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DFB will Futsal : Zank um den Budenzauber

Am Wochenende wird in Frankfurt wieder gejubelt wie jedes Jahr: Die Profis dürfen weiter ohne Futsal-Regeln spielen Bild: Bergmann, Wonge

Futsal statt Hallenfußball: Amateure protestieren gegen die Neuregelung des DFB. Der Frauenfußball bedauert das Ende des Hallenpokals. Diesmal ist die Fifa aber ausnahmsweise mal nicht schuld am Ärger im deutschen Fußball.

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          Die Aufregung ist groß unter Deutschlands Amateurfußballern. Wie in jedem Winter ziehen sie in der Winterpause in die Hallen, packen ihre gewohnten Bälle und manchmal auch Banden aus und kämpfen nach Lust und Laune um Stadtmeistertitel und Turniersiege von der Kreisklasse bis hinauf zur Regionalliga. Doch allerorten herrscht Angst um den Budenzauber. Spätestens von 2016 an verlangt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) von seinen Mitgliedern, dass sie sich an neues Spielmaterial und andere Regeln gewöhnen sollen.

          Futsal lautet das Zauberwort, das Amateurfußballer quer durch die Republik derzeit zu Proteststürmen treibt. Diese Variante des Hallenfußballs fristet im Land der von Banden umrandeten Spielfelder mit den fünf mal zwei Meter großen Toren immer noch ein Schattendasein, während weltweit fast ausschließlich mit einem speziellen Ball auf die nur halb so kleinen Handballtore geschossen wird. Der Weltmeisterverband will nun gemäß eines Masterplans auf dem bislang vernachlässigten Feld aufholen und die Fußballspieler zum Futsal zwingen, nachdem diese Variante bislang eher als eigene Disziplin am Ball mit einem unabhängigen Ligabetrieb gepflegt wurde.

          Futsal soll sich auf dem Platz durchsetzen

          Der Ball beim Futsal ist durch eine dickere Schaumstoffschicht gepolstert, springt deshalb nicht so stark wie der normale Fußball und ist besser zu kontrollieren. Deshalb gilt Futsal als gute Technikschule gerade für Nachwuchsfußballspieler, als Vorzeigebeispiel wird gerne der Werdegang des zu Jugendzeiten im Winter oft beim Futsal aktiven Lionel Messi angeführt. „Die Kinder gewöhnen sich unglaublich schnell an den neuen Ball, und man sieht sehr schnell Fortschritte“, sagt Michael Monath, Geschäftsführer des Südwestdeutschen Fußballverbands (SWFV).

          In Monaths Verbreitungsgebiet in Rheinland-Pfalz wurde bereits im vergangenen Jahr bei offizielle Verbandsturnieren von Jugend und Frauen nach Futsal-Regeln gespielt. Der Aufschrei der Basis ertönte deshalb schon damals. „Aber ich behaupte mal, dass fast jeder, der mal Futsal gespielt hat, gerne wieder spielt“, sagt Monath und glaubt, dass sich Futsal langfristig auch in der Beliebtheit bei den Spielern durchsetzen wird. Er war einst selbst eher skeptisch, mittlerweile ist er überzeugt, das beispielsweise die starke Beschränkung von Rückpässen zum Torwart oder auch die Vier-Sekunden-Regel, die ein umgehendes Ausführen von Freistößen erzwingt, der Attraktivität des Spiels förderlich ist. Zudem unterbindet das Regelwerk deutlich stärker allzu harte Fouls.

          Zweigleisige Entwicklung

          Der SWFV fährt aber dennoch zur Beruhigung der Amateurfußballgemüter zweigleisig. Verbandswettbewerbe werden durchgängig als Futsal gespielt. Wenn Vereine Turniere ausrichten, dürfen sie das Regelwerk wählen. So kommt es, dass Monath am Wochenende in seinem Heimatkreis ein Turnier mitorganisiert, bei dem vormittags die Jugendlichen Futsal spielen und die „alten Herren“ anschließend mit normalem Ball. Die Einladungsturniere mit Beteiligung von Bundesligaklubs wie beispielsweise am Sonntag in Frankfurt können entsprechend ebenfalls wie gewohnt auf Kunstrasen mit normalem Ball gespielt werden.

          Keine Bande, kleinere Tore, gepolsterter Ball: So sieht Futsal aus beim EM-Spiel Russland gegen Italien

          So pragmatisch mancher Regionalverband das Thema regelt, so verwirrend ist freilich die Ursache des Hallenstreits. Der DFB hat seinen Regionalverbänden gegenüber auf den Internationalen Fußballverband Fifa als Urheber der Neuerung verwiesen. „Die Fifa kennt als Hallenwettbewerb nur Spiele nach Futsal-Regeln. Folgerichtig kann der DFB auch keine anderen Formen mehr in der Halle spielen“, teilt der Verband mit. Deshalb sei 2013 auf dem Bundestag beschlossen worden, Futsal verpflichtend einzuführen. Ob sich dann künftig die bisherigen Futsal-Spezialisten mit den „Feldfußballern“ messen werden oder ob es bei fußballerischen Parallelgesellschaften bleibt, wird sich weisen.

          Wer hat entschieden?

          Die Fifa lässt sich derweil den „Schwarzen Peter“ für die merkwürdige Situation freilich auf Nachfrage nicht zuschieben und verweist auf die Entscheidungsfreiheit der Nationalverbände in der Hallenthematik. „Mit Sicherheit haben wir in den letzten Jahren verschiedene Male – und in den verschiedensten Formen – erwähnt, dass Futsal ein super Tool für die technische Entwicklung eines Spielers ist. Wir haben aber den Verbänden in keiner Weise und zu keinem Zeitpunkt Forderungen oder Bedingungen gestellt, die Futsal-Regeln bei Hallenturnieren anzuwenden“, teilt die Fifa schriftlich mit.

          Ende einer guten Werbeveranstaltung: Der DFB-Hallenpokal der Frauen erlebt seine letzte Auflage

          Diese Erklärung ließe dem DFB also Spielraum, den der Verband beispielsweise bei einer der wichtigsten Werbeveranstaltungen für den Frauenfußball nicht nutzt. Der DFB-Hallenpokal, die inoffizielle Hallenmeisterschaft aller zwölf Bundesligaklubs, wird deshalb am kommenden Samstag in Magdeburg zumindest vorerst zum letzten Mal ausgetragen. „Das ist in zwei Jahrzehnten zu einer Traditionsveranstaltung geworden, ein Highlight im Frauenfußballjahr. Das Turnier ist etabliert mit zuletzt über 5000 Zuschauern und war immer eine schöne Gelegenheit, sich auszutauschen“, sagt Karin Danner, Sprecherin der Bundesligavereine. Sie hofft noch auf ein Fortbestehen des vom DFB stark bezuschussten Turniers durch einen privaten Ausrichter. Die Klubs haben sich aber einmütig geweigert, ihren Spielerinnen den Wechsel zum Futsal aufzuerlegen. Ein solches Turnier hätte der DFB weiter finanziert.

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