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Golf : Alexander Cejka träumt vom lebenslangen Startrecht in Augusta

  • -Aktualisiert am

Herausforderung Augusta: Alexander Cejka Bild: dpa

Sieben Jahre konnte sich Alexander Cejka nicht für das Masters qualifizieren. Jetzt ist Deutschlands bester Golfprofi wieder dabei und sagt: „Ich spiele nicht mit, um Vierzigster zu werden.“

          An seinen ersten Auftritt im Augusta National Golf Club erinnert sich Alexander Cejka als wäre es gestern gewesen. Vielleicht ist dem 33jährigen Golfprofi sein Debüt beim Masters so gegenwärtig, weil er acht lange Jahre auf eine zweite Einladung zu diesem Turnier der Meister warten mußte.

          "Es war mein erstes Major, mein erstes Turnier in Amerika. Die erste Proberunde habe ich mit Severiano Ballesteros, die zweite mit Bernhard Langer und die dritte mit Nick Price gespielt. Auch im Turnier war ich nur mit Major-Champions unterwegs: erste Runde mit Ian Woosnam, die zweite mit Craig Stadler, die dritte mit Jack Nicklaus und die vierte mit Hale Irwin - alles damals große Namen", spult Cejka seine Mitspieler nur so herunter. Am Gründonnerstag und Karfreitag kann der mittlerweile beste deutsche Golfer seine Bekanntschaft mit der Golflegende Nicklaus auffrischen: Die ersten beiden Runden des 68. Masters in Augusta im Nordosten des amerikanischen Bundesstaates Georgia absolviert Cejka mit dem 64jährigen Amerikaner, mit 18 Erfolgen bei den vier Majors der erfolgreichste Profi, und dem Japaner Toshi Izawa.

          Ausgerechnet an die Masters-Runde mit Nicklaus am 13. April 1996 erinnert sich Cejka nicht so gerne: "Es lief damals bis zum elften Loch gut. Ich lag für das Turnier Par, aber dann habe ich Bogey, Doppelbogey und Bogey gespielt. Das hat mir einen Knacks gegeben", sagt Cejka. Er beendete das Turnier nach Runden von 73, 71, 78 und 80 Schlägen als 44. - als Letzter der für die beiden Schlußrunden qualifizierten Golfer und verdiente 8800 Dollar Preisgeld. Das war trotz des Einbruchs für einen Neuling eine respektable Leistung, zumal Tiger Woods (75+75 Schläge) bei seinem letzten Auftritt als Amateur am Cut gescheitert war.

          Mit jedem verpaßten Masters wurde der Wille stärker

          Ein Jahr später wurde Woods von seinem Vorgänger Nick Faldo (England) zum erstenmal das grüne Sieges-Jackett übergestreift. Cejka erlebte dieses und weitere sechs Masters nur am Fernsehschirm mit, und mit jedem verpaßten Masters wurde der Wille stärker: Irgendwann wollte auch er wieder über die hügeligen und perfekt manikürten Spielbahnen gehen, sein Feingefühl auf den welligen, pfeilschnellen Grüns testen.

          Als es endlich so weit war, konnte er es kaum erwarten. Von seinem neuen Wohnort Boca Raton in Florida fuhr er schon am Samstag nach Augusta, spielte auf dem für Zuschauer noch gesperrten Platz ganz einsam zwei Proberunden und fühlte sich in die Anfänge seiner sportlichen Laufbahn versetzt: "Es war fast wie beim Monatsbecher im Klub." Mit der Ruhe war es freilich schon am Montag vorbei: An den drei Übungstagen sorgen jeweils 20.000 Zuschauer wie an den vier Turniertagen für ein ausverkauftes Haus.

          Cejka hat die Rückkehr an den für ihn magischen Ort, auf den Platz, der zu den besten der Welt zählt, geschafft, weil er aus dem sportlichen Tief, in das er nach seinen beiden guten Jahren 1995 und 1996 gefallen war, dank harter Arbeit wieder auftauchte. Im Herbst 2002 gewann er mit der Trophee Lancome in Paris nach drei Erfolgen im Jahre 1995 sein viertes Turnier auf der europäischen Tour. Ende jenes Jahres schloß er die Qualifikation für die US PGA Tour als Zweiter ab und etablierte sich im Vorjahr in seiner Wahlheimat Vereinigten Staaten auf der anspruchvollsten Turnierserie der Welt. Er belegte bei der PGA Championship, dem letzten Major des Vorjahres, den vierten Platz, war damit schon für das Masters qualifiziert und stand Ende des Jahres unter den Top 50 der Weltrangliste, ein Platz, den er auch in der Woche vor diesem Masters einnahm - damit erfüllte er noch zwei weitere Qualifikationsnormen für das Turnier auf dem Platz des exklusivsten Golfklubs der Welt.

          Weniger Geld, schlechtere Plazierung

          In diesem Jahr lief es noch nicht so gut. Mit knapp 300.000 Dollar Gewinnsumme, einem 14. Platz als bestes Saisonergebnis, liegt er in der amerikanischen Geldrangliste nur auf Platz 70, zwanzig Ränge hinter Bernhard Langer, der 417.000 Dollar spielend verdiente. In der Weltrangliste fiel Cejka in dieser Woche auf Platz 52 zurück, wird damit aber immer noch 32 Plätze höher eingestuft als der zweite deutsche Masters-Teilnehmer. Der Anhausener Langer kann keines der aktuellen sportlichen Teilnahmekriterien vorweisen, aber das muß er auch nicht. Als Masters-Champion der Jahre1985 und 1993 genießt der 46jährige Ryder-Cup-Kapitän ein lebenslanges Spielrecht.

          Diese ultimative Spielberechtigung schwebt natürlich auch Cejka vor, auch wenn er behauptet, sich nur vorgenommen zu haben, so gut zu spielen wie irgendwie möglich. Aber er sagt auch: "Ich will jedes Turnier gewinnen. Ich spiele nicht mit, um Vierzigster zu werden."

          In den sieben Jahren, die Cejka zusehen mußte, wurde der Platz um 334 auf 6666 Meter verlängert. Doch im Gegensatz zu Langer, dem das zu lang ist, ist Cejka vor den zusätzlichen Metern nicht bange. Auch wenn er mit einer durchschnittlichen Abschlaglänge von 262 Metern wie Langer (259 Meter) nur Tour-Mittelmaß erreicht, die Longhitter und Turnierfavoriten Woods, Ernie Els, Phil Mickelson oder Vijay Singh den Ball zehn bis zwanzig Meter weiter schlagen, sagt er keck: "Hier kann auch ein Shorty gewinnen." Zu dieser Kategorie zählt Cejka höchstens von der Körpergröße: Mit 1,73 Meter ist er einer der Kleinsten im Feld der 88 Profis und fünf Amateure - aber auch dieses Maß ist beim Masters kein Hinderungsgrund: Der kanadischen Titelverteidiger Mike Weir mißt ebenfalls vom Scheitel bis zur Sohle exakt 1,73 Meter.

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