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Zwei Talente, ein Ziel (10) : Der Kindheitstraum ist wahr geworden

Die erste Saison von Fritz in Amerika war eine Enttäuschung. Mit seinem College schied er schnell aus nach der Gruppenphase. „Wir sind weit unter unseren Möglichkeiten geblieben. Es war viel mehr drin“, sagt Fritz. Das Team, das die amerikanische College-Meisterschaft gewann, kam aus ihrer Gruppe, und verloren hatten sie gegen den späteren Sieger nie. Nach den Sommerferien wird Fritz den zweiten Versuch unternehmen, mit dem Rollins College den Titel zu holen. Er gehört dann nicht mehr dem jüngsten von vier Jahrgängen an, und der Trainer hat ihm schon gesagt, dass er in ihm jetzt eine der Stützen sieht. Fritz wird dann auch nicht mehr in der Innenverteidigung spielen, er wird zum Sechser umgeschult. Fritz rechnet sich auch Chancen aus, Kapitän des Teams zu werden. Aber da es bei dieser Entscheidung vorrangig nach dem Alter geht, dürfte das wohl erst in den beiden letzten Spielzeiten in Orlando möglich sein.

Wenn Fritz in diesen Tagen in Berlin am Frühstückstisch vom Fußball in Amerika erzählt, dann ist von seinem Traum vom Profifußball nicht mehr die Rede. Profifußball in Deutschland ist für ihn kein realistisches Ziel mehr, auch wenn er viel, hart und gut trainiert in den Staaten. „Als ich dreizehn, vierzehn war und wir zum ersten Mal über den Traum vom Profifußball gesprochen haben, habe ich wirklich geglaubt, dass ich Profi werde“, sagt Fritz. Und zwar einfach so. Fritz glaubte damals, dass sein Talent dafür reicht. Er sah ja bei der Hertha, wer in seinem Alter auch in anderen Bundesligaklubs auf seiner Position spielte. Aber auch ein paar Jahre später, eigentlich bis zu dem Zeitpunkt, als er mit sechzehn bei Hertha gehen musste, glaubte Fritz immer noch an den Profifußball. Aber da schon mit gewissen Einschränkungen. Ihm war klargeworden, dass er sich in manchen Bereichen steigern und alles optimal laufen musste.

Nun hat ihm der Fußball ein Stipendium im Gegenwert von rund 240.000 Dollar über vier Jahre eingebracht. Er studiert Philosophie und Volkswirtschaft im Hauptfach, im Nebenfach Politik. Es ist eigentlich ein Doppelstudium, das er im Jahr 2018 mit dem Bachelor abschließen will. In diesem Semester hat er alle Prüfungen mit Bestnote bestanden, nur einmal mit der zweitbesten. „Den Master werde ich aber wohl in Deutschland machen. Vier Jahre in Amerika werden für mich genug sein. Ich kenne dann das amerikanische System, und nach vier Jahren werde ich auch mein Englisch nicht weiter verbessern.“

Was mit ihm im Fußball wird, kann Fritz nicht sagen. Dass seine Ausbildung Vorrang hat, ist mittlerweile selbstverständlich. Vor allem die Philosophie hat es Fritz angetan. „Aber wenn ich mich definiere, dann definiere ich mich immer noch als Fußballer“, sagt er. Auch sein Leben hat sich immer um Fußball gedreht, wenn auch nicht ausschließlich. Dass es Bilal nun in die dritte Liga geschafft hat, darüber freut sich Fritz richtig. „Ich bin ja Schalke-Fan, aber Tatsache ist, dass er früher besser war als Leroy Sané. Das hat jeder gesehen. Bilal hat es wirklich verdient“, sagt Fritz.

Und was wird aus der Philosophie? Am liebsten, sagt Fritz, würde er an der Universität bleiben. „Professor, das wär’s.“ Und wovon träumt Bilal, nachdem sein Traum vom Profifußball wahr geworden ist? „Ich wünsche mir, dass ich einmal so gut werde, dass ich meinen Eltern später ein kleines Haus schenken kann“, sagt Bilal. „Sie haben so viel für mich getan.“

Vor knapp sechs Jahren begann die FAZ.NET-Langzeitreportage über zwei 13 Jahre alte Berliner Jungs, die vom Profifußball träumten. Fritz und Bilal spielten damals Stürmer bei Hertha BSC. In der A-Jugend musste Fritz, der zum Innenverteidiger geworden war, den Klum verlassen, aber dank des Fußballs studiert er nun in Amerika. Bilal spielt seit einem Jahr bei Mainz 05. Er hat es als Mittelfeldspieler in die Dritte Liga geschafft. Fritz und Bilal werden bald neunzehn. Der Jugendfußball liegt nun hinter ihnen und das Leben vor ihnen. Und unsere Serie endet hier. Die übrigen Teile finden Sie auf: www.faz.net/fussballtraum

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