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Kunstrasendebatte : Gericht weist Angerer und Co. zurück

Grund des Ärgers: Die Frauenfußball-WM 2015 wird wohl auf Kunstrasen bestritten Bild: dpa

Die Fußballfrauen müssen sich darauf einstellen, die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr auf Kunstrasen zu bestreiten. Ein kanadisches Gericht wies den Antrag auf eine beschleunigte Behandlung einer Klage von 15 Spielerinnen zurück.

          Nicht gespielt und trotzdem verloren: Nadine Angerer und einige weitere der besten Fußballspielerinnen der Welt haben eine bittere Niederlage vor dem Menschenrechtsgericht des kanadischen Bundesstaats Ontario erlitten. Richterin Jo-Anne Pickel wies den von Angerer und 14 weiteren Spielerinnen eingereichten Antrag auf ein beschleunigtes Verfahren ihrer Klage gegen eine vermeintliche Ungleichbehandlung gegenüber den fußballspielenden Männern durch Verwendung von Kunstrasen zurück.

          Die Richterin sah keine Veranlassung, dem Fall die Dringlichkeit zuzugestehen, die eine Bevorzugung gegenüber anderen anhängigen Entscheidungen rechtfertige. Richterin Pickel kritisierte die Spielerinnen beispielsweise dafür, dass sie ihre Klage so spät eingereicht hätten, obwohl bereits seit anderthalb Jahren bekannt sei, dass auf Kunstrasen gespielt werden soll.

          Das Gericht lud in seiner förmlichen Ablehnung des Antrags nun lediglich die beteiligten Parteien, die Spielerinnen, den kanadischen Fußballverband CSA und die Fifa als Veranstalter des Turniers zu Mediationsgeprächen unter Leitung des Gerichts ein. Die Parteien müssen sich bis zum kommenden Montag bezüglich ihrer Bereitschaft dazu äußern.

          Die Spielerinnen wollen das Gericht nach Worten ihres Anwalts Hampton Dellinger von der Kanzlei Boies, Schiller & Flexner aus dem kalifornischen Santa Monica abermals bitten, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken und doch zumindest eine Anhörung im Eilverfahren abzuhalten. „Das Gericht geht fälschlich davon aus, dass der kanadische Verband zu einer Mediation bereit sei. Tatsächlich hat der Verband aber bereits gegenüber den Spielerinnen und dem Gericht abgelehnt“, sagt Dellinger. „Eine Anhörung ist deshalb dringlicher denn je.“

          Die Anwaltspraxis betonte zudem, dass die Klage nicht allein von den 15 Spielerinnen getragen werde, die vom Gericht in der Entscheidung genannt seien. „Die vom Gericht angeführte Liste ist nicht vollständig“, sagte Rocky Collis auf Anfrage von FAZ.NET. Vielmehr handele es sich weiterhin um 60 Spielerinnen, die den Protest unterstützen.

          Spielerinnen fürchten Nachteile

          Mit ihrer Klage wollten die Spielerinnen mit dem amerikanischen Star Abby Wambach und Frau Angerer an der Spitze erreichen, dass die Frauenfußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr nicht auf Kunstrasen ausgetragen wird. Erstmals soll ein vom Internationalen Fußballverband Fifa veranstaltetes Turnier im Seniorenbereich auf synthetischem Grün ausgespielt werden, was die Spielerinnen unter anderem wegen anderer Spieleigenschaften des Spielfelds als diskriminierend bezeichnen. Den männlichen Kollegen werde dies auch in der absehbaren Zukunft bei Turnieren in Russland oder Qatar nicht zugemutet.

          Die Spielerinnen sorgen sich zudem um ihre Gesundheit. Aus ihrer Sicht sei noch nicht absehbar, welche zusätzlichen Risiken ein vierwöchiges Turnier auf Kunstrasen im Vergleich zu gelegentlichen Einsätzen auf dem Untergrund mit sich bringe.

          Unabhängige Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass Kunstrasen der besten, von der Fifa mit zwei Sternen zertifizierten Qualität weder erhöhte gesundheitliche Risiken noch wesentlich andere Spieleigenschaften mit sich brächten.

          Geringe Chancen auf Mediation

          Diese Frage wollten die Spielerinnen nun freilich von dem kanadischen Gericht in einem Eilverfahren geklärt wissen, damit überhaupt noch eine Chance auf einen Wechsel der Spielfelder bis zum Beginn des Turniers im Juni bestanden hätte.

          Die Fifa wird an einer Mediation derweil sicher auch nicht teilnehmen, da sie gemäß des Wortlauts der Entscheidung von Richterin Pickel dem Menschenrechtsgericht mitgeteilt hat, die eine Entscheidung des Gerichts nicht zu akzeptieren, da der Verband die Zuständigkeit bezweifele.

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