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Golf : Der Auserwählte der Golfgötter

  • -Aktualisiert am

Passt: Das grüne Jacket für Tiger Woods Bild: dpa

Tiger Woods gewinnt mit dem Masters das vierte Major-Turnier in Folge und schreibt Golf-Geschichte - Grand Slam oder nur „Tiger Slam“?

          3 Min.

          Earl Woods hatte es prophezeit. Vor 24 Jahren schon. In seinem Haus im kalifornischen Cypress versuchte Tigers Dad seinen Freunden klarzumachen, dass sein Sohn eines Tages Außergewöhnliches mit dem Golfschläger leisten werde. Daraufhin bezeichnete man ihn als Angeber - „alle lachten mich aus".

          Freudentränen

          Am Sonntag stand Earl Woods mit Frau Kultida unter den Zuschauern am 18. Loch in Augusta. Eldrick „Tiger" Woods war fünf Meter vom großen Ziel entfernt. Die Eltern fieberten, als der junge Superstar zum bislang wichtigsten Schlag seines Lebens ansetzte. Der Birdie-Putt landete im Loch. Tiger Woods ballte die rechte Faust und hob sie als Zeichen des Sieges in die Höhe. Sekunden später schob er seine Mütze ins Gesicht, um die Freudentränen zu verbergen.

          Es war nur ein kurzer Augenblick, in dem der neue Masters-Champion die Kontrolle verlor, doch er sagte alles über eine geschichtsträchtige Vorstellung. „Dieses Gefühl", meinte Woods später, „hatte ich noch nie." Und der professionelle Golfsport hatte bislang auch noch keinen Protagonisten, der die Trophäen der vier Major-Turniere in unmittelbarer Reihenfolge abgeräumt hat.

          Ein Jahrhundertsportler

          Es ist der unglaubliche Triumphzug eines „Jahrhundertsportlers" (Sports Illustrated), der nach 294 Tagen im Schatten der Kiefern des National Golf Clubs in Augusta (US-Bundesstaat Georgia) kulminierte. Nach Siegen bei den U.S. Open, British Open und den PGA-Championship vollendete der weltbeste Golfer einen Coup, der alle Dimensionen sprengt. Und es spricht für sich, dass viele der namhaften Konkurrenten sein Meisterstück am 18. Loch aus nächster Nähe verfolgten. Im Bewusstsein, ein Stück Zeitgeschichte nicht verpassen zu wollen.

          Tiger Woods beendete das bedeutendste Golfturnier der Welt mit insgesamt 272 Schlägen (70+66+68+68) vor seinen amerikanischen Landsleuten David Duval mit 274 Schlägen (71+66+70+67) und Phil Mickelson mit 275 Schlägen (67+69+69+70), denen in einem Thriller am Ende die Nerven versagten.

          Als Woods unter dem Applaus der Fans seine stolzen Eltern umarmte, standen Duval und Mickelson frustriert im Abseits. Die Einsamkeit der Verlierer, die zuvor unisono von einem „Schicksalsturnier" in ihrer Karriere gesprochen hatten. Doch das Schicksal wollte es anders.

          Keine logische Erklärung

          Oder wie es Tiger Woods formulierte: „Die Mehrzahl der Golfgötter ist mit Sicherheit auf meiner Seite." Es ist bezeichnend, dass selbst dem Champion logische Erklärungen für seine übernatürlichen Fähigkeiten fehlen. Ganz zu schweigen von der Konkurrenz. Jose Maria Olazabal nannte Woods einmal den „spielenden Engel", und Mark Calcavecchia setzte bei den British Open in St. Andrews noch einen drauf, ials er den Tiger als „den Auserwählten" bezeichnete: „So einen wie ihn hat es im Golf noch nie gegeben."

          Auch in Augusta wurde Woods mit Lob nur so überschüttet, wobei auch der mit 279 Schlägen (73+69+68+69) und einem geteilten sechsten Rang „hochzufriedene" Bernhard Langer dem Amerikaner huldigte. „Es ist ein hervorragendes Ausnahmeergebnis dieses Golf-Gentlemans", meinte der Anhausener, „man kann ihm einfach alles zutrauen."

          Nachdem ihm Vorjahressieger Vijay Singh (Fidschi) bei der traditionellen Zeremonie in Butler's Cabin ins grüne Jackett geholfen hatte, gab Woods zu, vom vierten Major-Streich in Folge „selbst überrascht" zu sein. „Ich habe davon noch nicht einmal geträumt", sagte der erst 25-Jährige, „und ich kann es auch jetzt nur schwer glauben."

          Gratulation vom Präsidenten

          Sogar Präsident Bush gratulierte Woods telefonisch und machte damit dessen Triumph ganz offiziell zu einer "Staatsangelegenheit". Allerdings versäumte es der mächtigste Mann der Welt, in Sachen Grand Slam ein Machtwort zu sprechen. Denn noch immer streiten sich die Geister über den Titel der Siegesserie. Grand Slam oder nur „Tiger Slam“?

          Die Altmeister Arnold Palmer und Jack Nicklaus sehen es schlichtweg als „unsinnig" an, dem Tiger das Slam-Prädikat zu verpassen. Ihrer Meinung nach müssen die vier Major-Turniere in einem Jahr gewonnen werden. Tom Finchem, Commissioner der PGA-Tour, hingegen sprach sich für die Bezeichnung Slam aus, „auch wenn es eine andere Art von Slam ist als die, mit der wir groß wurden. Aber anders ist in diesem Fall auch okay."

          Woods hält sich aus Diskussion heraus

          Der einzige bisherige Slam im Golf geht auf das Konto von Bobby Jones, der 1930 die U.S. und British Open der Profis und Amateure gewann. Sie galten damals als die vier wichtigsten Golfturniere. Doch in der modernen Geschichte des Sports hatte noch kein Aktiver die vier Major-Trophäen auf einmal in seinem Besitz - bis eben jetzt Tiger Woods zuschlug.

          „Für mich ist es ein Grand Slam, und die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle", erklärte Golfprofi Chris DiMarco, „aber vielleicht gewinnt er ja noch in diesem Jahr drei weitere Major in einer Reihe und bringt damit die Kritiker endlich zum Schweigen."

          Spuren in der Weltgeschichte?

          Woods, der nach 1997 sein zweites Masters gewann und diesmal eine Million Dollar Siegprämie kassierte, mochte sich an der leidigen Diskussion nicht beteiligen. „Das sollen andere entscheiden", meinte der 25-Jährige, „aber ich denke, dass dieser Triump als einer der Top-Momente in die Geschichte unseres Sports eingehen wird." Mehr noch. Obwohl die besten Golfjahre erst noch vor ihm liegen, hat der Tiger bereits sportliche Unsterblichkeit erlangt und ein Denkmal in der amerikanischen Ruhmeshalle sicher.

          So wie Muhammad Ali und Michael Jordan. Doch nichts anderes hatte Earl Woods bereits vor 24 Jahren prophezeit. „Meine Freunde, die mich damals auslachten, haben sich mittlerweile allesamt bei mir entschuldigt", erzählte der prominente Dad, der sogar eine weitere Vision hat. „Tiger wird außerhalb des Golfsports noch eine viel wichtigere Person werden, " glaubt Earl Woods, „und in der Weltgeschichte Spuren hinterlassen."

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