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Gemischte WM-Bilanz : Handball-Party ohne Gastgeber

  • -Aktualisiert am

Überraschungssieger: das französische Handball-Team Bild: dpa

Frankreich, Niederlande und Norwegen haben Strukturen, die beim WM-Gastgeber noch fehlen. Auch deshalb verpassen die deutschen Handball-Frauen eine große Chance.

          Manchmal ist Handball wie Fußball. Tritt der Präsident des Weltverbandes auf, gibt es Pfiffe und Buh-Ruhe, hier wie da. Hassan Moustafa mag weniger unbeliebt sein, als es Sepp Blatter war, aber es gibt immer noch genug Gründe, den undurchsichtigen Ägypter nicht zu mögen. Eine ganze Reihe ungeklärter Vorwürfe verbinden sich mit dem 73 Jahre alten Chef des Internationalen Handballverbandes (IHF), und als er am Sonntagabend in Hamburg zur Siegerehrung schritt, gab es die entsprechende Reaktion von den Rängen. Das auch vom Deutschen Handballbund (DHB) gestützte Oberhaupt wird trotz aller Unmutsbekundungen mindestens bis 2021 im Amt bleiben, weiter durch die Weltgeschichte reisen und Ehrungen vornehmen – wobei es den Französinnen reichlich egal war, wer da stand und etwas sagte.

          Sie waren überwältigt vom Gefühl eines überraschenden Sieges gegen den großen Favoriten. 23:21 bezwang die Mannschaft des Trainers Olivier Krumbholz die Auswahl aus Norwegen. Frankreich ist zum zweiten Mal nach 2003 Weltmeister der Frauen – in einem Jahr, in dem schon die Männer triumphierten (im Januar bei der Heim-WM ebenfalls gegen Norwegen).

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          Waren die Herren seinerzeit erster Anwärter auf den Titel, kam der Triumph der Frauen auf leisen Sohlen. Man werde hoffentlich mit weniger als zehn Toren Unterschied verlieren, hatte es vor dem Endspiel geheißen. Die Norwegerinnen unter ihrem isländischen Trainer Thorir Hergeirsson hatten im Viertelfinale Russland und dann Holland überrannt. Das war präziser Tempohandball vom Feinsten, mit Stine Oftedal und Nora Mörk in den Hauptrollen. Doch im Finale zerbrachen die einstudierten Angriffe an der harten, offensiven französischen Abwehr – und am Ende war deren Spielmacherin Allison Pineau eiskalt, während bei Norwegen niemand mehr werfen wollte. Zu groß war die Furcht, wieder an Amandine Leynaud im französischen Tor zu scheitern. Der defensive Handball hatte über den offensiven gesiegt; das fanden nicht nur die 7000 norwegischen Fans in der ausverkauften Arena am Volkspark schade, sondern auch neutrale, die das Spektakuläre am Frauenhandball schätzen – und der deutsche Nationalspieler Rune Dahmke, dessen Freundin Stine Oftedal ist.

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          Die Kampfansage einiger trauriger Norwegerinnen, es beim nächsten Großturnier besser machen zu werden, klang ausgesprochen zahm nach dieser Enttäuschung – zumal die kommende Möglichkeit die Europameisterschaft Ende 2018 in Frankreich sein wird.

          Für diese kontinentalen Titelkämpfe muss sich die erste Auswahl des DHB noch qualifizieren; im März geht es in zwei Spielen gegen Spanien weiter, dann mit dem neuen Bundestrainer Henk Groener. Die konfus an Dänemark gescheiterten „Ladys“ waren am Sonntag beim Fazit des DHB-Präsidenten Andreas Michelmann noch einmal Thema. „Die WM war organisatorisch ein Erfolg und wir waren ein guter Gastgeber“, sagte Michelmann, „abgesehen vom sportlichen Abschneiden hatten wir eine tolle WM.“ Knapp 240.000 Zuschauer besuchten die 84 Spiele; das sind fast 3000 pro Partie. Das bilanzielle Minus fiel mit einer halben Million Euro wie erwartet aus.

          Die Endrunde in Hamburg mit vielen friedlichen, fröhlichen, fairen Fans aus Norwegen, Holland und Schweden war ein Handballfest. Wirklich schade, dass die deutschen Frauen da schon eine Woche nicht mehr im Turnier waren. Der Druck eines Halbfinals wäre sicher geringer gewesen als die Zentnerlast, die beim Magdeburger Achtelfinale auf den Schultern der Frauen lastete. So fand die Party ohne die Deutschen statt.

          Dünn und wenig zielführend war später die verbandsinterne Analyse des Scheiterns. „Die Versäumnisse lagen nicht in den vergangenen 20 Monaten, sondern den vergangenen zehn, 15 Jahren“, sagte Michelmann auch am Sonntag wieder. Das mag stimmen, nur gab es rein vom Abschneiden her in der genannten Zeit große Erfolge – beginnend mit dem dritten Platz bei der WM 2007 in Frankreich. Auch danach schnupperten deutsche Teams unter verschiedenen Trainern immer mal wieder am Edelmetall, wovon sie in der kurzen Zeit unter Michael Biegler weit entfernt waren.

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          Zu einer sinnvollen Fehleranalyse hätte gehört, das schwache Nervenkostüm der Frauen zu benennen – und die Last, beim Heim-Turnier möglichst weit kommen zu müssen, vielleicht durch einen Mentaltrainer in die Lust aufs Gewinnen umzuwandeln. Die Chance wurde jedenfalls leichtfertig vergeben, den Frauenhandball zumindest für zwei Wochen zum Gesprächsthema zu machen. Immerhin hätte es mit dem Verbleib Deutschlands im Turnier Live-Bilder aus Hamburg im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gegeben. So aber wird abseits der handballbegeisterten Nationen kaum jemand mitbekommen haben, dass die Weltmesse dieser Sportart soeben hierzulande stattgefunden hat.

          Die sportlichen Vorbilder Niederlande, Frankreich und Norwegen besitzen Strukturen, die der DHB gerade erst aufbaut. Zu ihnen gehören professionelles Training schon bei 16-Jährigen (mit Einheiten am Vormittag), die Kooperation mit Schulen, frühe Konzentration in Leistungszentren, die Bereitschaft, sich mit Anfang 20 in harten ausländischen Ligen durchzubeißen, in Rumänien, Mazedonien oder Ungarn. Das ist gewiss kein Spaß, aber die Realität im modernen Profisport. Auch bei den Frauen. Dass es nicht reicht, hohe Ziele auszugeben und zu hoffen, durch einen erfahrenen Männertrainer und den Heimvorteil mögen sie irgendwie eintreten, hat der DHB in den vergangenen Wochen schmerzlich erfahren.

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