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Franz Beckenbauer zum 75. : Ach, Malente!

Franz Beckenbauer am Ball: Moritz Rinke lernte durch Beckenbauer, was die Worte „Außenrist“ und „Effet“ bedeuteten. Bild: WITTERS

Der Autor ist Dramatiker, Schriftsteller und Top-Scorer der DFB-Autoren-Nationalmannschaft. Durch Franz Beckenbauer lernte er, was die Worte „Außenrist“ und „Effet“ bedeuteten. Eine Würdigung zum 75. Geburtstag.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Es war 1978, gleich nach der Niederlage gegen Österreich bei der WM in Argentinien, als mein Großvater seinen Schwarzweißfernseher mit beiden Armen hochwuchtete und aus dem Fenster warf, er landete auf dem Max-und-Moritz-Weg in Bremen.

          Danach setzte er sich in seinen Sessel und sagte: „Mit Beckenbauer, der Lichtgestalt, wäre das nicht passiert!“

          „Beckenbauer . . .“, sagte ich leise und traurig, immerhin war gerade auch meine Lieblingsserie „Familie Feuerstein“ mit aus dem Fenster geflogen.

          Der Großvater saß lange in seinem Sessel und erzählte von der WM im eigenen Lande, bei der Beckenbauer die Deutschen zum WM-Sieg gebracht hatte. Er berichtete von der „Nacht von Malente“ in der schleswig-holsteinischen Sportschule nach der Niederlage gegen die DDR. Helmut Schön, der Bundestrainer, habe sich schon Zugverbindungen raussuchen lassen, um abzureisen. Paul Breitner, den mein Großvater einen „Maoisten“ nannte, packte angeblich schon die Koffer, aber dann habe Beckenbauer eine Rede gehalten, in einem Waschraum, und danach sei man Weltmeister geworden, gegen die Holländer.

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