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Zum Tod von Helmut Haller : „Il Biondo“ ist gegangen - ohne Ball

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Im Alter von 73 Jahren gestorben: der ehemalige Fußball-Nationalspieler Helmut Haller Bild: dpa

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Helmut Haller ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Anders als nach der Niederlage im WM-Finale von 1966 lässt er den Ball zurück.

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          Die Deutschen kannten ihn gar nicht so gut, denn seinen alltäglichen Zauber verbreitete Helmut Haller in Italien, wo er den FC Bologna 1964 und Juventus Turin 1972 und 1973 zur Meisterschaft führte. Dort liebten sie „Il Biondo“, den blonden Künstler, wie sonst nur in seiner Heimatstadt Augsburg, in der dieser bayerische Schwabe eine Fußball-Institution war.

          Im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, für die der offensive Mittelfeldspieler 33 Mal spielte, 13 Tore schoss und drei Weltmeisterschaften (1962, 1966, 1970) bestritt, glänzte er zwar auch oft genug, doch die ruhmreichen Spielgestalter seiner besten Zeit hießen Franz Beckenbauer und Wolfgang Overath.

          Eine Spielernatur

          Haller, eine Spielernatur par excellence, genoss sein Leben für den Fußball auch so, weil ihm sein Spiel verblüffend leicht zu fallen schien. Bei der Weltmeisterschaft 1966 in England schoss er nach dem neun Mal erfolgreichen Portugiesen Eusbio mit sechs Toren die meisten Treffer, darunter ein unumstrittenes Wembley-Tor, mit dem Haller die Elf von Bundestrainer Helmut Schön im Endspiel gegen England in Führung brachte.

          Dass später der dreifache Torschütze Geoff Hurst mit seinem bis heute umstrittenen Wembley-Tor zum 3:2 den Briten die Tür zum Weltmeistertitel öffnete, verschmerzte Haller rasch. Er hatte ja ein bleibendes Souvenir im Anschluss an die 2:4-Niederlage nach Verlängerung mitgenommen: den Ball.

          Sein Wembley-Tor: Haller trifft im WM-Finale 1966 gegen England zum 1:0 für Deutschland Bilderstrecke

          Das gute Stück unter den linken Arm geklemmt, schüttelte er der Queen noch die Hand, ehe der Ballliebhaber die Bühne Wembley verließ. Erst dreißig Jahre später rückte Haller sein Beutestück wieder heraus an die Engländer – rechtzeitig zum Beginn der Europameisterschaft 1996 im Mutterland des Fußballs.

          Der Ball klebte ihm am Fuß

          „Er war ein Spaßvogel, eine Frohnatur und ein unheimlich talentierter Fußballer“, sagt Uwe Seeler über einen Freund, der am Donnerstag, schon länger an Demenz und der Parkinsonschen Krankheit leidend, an einer Lungenentzündung im Alter von 73 Jahren starb. In Augsburg, wohin Haller nach elf Jahren in Italien (1962 bis 1973) zurückgekehrt war.

          Mit dem FC Augsburg wäre der Mann, über den sogar der Fußball-„Kaiser“ Beckenbauer staunte („der Ball klebte ihm am Fuß, wie er es haben wollte“), 1974 beinahe in die Bundesliga aufgestiegen. Nur ganz knapp scheiterte der FCA seinerzeit in der Aufstiegsrunde, und damit erlebte die erst elf Jahre alte deutsche Eliteklasse nicht einmal die Stippvisite eines wunderbaren Profis, der 1964 in Italien als erster Ausländer zum „Fußballer des Jahres“ gekürt worden war.

          Grande Helmut wird auch in Italien gewürdigt

          „Wie im Himmel“ habe Haller gespielt, hieß es einmal in den italienischen Gazetten. Der Tod des in seinen besten Jahren unwiderstehlichen Dribblers stimmte nicht nur seine deutschen Weggefährten und Bewunderer „sehr traurig“, wie Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, über eine der „überragenden Persönlichkeiten des deutschen Fußballs“ sagte.

          Auch in Italien priesen sie noch einmal „grande Helmut“. Albano Guaraldi, der Präsident des FC Bologna, schrieb in seinem auf der Homepage des Serie-A-Klubs erschienenen Nachruf: „Auf Wiedersehen, Champion. Wir haben ein Familienmitglied verloren.“

          Haller, 2006 von einem schweren Herzinfarkt getroffen und danach nie mehr so recht auf die Beine gekommen, hatte auf der Weltbühne Fußball mehr Glück als im wirklichen Leben. Seine drei Ehen scheiterten. In den vergangenen drei Jahren pflegte seine Tochter Karin Watzka den auf die Nacht zugehenden Fußballstar. „Der Tod“, sagte seine Tochter, „war für ihn eine Erlösung.“

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