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Gay Games : Drag Queens und schwere Motorräder zur Eröffnungsfeier

  • -Aktualisiert am

13.000 Sportler aus 71 Ländern: Die Gay Games in Sydney Bild: AP

Das Flair der Olympischen Spiele kehrt nach Sydney zurück: 13.000 Sportler treffen sich zu den Weltspielen der Schwulen und Lesben.

          Fast ist es so wie vor zwei Jahren in Sydney. Gespannte Erwartung vor den ersten Wettbewerben, eine dreieinhalbstündige Eröffnungsfeier vor Tausenden von Zuschauern. Fanfaren, Musik, Ansprachen. Anstelle von 120 Pferden werden diesmal aber kräftige lederbewehrte Damen auf großen Motorrädern ins Stadion "einreiten", und auch die Vielzahl pinker Pompons und Federboas dürften auf den nichtsahnenden Besucher zunächst befremdlich wirken. Willkommen zu den Gay Games in Sydney!

          Von heute an feiern Schwule und Lesben aus aller Welt acht Tage lang ihre eigene Spiele, die sie auf Geheiss des Internationalen Olympischen Komitees ausdrücklich nicht "olympisch" nennen dürfen. Die Teilnehmerzahl übertrifft mit rund 13.000 sogar die der erfolgreichen Sydney-Spiele von vor zwei Jahren. Manche Wettbewerbe gleichen sich, die meisten Sportler messen sich auch diesmal in den tradionellen olymischen Kernsportarten Schwimmen und Leichtathletik.

          Eröffnungsfeier mit Drag Queens und Motorrädern

          Es gibt aber auch ungewöhnliche Leckerbissen zu bestaunen, zum Beispiel Eiskunstpaarlaufen für männliche und weibliche Paare, Tanzen (ebenfalls gleichgeschlechtlich) und Bodybuilding. Insgesamt stehen 31 Sportarten auf dem Programm. Verwendet werden fast alle Austragungsstätten der Olympische Spiele vom September 2000 mit Ausnahme des Olympiastadions und des Superdomes.

          Die Eröffnungsfeier findet im Aussie Stadium (Kapazität 40.000) statt, das bei Olympia mehrere Fußballspiele gesehen hat. Neben den besonders farbenprächtigen Tänzern, Sängern und Drag Queens mit so schönen Namen wie Kitty Glitter sorgen die kanadische Sängerin kd Lang sowie der Schotte Jimmy Sommerville (ehemals Bronski Beat) für Starappeal.

          Sydney: Die angesagte Schwulenmetropole

          Michael Kirby, ein offen schwuler Richter an Australiens höchstem Gericht, dem High Court, wird eine Ansprache halten. Unter den fast 1.000 Teilnehmern aus Deutschland sind unter anderem Städteteams wie Abseitz Stuttgart und Androgym Münster dabei. Die Gay Games finden bei ihrer sechsten Auflage erst zum zweiten Mal ausserhalb Nordamerikas statt.

          Die Wahl Sydneys ist nicht verwunderlich, schliesslich gilt die Traumstadt am Pazifik seit Jahren als eine der angesagtesten Schwulenmetropolen der Welt, die Innenstadtgegend um die Oxford Street hat einen legendären Ruf. Dort tummeln sich auch jedes Jahr bei der bestbesuchten Schwulen- und Lesbenparade der Welt Tausende von Teilnehmern und bis über eine halbe Million Zuschauer beim Mardi Gras, der allerdings in schwersten finanziellen Schwierigkeiten steckt.

          Hohe Antrittsgelder, kaum Sponsoren

          Die Gay Games hatten selber mit gewaltigen Geldproblemen zu kämpfen. "Wir konnten nur mit Mühe und Not überleben", berichtet Pressesprecher Matt Jones. Ein nach olympischen Maßstäben geradezu lächerlich schmales Budget von 16,3 Millionen australischer Dollar (9,1 Millionen Euro) ist noch immer nicht gedeckt, die Organisatoren hoffen verzweifelt darauf, dass die Eintrittsgelder vor allem zur Eröffnungs- und Schlussfeier sowie zu den fünf gigantischen Parties sie vor einem Abrutschen in die roten Zahlen bewahren, die bisher die meisten Gay Games geplagt hat.

          Alle Teilnehmer mussten selbst mit einem satten Antrittsgeld von 336 Dollar (190 Euro) zur Kostendeckung beitragen. Auch des ein scharfer Kontrast zu Olympia, wo viele hochdotierte Profis an den Start gehen. Nur wenige Sponsoren wagten, sich mit den Sportlern der etwas anderen Art in Verbindung zu bringen, unter ihnen zwei Unternehmen, die vom erwarteten Touristenstrom partizipieren, die Fluggesellschaften Qantas und American Airlines.

          Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben

          Geplante Fernsehübetragungen platzten, weil man sich nicht über die Finanzen einigen konnte. Die Regierung des Bundesstaates New South Wales, die für Olympia die Staatskasse plünderte, gibt lediglich logistische Unterstützung, obwohl sie sich satte Steuermehreinnahmen erhofft. Immerhin eröffnet Gouverneurin Marie Bashir, die Vertreterin des nominellen Staatsoberhauptes Königin Elizabeth II., die Spiele.

          Die Teilnehmer im Alter von 18 bis 88 Jahren kommen aus 71 Ländern, auch aus Gegenden, in denen Homosexualität noch immer unter Strafe steht. Viele aus ärmeren Ländern sind mit Hilfe von Subventionen aus dem Etat unterstützt worden sind. Denn neben dem Partycharakter sollen die Spiele auch eine große Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben weltweit sein. Und im Gegensatz zu vor zwei Jahren wird es keinen Medaillenspiegel geben bei den etwas anderen Spielen.

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