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Zum 100. von Fritz Walter : Der schüchterne Held

Bild für die Ewigkeit: Fritz Walter mit dem WM-Pokal 1954 in Bern . Bild: dpa

Fritz Walter fürchtete jedes Spiel, aber mit seiner Menschlichkeit auf dem Rasen nahm er Europa die Furcht vor seinem Volk. Zum 100. Geburtstag des wichtigsten deutschen Fußballspielers.

          6 Min.

          Da ist es wieder, das alte Schwarzweiß-Bild, auf dem ein scheu lächelnder Mann durch den Regen getragen wird, einen kleinen Pokal in Händen. Ein Teil deutscher Geschichte, deutscher Erinnerung, seit 66 Jahren. Und nun auch, mehr denn je, Teil deutschen Alltags. Millionenfach wird es Menschen beim Öffnen ihres Briefkastens begegnen, auf der 95-Cent-Briefmarke, die die Deutsche Post zum hundertsten Geburtstag von Fritz Walter herausgegeben hat. Gegen die als unschlagbar geltenden Ungarn hat er 1954 als Kapitän von Sepp Herbergers Elf die Deutschen zu Weltmeistern gemacht. Die Begeisterung, die das in der jungen Bundesrepublik auslöste, ist nie von einem anderen Sportereignis übertroffen worden.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Nicht nur deshalb ist Fritz Walter, geboren am 31. Oktober 1920, der wichtigste Fußballer, den Deutschland je hatte. Der bescheidene Pfälzer war in einem heiklen historischen Moment zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein deutscher Anführer, der ganz anders war als jene, die die Welt noch ein Jahrzehnt zuvor erlebt und erlitten hatte. Seine Leistung besteht darin, an jenem verklärten verregneten Sonntag in Bern eben nicht als „typisch deutsch“ aufgetreten zu sein, nicht so, wie man es damals im Rest Europas noch aus eigenem Erleben kannte: auftrumpfend, triumphierend. Das „Wir sind wieder wer“ kam nie über seine Lippen, auch seiner Körpersprache war es fremd. Neun Jahre nach dem Krieg war die Menschlichkeit dieses deutschen Anführers ein Schritt zu einem friedlichen Europa, zu einem, das keine Angst mehr haben musste vor den Deutschen.

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