morgenarbeit auf die Düsseldorfer Kö, um sich bei herrlichem Spätsommerwetter bei Kaffee und Kuchen zu entspannen. Das hörte man im Großraum Köln, der eine traditionelle Rivalität zur Landeshauptstadt pflegt, nicht so gerne.

          Aber die Kölner Fans werden es ihm verzeihen und ihn auch am Samstag und Sonntag auf seiner Runde begleiten. Denn ein deutscher Heimsieg ist überfällig: Noch immer steht Langer mit elf Siegen in der Heimat allein auf weiter Flur, alle anderen deutschen Kollegen feierten Erfolge auf der Euro-Tour nur im Ausland. Langers letzter Erfolg, sein vierter bei seiner Veranstaltung, liegt übrigens auch schon drei Jahre zurück.

          Weitere Themen

          „Amerika im Schnelldurchlauf“

          Race Across America : „Amerika im Schnelldurchlauf“

          Wie lange dauert es wohl mit dem Rad von der amerikanischen West- bis zur Ostküste? Drei Frankfurter und ein Pfälzer haben es in sechs Tagen geschafft. Bei dem Rennen haben sie „vor allem gegen sich selbst“ gekämpft.

          Topmeldungen

          Konflikt mit Iran : Trumps gefährliches Hin und Her

          Nachdem es zunächst nach Deeskalation aussah, droht Donald Trump Iran abermals. Eine Strategie im Umgang mit der Islamischen Republik ist nicht erkennbar. Trumps Reaktionen haben aber auch innenpolitische Gründe.
          „Eine Art Ideologie, die zu Gräueln in der Historie unseres Planeten geführt hat“: So beschreibt ein ehemaliger Funktionär die Haltung der IAAF gegenüber der standhaften Caster Semenya.

          FAZ Plus Artikel: Fall Caster Semenya : Startrecht nach Kastration

          Die IAAF hat Caster Semenya nach ihrem Sieg in Berlin 2009 eine Operation nahegelegt zur Aufhebung ihrer Laufsperre. Vier Athletinnen unterzogen sich der Tortur. Ein früherer Funktionär spricht von einem Zwangssystem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.