https://www.faz.net/-gtl-2u5g

Gesundheit : Warum der Gang ins Heu gesund macht

  • Aktualisiert am

Ab ins Heu! Bild: dpa

Im Rahmen der Suche nach alternativen Heilmethoden wurde das Potential duftender Bergwiesen entdeckt. Heukuren sind im Trend.

          Die Knechte mussten in früheren Zeiten in den Heuschobern nächtigen, und das, obwohl sie tagsüber schwerste körperliche Arbeit verrichteten. Am Morgen waren sie in der Regel jedoch erstaunlich fit. Aus diesem Grund gehören feucht-warme Heupackungen bei Rheuma oder Gicht unter Bergbauern zu den gängigen Hausmitteln.

          In Pfronten hat man diese alte Tradition wieder ausgegraben und setzt ganz auf das Heu: Neben einer Heukönigin, einem Heumuseum sowie Kosmetika und Likören aus dem getrockneten Gras gibt es dort vor allem Heukuren. Die hat der Wirt Rudolf Babel mit dem Hotelier Karl-Otto Bertle vor zehn Jahren entwickelt. Allein im vergangenen Jahr ließen sich rund 2.000 Gäste bei einer Kur einwickeln - in dampfende Wickel gefüllt mit duftendem Bergwiesen-Heu.

          Kur, Kosmetik und Likör

          Beschwerden wie Magenstörungen, Durchblutungsstörungen, rheumatische Erkrankungen, Husten oder Unruhe sollen die aromatischen Düfte der getrockneten Blumen, Kräuter und Gräser heilen. „Über 100 verschiedene Heilkräuter, Wiesenblumen und Grassorten wachsen hier auf einem Quadratmeter“, sagt Norbert Wienesen, Präsident des Heu-Kurverbandes Pfronten.

          Anfang August sind viele der ungedüngten Bergwiesen rund um Pfronten, auf denen keine Tiere weiden, schon gemäht. Die Arbeit für die Bauern ist schwierig. Die meisten Abhänge in 1.000 Metern Höhe sind steil, so dass die Landwirte von Hand mähen müssen. Doch die Mühe lohnt sich, denn die Bauern verkaufen das Heu an Hotels und Pensionen, die Heukuren anbieten, und an den Destillateur, der daraus eine Basis für Liköre und Kosmetikprodukte herstellt.

          Eingewickelt wie ägyptische Mumien

          Acht Hotels und Pensionen in Pfronten laden zur Heu-Kur. Die Kurgäste müssen sich dabei aber nicht in kratzende Heuhaufen legen, sondern werden in eine Art Steppdecke eingewickelt, in deren Kammern rund fünf Kilo Heu stecken. Zuvor wird der Wickel in einer Dampfkammer erhitzt. Bei einer Temperatur von 41 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit entfalten sich die Wirkstoffe der Kräuter und Gräser.

          Eine halbe Stunde lang schwitzen die Gäste eingewickelt wie ägyptische Mumien und entspannen sich. Danach bringen Massagen, Güsse und Bäder ihren Kreislauf wieder auf Touren. Bis zu fünf Mal lassen sich die Besucher während ein oder zwei Wochen Kur einwickeln.

          Die Kur soll auch mit Heuschnupfenleiden kompatibel sein: „Das Heu enthält keine Pollen und wird zudem feucht gemacht“, sagt Wienesen. Wie hoch der Gesamtumsatz mit den Kuren ist, will keiner einschätzen: „Wir sind ja noch am Anfang“, sagt Tourismusdirektor Jan Schubert.

          Weitere Themen

          Der HSV marschiert weiter

          Zweite Liga : Der HSV marschiert weiter

          Auch im Karlsruher Wildpark wird der Tabellenführer nicht erlegt: Der HSV festigt mit dem Sieg beim KSC seine gute Position im Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga. Der „Club“ schafft einen Arbeitssieg.

          Topmeldungen

          Am Rande des G-7-Gipfels : Wie es Macron gelang, Trump gnädig zu stimmen

          Der französische Präsident präsentiert sich in Biarritz als Überraschungskünstler: Er hat den erwartet sperrigsten Gipfelteilnehmer vorläufig gezähmt – und scheut dabei nicht vor einem Trick zurück.

          Amazonas-Brände : Warum sind wir so passiv?

          Der Regenwald brennt. Das Foto des erblindeten Ameisenbären in Abwehrstellung ging um die Welt und ist zum Sinnbild geworden. Ein verzweifelter Aufruf von Brasiliens bekanntestem Naturfotografen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.