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Zorc und Sammer : Der Nette und der Scharfmacher

  • -Aktualisiert am

Sportliche Leiter im Schatten ihrer Trainer: Der Dortmunder Michael Zorc (l.) und Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer Bild: picture alliance / augenklick/fi

Schon als Teamkollege hat Michael Zorc erfahren, dass Matthias Sammer den Marschallstab im Tornister trägt. Die Sportmanager von Borussia Dortmund und Bayern München könnten unterschiedlicher kaum sein. Aber sie respektieren sich auch vor dem Champions-League-Finale.

          Schon als sie zusammen die Champions League 1997 mit Borussia Dortmund gewannen, waren sie nicht nur Mitspieler, auch Gegenspieler. Nun wird einer von ihnen auch als Sportdirektor den Gipfel des europäischen Klubfußballs besteigen, und der andere wird es zu verhindern suchen. Beide, Michael Zorc und Matthias Sammer, sind dabei bei weitem nicht die präsentesten Figuren ihrer Klubs. Sie stehen in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich hinter ihren Trainern und auch ihren Chefs zurück.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Bei Zorc, der Trainer Jürgen Klopp holte und in 15 Jahren zahlreiche Transfererfolge hatte, ist leicht erkennbar, dass seine innere Bedeutung die äußere Wahrnehmung weit übersteigt, dass ihm das aber recht zu sein scheint. Bei Sammer, der erst ein Jahr bei den Bayern ist und weder einen der Meisterspieler noch den Meistertrainer, noch dessen Nachfolger verpflichtet hat, ist das nicht so sicher. Ihn umgibt bereits eine Aura der Macht, ohne dass man auf Anhieb erkennt, worin genau sie besteht.

          Dass Sammers Bedeutung wächst, ist aus zweierlei abzulesen. Erstens daraus, dass er derjenige war, der nach dem Rückzug von Präsident Uli Hoeneß aus dem Tagesgeschäft nach dessen Steueraffäre die Stimme des Rekordmeisters in den zugespitzten Konfrontationen der letzten Saisonwochen wurde. Darin war bei der Abwerbung von Mario Götze aus Dortmund und dem perfiden Timing der Bekanntgabe dieses Transfer-Coups aus unbekannter Quelle der kalte Hauch alten Münchner Machtgehabes spürbar geworden - diesmal verkörpert nicht von Hoeneß, sondern von Sammer, der seine neue Rolle auch im giftigen Wortgefecht mit Klopp beim Spiel in Dortmund untermauerte.

          Öffentliche Betonung der Wichtigkeit

          Das zweite Indiz der Wichtigkeit ist die öffentliche Betonung dieser Wichtigkeit durch Untergebene in zuletzt auffälliger Häufung. „Da hat man sich einen sehr großen Fisch geangelt“, sagte etwa Bastian Schweinsteiger und fügte an: „Die Lederhose passt ihm auch, und eine Bierdusche hat er sich auch schon geholt. Da wird noch mehr kommen.“ Arjen Robben nannte Sammer „sehr wichtig für die Mannschaft. Er ist ein Gewinner. Er will alle scharf halten. Er lässt nicht nach. Ich mag das.“ Thomas Müller fand: „Er schraubt auch an Dingen, die man sonst nicht so beachtet.“ Und ein weiterer wichtiger Mitarbeiter behauptete, dass „mehr als zehn Punkte“ von dem Rekordvorsprung von 25 Punkten auf Sammer zurückgingen, auf dessen Art, „nie lockerzulassen“.

          Einstige Teamkollegen: Zorc und Sammer (von links, mit Stefan Reuter im Jahr 1999)

          Locker, das war mal, auch in den bilateralen Beziehungen. Hans-Joachim Watzke, der Dortmunder Klub-Chef, erklärte vor kurzem, die Beziehungen zum FC Bayern seien abgekühlt, seit Sammer dort wirkt. „Das ist für mich kein Problem, sondern eher ein Kompliment“, konterte Sammer. Dass er mit Dortmund Meister als Spieler und Trainer war, trägt nicht zur Entspannung bei, im Gegenteil. Von dem Weltklassespieler ging auf jeder seiner Stationen die Aura einer Zweckehe auf Zeit aus, weit weg von der „echten Liebe“, dem Vereinsmotto, mit dem die Borussia die Nische des emotionalen Spitzenklubs besetzt.

          Zorc hat Sammer überstanden

          Zorc und Sammer, die Gegner von Wembley, hatten schon als Teamkollegen zuweilen widerstreitende Interessen. Zorc war im Spätherbst seiner Karriere Kapitän unter Trainer Ottmar Hitzfeld, aber Sammer war der eigentliche, gar nicht so heimliche Spielführer. Zu jener Zeit, als der BVB sich in erster Generation anschickte, eine europäische Marke zu werden, wirkten diese beiden großen Spielerpersönlichkeiten, jeder auf seine Art, darauf hin, den Verein nach oben zu bringen. Zorc war immer der Junge aus Eving, der bei sicher guter Dotierung seinem Klub treu geblieben ist. Sammer dagegen war der Zugereiste, der es zu schätzen wusste, nach seinem Gastspiel bei Inter Mailand weiter hoch bezahlt zu werden.

          Zorc hat den Spieler und später den Trainer Sammer überstanden. Und was schwieriger war: den Übergang zu „Borussia Dortmund 2.0“, wie Watzke den Klub jetzt nennt. Zorc verkörpert schwarz-gelbes Urgestein. „Michael ist nicht nur loyal, sondern auch strategisch ausgerichtet und unglaublich gut vernetzt“, sagt Watzke. „Wie mit Jürgen Klopp ist eine Freundschaft entstanden.“

          Neben dem inzwischen pensionierten Pressesprecher Josef Schneck, der noch immer die Interessen des aktuellen Trainers begleitet, ist Zorc der einzige wesentliche Mann aus dem Management, der sich aus der Ära des vormaligen Präsidenten und Geschäftsführers Gerd Niebaum gehalten hat. Im Laufe der Zeit geriet er, auch aufgrund dieser Vergangenheit, in die Kritik. Ein anderer Mitstreiter aus der Ära Niebaum war drauf und dran, den Job des Sportdirektors zu übernehmen: Stefan Reuter.

          Wertschätzung Watzkes

          “Da war ich schon auf dem Abstellgleis“, sagt Zorc. Doch er bekam den Job und hat sich behauptet. Dabei hatte er lange keine leichte Zeit bei Borussia Dortmund. Sogar Watzke wurde ungeduldig und sagte schließlich, es sei an der Zeit, dass Zorc endlich mal „einen richtigen Trainer“ finde. Als er vor fünf Jahren Klopp als Kandidaten aufbot, soll Watzke die Suche und den damit verbundenen Erfolg rasch zur Chefsache erklärt haben.

          Inzwischen braucht Zorc keine Referenzen mehr. Watzke schätzt ihn als einen seiner engsten Mitarbeiter, und der frühere Zweitligaspieler Klopp vergisst bei den wenigen gemeinsamen Auftritten nicht zu erwähnen, dass Zorc der wesentlich bessere Fußballer gewesen sei. Zu den herausragenden Stärken Zorcs zählt es, die eigene Bedeutung nicht überzubewerten. Auch deshalb bewegt er sich so sicher auf einem Terrain, das von Alphatieren wie Klopp und Watzke beherrscht wird. „Ich spiele weiter meine Rolle als C-Prominenter“, sagt Zorc mit einem Augenzwinkern. Sich klein machen: keine schlechte Strategie für das große Spiel am Samstag und für den Wettstreit der nächsten Jahre, den er aus den Jahren gemeinsamer Erfolge kennt. Den mit dem nun bayrischen Alphatier Matthias Sammer.

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