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Zidanes Kopfstoß : „Deine Schwester wäre mir lieber“

Zwei Monate danach bietet Materazzi Zidane Frieden an Bild: AFP

Zidanes Kopfstoß entwickelt sich zur unendlichen Fußball-Geschichte. Nun hat sich das provokante Opfer Marco Materazzi wieder zu Wort gemeldet und gesagt, mit welchen Worten er Zidane in Rage brachte. Am Mittwoch treffen Frankreich und Italien wieder aufeinander.

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          In der Sportwelt war er seit dem WM-Finale nicht mehr zu sehen. Letzten Sonntag ist Zinedine Zidane wieder aufgetaucht. Mit einem für ihn reservierten Waggon des TGV von Paris nach Lyon zu einem Jugendfußballturnier. Dort mahnte das Idol von gestern die Jugend von heute, sich an ihm, das heißt, an der letzten Aktion seiner Karriere, kein Beispiel zu nehmen.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Am Dienstag hat sich auch Marco Materazzi wieder zu Wort gemeldet. Der „Gazzetta dello Sport“ verriet er den angeblichen Wortlaut seiner Beleidigung, die zu Zidanes perfidem Abgang führte. „Ich habe an seinem Trikot gezogen. Da hat er gesagt: Wenn ich sein Trikot unbedingt haben wolle, könne ich es ja nach dem Abpfiff haben. Ich habe geantwortet, daß mir seine Schwester lieber wäre.“ Er bot an, sich mit Zidane an einen Tisch zu setzen: „Man schließt Frieden nach verheerenden Kriegen, warum sollten wir keinen Frieden schließen?“

          Motto: Es ist nur ein Spiel

          Diesen Mittwoch gibt es in Paris die Neuauflage von Berlin. Vielleicht ist es gut so, daß es ohne die beiden Hauptdarsteller des WM-Finales geschieht, deren Kollision zum bleibenden Bild der Zeitgeschichte geworden ist. Beide Teams bemühen sich spürbar, ihr EM-Qualifikationsduell als normales Tagesgeschäft zu betrachten. Ohne Zidane, den gefallenen Helden, der mit seinem Kopfstoß von der Bühne abtrat, und ohne Materazzi, den Agent provocateur, der in Frankreich zur Verkörperung aller italienischen Untugenden stilisiert wurde und noch gesperrt ist, könnte das sogar gelingen. Motto: Es ist nur ein Spiel, und nicht mal ein besonders wichtiges.

          Trotz seines unrühmlichen Karriereendes: Zidane bleibt ein Vorbild
          Trotz seines unrühmlichen Karriereendes: Zidane bleibt ein Vorbild : Bild: REUTERS

          „Auf lange Sicht hat das Ergebnis des ersten Qualifikationsspiels wenig Auswirkungen“, sagte Italiens Torwart Gianluigi Buffon nach dem 1:1 am Samstag gegen Litauen, das die Zeitung „Messagero“ in bekannt italienischer Sachlichkeit zur Auffassung brachte, der WM-Pokal sei „nur noch ein Souvenir“. Buffon konterte: „Nicht mal das Spiel gegen Frankreich wird entscheidend sein. Die Spiele im Oktober, gegen die Ukraine und Georgien, werden wichtiger sein.“

          „Kein Fußballspieler, sondern ein Sklave“

          Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech fand ebenfalls eine elegante Möglichkeit, dem Italien-Thema die Hitze zu nehmen: Er hat einen Nebenschauplatz für Nervenduelle aufgemacht. Im Mittelpunkt steht ein Spieler, der wie Zidane nach der WM in der „Equipe Tricolore“ aufhören wollte. Anders als Zidane aber setzte Claude Makelele die Karriere im Klub fort, und das gab Domenech die Handhabe, den 33jährigen Mittelfeldspieler gegen dessen Willen und den des FC Chelsea wieder ins französische Team zu berufen. Die Regularien des Internationalen Fußball-Verbandes sind auf seiner Seite. Sie drohen einem Spieler für jedes versäumte Länderspiel mit einer Sperre von zwei Klubspielen. Makelele kam zum Team, erklärte aber, er spiele gegen seinen Willen. Beim 3:0-Sieg in Georgien am Samstag wurde er nach 59 Minuten wegen einer Knöchelblessur ausgewechselt.

          Die Aufregung war groß und vorhersehbar. Chelsea-Trainer Jose Mourinho sagte, Makelele sei „kein Fußballspieler, sondern ein Sklave“ und habe „keine Menschenrechte mehr“. Worauf Domenech diese Wortwahl als „beleidigend“ bezeichnete - für alle, die „im Kampf gegen Sklaverei ihr Leben opferten“. Am Montag legte Chelsea nach, verteidigte die Sklaverei als „Sprachbild“ und attackierte den Franzosen abermals.

          Drohte Gallas „ein Eigentor zu schießen“

          Die Sache bekam eine eigenwillige Note durch eine andere Erklärung des Klubs vom selben Tag - diese unterstrich, daß die Art und Weise, wie Chelsea mit einem anderen Franzosen, William Gallas, umging, dem gewählten „Sprachbild“ auch nicht ganz fernzuliegen scheint. Der Verteidiger, der den legitimen Wunsch vorbrachte, ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages den Klub zu wechseln, wurde von Mourinho mit Degradierung ins Reserveteam gestraft. Nun, nachdem man ihn im Tausch gegen Ashley Cole und fünf Millionen Pfund an den Rivalen Arsenal veräußert hat, wirft Chelsea dem früher hochgelobten Angestellten reichlich Dreck hinterher. Gallas habe gedroht, „ein Eigentor zu schießen oder einen Platzverweis zu kassieren“, sollte Chelsea ihn nicht gehen lassen - und überhaupt sei es ihm „nur ums Geld“ gegangen.

          Was insofern widersprüchlich ist, als Gallas ja nur ein Jahr noch seinen Vertrag hätte aussitzen müssen, um dann ablösefrei einen „Ballack“ zu machen, also die durch den neuen Klub gesparte Transfersumme als Gehaltsaufschlag zu kassieren. Gallas jedenfalls ließ aus dem französischen Trainingslager in Clairefontaine am Dienstag ausrichten, er sei „schockiert“ von seinem früheren Klub: „Chelsea hat viel Geld, aber wenig Klasse“. Schade eigentlich, daß Frankreich diesen Mittwoch nicht gegen Chelsea spielt. Sondern nur gegen Italien.

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