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Zwei Talente, ein Ziel (10) : Der Kindheitstraum ist wahr geworden

Am Ziel: Bilal will so gut werden, dass er seinen Eltern später ein kleines Haus schenken kann Bild: Wonge Bergmann

Sechs Jahre begleitete FAZ.NET zwei junge Berliner Fußballer auf ihrem Weg: Bilal hat es nun geschafft. Er ist jetzt Drittliga-Profi in Mainz. Fritz verfolgt derweil in den Vereinigten Staaten ganz andere Ziele.

          Vor knapp sechs Jahren begann die FAZ.NET-Langzeitreportage über zwei 13 Jahre alte Berliner Jungs, die vom Profifußball träumten. Fritz und Bilal spielten damals Stürmer bei Hertha BSC. In der A-Jugend musste Fritz, der zum Innenverteidiger geworden war, den Klub verlassen, aber dank des Fußballs studiert er nun in Amerika. Bilal spielt seit einem Jahr bei Mainz 05. Er hat es als Mittelfeldspieler in die Dritte Liga geschafft. Fritz und Bilal werden bald neunzehn. Der Jugendfußball liegt nun hinter ihnen und das Leben vor ihnen. Und unsere Serie endet hier. Die übrigen Teile finden Sie auf: www.faz.net/fussballtraum

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es liegt drückende Schwüle über dem Rhein, als Bilal am frühen Abend über den Mainzer Bahnhofsplatz schlendert und ein Café in der Nähe ansteuert. Am Nachmittag war die Temperatur auf 37 Grad gestiegen, aber auch jetzt, kurz nach Sonnenuntergang, sind es weit über dreißig. Bilal sieht aus, als käme er aus dem Urlaub: lässige Klamotten, sportliche Kurzhaarfrisur, topfit und durchtrainiert. Während die Leute an den Nebentischen ihre Hemden durchschwitzen, steht kein einziger Tropfen Schweiß auf seiner Stirn. Er sieht aus wie ein Athlet aus dem Bilderbuch. Aber Bilal ist fertig, richtig fertig.

          Die Vorbereitung für die neue Saison läuft in Mainz gerade auf Hochtouren. Zwei Einheiten standen an diesem glühenden Tag auf dem Programm, die nächsten Tage sehen nicht besser aus. Es ist das härteste Training, das er je hatte. Aber Bilal genießt die Leiden. „Es ist echt hart“, sagt er, „aber super.“

          Bilal spricht wie ein Profi

          Ein paar Tage zuvor hat Bilal bei einem 5:1-Testspielsieg zwei Tore geschossen. Aber das erwähnt er nicht. Er spricht nur vom Training. Und den Aufgaben, die vor ihm liegen. Es war auch ein unbedeutender Gegner, ein unbedeutendes Spiel. Vor ein paar Jahren hätte Bilal wohl trotzdem von seinen Treffern erzählt, von seinen Chancen auf einen Stammplatz. Aber diesmal sagt er: „Ich will überhaupt nicht von einem Stammplatz oder bestimmten Einsatzzeiten sprechen. Das ist nicht mein Ziel. Ich will der Mannschaft helfen. Und je öfter ich ihr helfen kann, desto besser.“

          Zwischen Hörsaal und Fußballplatz: Fritz spielt im College Bilderstrecke

          Bilal spricht jetzt wie ein Profi. Und das ist er auch. Er hat es tatsächlich geschafft. Sein Traum ist wahr geworden. Der Traum vom Profifußball, den er schon als Kind träumte, der aber für 99,97 Prozent aller Fußballer in Deutschland immer nur ein Traum bleibt. Bilal ist in der dritten Liga angekommen, der untersten Stufe des deutschen Profifußballs. Er spielt in der U23 des FSV Mainz 05, einem Klub, der wie kaum ein anderer auf junge Spieler setzt. „Ich bin stolz, dass ich es in den Profifußball geschafft habe“, sagt Bilal. „Aber ich bin ganz am Anfang.“

          Wenn er zurück blickt, ist die Zeit wie im Flug vergangen. Schon mit fünf Jahren kam er zu Hertha BSC, weil er so gut war. Er war dort lange der große Star in seinen Teams, er spielte in der Jugend-Nationalmannschaft, hatte einen prominenten Berater, bekam einen eigenen Ausrüstervertrag und wurde deutscher Meister. Bilal war da gerade fünfzehn. Und irgendwie fand er das damals normal. Den Profifußball hatte Bilal immer vor Augen, auch als es schlecht lief. „Ich habe eigentlich immer daran geglaubt. Und natürlich will ich es jetzt auch in die Bundesliga schaffen“, sagt er. „Aber ein Schritt nach dem anderen.“

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