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Gesundheit : Unsichtbare Zahnspange für Erwachsene

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Unsichtbare Zahnspange: farbloser Plastiküberzug statt Silberdrähte Bild: dpa

Der Kieferorthopäde Rainer-Reginald Miethke stellt dieser Tage in Berlin die unsichtbare Zahnspange vor.

          2 Min.

          Mit dem Küssen gibt es keine Probleme. „Ich habe keine Klagen gehört“, erklärt Kieferorthopäde Rainer-Reginald Miethke von der Zahnklinik der Berliner Charite und ein breites Lächeln huscht über sein Gesicht. Der Universitätsprofessor präsentiert in Berlin erstmals in Europa die unsichtbare Zahnspange.

          Mit dem in den USA entwickelten Verfahren soll Erwachsenen bequem und unbemerkt von ihrer Umgebung zu einem perfekten Lächeln verholfen werden - ohne „Brackies“. Die „Brackies“, Metalldrähte, die zumeist aus dem Mund von Teenagern blitzen, seien Erwachsenen zur Zahnkorrektur kaum zumutbar, weiß Miethke. Die unattraktiven „Sauerkrautfänger“ störten beim Sprechen und Essen. Die verdrahteten Zähne lassen sich laut Miethke kaum richtig reinigen. Unter den Klammern beginne leicht die Zahnfäule.

          Zehntelmillimeterweise zum strahlenden Erfolg

          Die unsichtbaren Plastikschienen würden für jeden Patienten individuell hergestellt, erklärt der Kieferorthopäde zum Verfahren. Mit einer ganzen Serien von Spangen, die nacheinander jeweils ein bis zwei Wochen getragen würden, rückten die Zähne langsam zehntelmillimeterweise in die gewünschte Position.

          Die in Silicon Valley in Kalifornien beheimatete Firma Align nehme zunächst Kieferabdruck und Röntgenbild des Patienten entgegen. In Pakistan errechneten Kieferorthopäden per Computer ein 3-D-Modell des Gebisses und teilten die Behandlungsschritte ein. In Mexiko schließlich würden die Spangen produziert und von Kalifornien aus an den behandelnden Arzt irgendwo in der Welt weitergeschickt.

          Mit Zahnkorrektur zum „Lebensglück“

          Für Kinder und Jugendliche unter 16 sei die Behandlung nicht geeignet. „Schädelwachstum und Zahndurchbruch müssen abgeschlossen sein“, erklärt der Zahnmediziner. Bei Kindern und Jugendlichen wäre das Verfahren noch zu teuer, da die schnellen Veränderungen des Gebisses ständig neue Abdrücke und Neuberechnungen erforderten.

          Miethke hat sich auf seine Fahnen geschrieben hat, Menschen durch zwei ebenmäßig schöne Zahnreihen zu mehr Lebensglück zu verhelfen. „Wir legen die Messlatte sehr hoch - und die Patienten dann auch“, erklärt er seinen hohen ästhetischen Anspruch. Dezent lässt der Mitfünfziger durchblicken, dass auch er sich selbst bald einer solchen Behandlung zu unterziehen gedenkt. Nicht zuletzt kommt die Methode aus Kalifornien, wo auch das Schneeweiß-Bleichen der Zähne inzwischen zum Standard gehört.

          Krankenkassen zahlen die Behandlung nicht

          Miethkes Zahnarzthelferin Theda Funk ist gerade dabei, sich ihre Zähne vom Chef mit der neuen Methode verschönern zu lassen. Gemessen am Bevölkerungsdurchschnitt hat die etwa Fünfzigjährige ein sehr passables Gebiss. Doch die aus dem Metier stammende, elegante Frau störten ihre leicht verschobenen Zähne im Unterkiefer. Jetzt nach nur drei Monaten mit dem Plastiküberzug sieht sie schon einen „sehr schönen Erfolg“. Sie trägt ihre Schienen rund um die Uhr. Wäre Frau Funk nicht Versuchspatientin, würde sie für ihr Traumlächeln 7.500 Mark auf der eigenen Tasche berappen müssen - nicht gerade wenig, gemessen am Gehalt einer Zahnarzthelferin.

          Die gesetzlichen Kassen tragen die Kosten für Zahnkorrekturen bei Erwachsenen nicht. Miethke sieht das mit den Kosten entspannt: „Sie können ihr Geld schlechter anlegen“, sagt er mit Hinweis auf den Kursverfall einiger deutscher Wertpapiere. Beim ersten Kontakt gehe der Blick der Mitmenschen erst auf die Augen und dann auf den Mund. „Das Äußere hat einen starken Einfluss darauf, wie wir das Leben meistern.“

          94 Prozent der Bevölkerung wünschen sich dem Zahnmediziner zufolge schöne Zähne. Nicht zuletzt glaubten sie, so mehr Erfolg beim anderen Geschlecht zu haben. Doch dazu schweigen die Versuchspersonen Miethkes.

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