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Zeljko Buvac : Klopps Zwilling

  • -Aktualisiert am

Zeljko Buvac steht beim BVB nur selten im Vordergund Bild: dpa

Der stille Zeljko Buvac ersetzt im Spiel gegen Marseille (20.45 Uhr) den gesperrten BVB-Cheftrainer. Doch dies scheint kein großer Nachteil zu sein. Laut Jürgen Klopp herrscht zwischen den beiden ein blindes Verständnis.

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          Manche Menschen wirken unsichtbar und geraten doch irgendwann in den Blickpunkt. Zu dieser Gruppe gehört Zeljko Buvac. Seit Jahren ist er es gewohnt, als Assistent des Trainerstars Jürgen Klopp im Hintergrund zu arbeiten. Die beiden Männer spielen schon lange Doppelpass. Was in Mainz verheißungsvoll begann und die beiden ehemaligen Zweitligaspieler als Trainergespann in die Bundesliga führte, wurde bei Borussia Dortmund zur Basis einer Karriere auf der internationalen Bühne. Als Cheftrainer gibt Klopp den aggressiven Leader und schießt auch mal über das Ziel hinaus. Beim 1:2 im ersten Gruppenspiel der Champions League gegen den SSC Neapel bedrängte der Fußball-Lehrer den vierten Offiziellen aus dem Schiedsrichterteam so stark und grimassenhaft, dass die Europäische Fußball-Union ihn, vorerst, für eine Partie gesperrt hat.

          Also muss Klopp das erste Heimspiel in der Königsklasse, an diesem Dienstag gegen Olympique Marseille (20.45 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker), von der Tribüne aus verfolgen und Buvac in der Kabine sagen lassen, was beide vorher abgesprochen haben. Kontakte zur Mannschaft sind Klopp während der Partie untersagt. Er werde gemeinsam mit den Spielern ins Stadion fahren, sagt der Trainer, „dann müssen wir uns trennen“. Aber das sei nicht weiter schlimm. Wenn es um Fußball geht, um das Innenleben der Mannschaft, um Taktik, dann versteht er sich mit Buvac blind und (nahezu) ohne Worte, heißt es. Zuweilen verschwimmen sogar Grenzen, und es ist nicht mehr klar, wer wem etwas beibringt.

          „Zeljko ist ein Meister aller Trainingsformen, ich lerne jeden Tag von ihm“, sagt Klopp. „Meistens arbeiten wir telepathisch zusammen, da brauchen wir keine Leitung darüber hinaus.“ Was in Worte zu fassen sei, könne auch vorher besprochen werden. Als sich die weniger spektakuläre Spielerkarriere der beiden dem Ende zuneigte, gaben sie einander ein Versprechen: Sobald einer von ihnen im Berufsfußball als Trainer zum Zuge komme, werde er den anderen nachziehen. So geschah es: Klopp holte Buvac erst nach Mainz und nahm ihn im Sommer 2008 mit nach Dortmund. Was Buvac, der frühere Mittelfeldstratege, am Taktiktisch austüftelt, fasst Klopp so in Worte, dass auch Phlegmatiker in Begeisterung ausbrechen. Rein technisch-telepathisch scheint der Nachteil also zu verkraften zu sein, der als Strafe dafür gedacht ist, dass dem furchteinflößend posierenden Klopp die Gesichtszüge in Neapel über das im Berufsfußball verträgliche Maß hinaus entglitten sind.

          Taktische Botschaft wird sich nicht ändern

          Die Spieler scheint es nicht zu stören, dass ausnahmsweise nicht Klopp in der Kabine das Wort zum Spiel spricht. „Das macht keinen großen Unterschied“, sagt der Dortmunder Innenverteidiger Neven Subotic. „Die Motivationsansprache übernimmt Klopp im Hotel selbst, danach sind wir ohnehin auf uns allein gestellt.“ Während Klopp auf der Tribüne Platz nimmt, rückt Buvac am Spielfeldrand an die Spitze der Dortmunder Bank-Mitarbeiter. Klopp sieht in diesem Ausnahmefall keinen Grund zur Beunruhigung. „Zeljko und ich haben identische Auffassungen vom Fußball. Deshalb ist es nicht wahrscheinlich, dass er gegen Marseille anders reagiert, als ich es tun würde“, sagt der Chef. Die taktische Botschaft wird sich nicht ändern; ihr inhaltlicher Kern stammt ohnehin meist von dem kaum wahrnehmbaren Assistenten. Wegen ihrer Auffassung vom Fußball werden Klopp und Buvac zuweilen mit eineiigen Zwillingen verglichen, so etwa von Harald Strutz, dem Präsidenten des 1.FSV Mainz 05. Auch in der Dortmunder Kabine hat sich dieser Vergleich herumgesprochen. Laut dürfte es dort nicht werden in Klopps Abwesenheit. Zumindest solange das Spiel im Sinne der Dortmunder läuft, wird der Vertreter seine Aufgabe geräuschlos erfüllen. Sollte jedoch etwas schieflaufen, könnte Buvac an der Seitenlinie an Grenzen stoßen. Er eignet sich nicht als Einpeitscher.

          Buvac ist buchstäblich der stille, stets loyale Teilhaber Klopps. Er pflegt keine Interviews zu geben (nicht einmal als kommissarischer Chef machte er eine Ausnahme), gilt intern aber als Autoritätsperson, wenn es um Grundlagen oder auch Finessen der taktischen Ausrichtung geht. „In der Kabine ist sein Wort Gesetz“, sagt Mittelfeldspieler Nuri Sahin, der schon bei Real Madrid und beim FC Liverpool vernommen hat, was im Umkleideraum gesprochen wird. Solange Klopp verhindert ist, wird der „Gesetzgeber“ vermutlich weniger wortgewaltig ausdrücken, was beide von den BVB-Profis verlangen. Das ist für die Mannschaft eine Abwechslung vom Alltag der Dortmunder Dauermotivation, aber kein Grund, nachlässig zu werden. „Buvac ist ruhig“, sagt Sahin. „Bis etwas falsch läuft.“

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