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Karriereende von Xabi Alonso : Der spanische Maestro sagt Servus

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Im Sommer sagt er leise „Servus“: Xabi Alonso beendet nach der Saison seine Karriere als Fußballprofi Bild: dpa

Xabi Alonso beendet nach der Saison seine Karriere als Fußballprofi. Am liebsten will sich der Mittelfeldspieler mit dem Titel in der Champions League vom FC Bayern verabschieden. Das hat auch persönliche Gründe.

          Im Fußball geht es sehr oft um das richtige Timing. Auf dem Platz in erster Linie, aber auch dann, wenn sich die Karriere eines Spielers dem Ende entgegenneigt. Den perfekten Moment zu erwischen, um sich zu verabschieden, ist für viele Profis womöglich die größte Herausforderung. Xabi Alonso vom FC Bayern hat sich darüber in den vergangenen Monaten viele Gedanken gemacht. Immer schon, sagte er im vereinseigenen Fernsehkanal, habe er „lieber früher als zu spät aufhören“ wollen. Deshalb ist er überzeugt, dass es keinen besseren Zeitpunkt gibt als mit 35 Jahren, am Ende dieser Saison, seiner 17. als Fußballprofi.

          „Ich fühle mich noch gut. Aber ich wollte immer meine Karriere auf dem höchsten Niveau beenden“, sagte Alonso, dessen Vertrag beim deutschen Rekordmeister im Sommer ohnehin ausläuft. Nun wolle er den Rest „genießen, kämpfen und hoffentlich am Ende etwas sehr Großes gewinnen“, verkündet er mit Blick auf die Champions League. Beim FC Bayern schreitet mit der zweiten Rücktrittsankündigung eines Routiniers nach der von Philipp Lahm Anfang Februar der Generationswechsel voran. Aber während die sportliche Nachfolge des Kapitäns auf der rechten Abwehrseite noch nicht geklärt ist, gibt es im Mittelfeld der Münchner mehrere Optionen, um Alonso zu ersetzen.

          Die Rolle als Stabilisator erfüllt

          Alonso, im baskischen Ort Tolosa geboren, war im Sommer 2014 von Real Madrid zum FC Bayern gewechselt. Mit fast 33 Jahren hatte er zwar schon damals nicht mehr ganz ins Konzept der Münchner und zu einem bevorstehenden Generationswechsel gepasst, aber im Mittelfeld war nach dem Wechsel von Toni Kroos nach Spanien und den Verletzungen von Javier Martinez, Bastian Schweinsteiger und Thiago eine Lücke entstanden. Alonso erfüllte im Herbst seiner Karriere die Rolle als Stabilisator, wenngleich er nicht immer fehlerfrei spielte.

          Bald hieß es deshalb, Alonso sei mehr Entschleuniger als Beschleuniger des Bayern-Spiels, weil Schnelligkeit und Dynamik fehlten. Guardiola hielt trotzdem an ihm fest, weil es bei Alonso von Anfang nicht aufs Tempo angekommen ist. „Schnell war ich noch nie“, gab er zu. Er habe einfach andere Stärken. „Ich kann den Ball schnell machen. Und ich weiß, welche Wege keinen Sinn machen, welche essentiell sind.“ Aus diesem Grund wurde er auch bei Carlo Ancelotti eine feste Größe, und es sieht nicht so aus, als ob sich das bis zum Saisonende und damit Alonsos letztem Spiel als Fußballprofi ändern könnte.

          Wenn es darauf ankommt, steht Alonso in der Startelf. Mit 26 Pflichtspieleinsätzen gehört der Spanier zu den meistbeschäftigten Bayern-Profis in dieser Saison. Es mag damit zu tun haben, dass Renato Sanchez nach seinem Wechsel von Benfica Lissabon noch immer Integrationsschwierigkeiten hat, Joshua Kimmich variabel einsetzbar ist und Ancelotti oft die etwas defensivere Variante bevorzugt. Aber es hat eben auch mit Alonsos Klasse zu tun. Vielleicht wird dem FC Bayern nach dieser Saison mehr als die Übersicht und die Ruhe des Spaniers dessen Persönlichkeit fehlen. Er sei „ein Gentleman des Fußballs“, sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge und würdigte den scheidenden Profi als „großartigen Spieler und Menschen“.

          Beim FC Liverpool nennen sie Alonso noch immer „Maestro“, sie schätzen ihn dort bis heute wegen seines souveränen Spielstils – und natürlich weil er beim „Wunder von Istanbul“ dabei war, als Liverpool 2005 in der Champions League nach einem 0:3-Rückstand noch über den AC Mailand triumphierte. Neun Jahre später holte Alonso den Henkelpott mit Real Madrid, und nun – auf der Zielgeraden seiner Karriere – könnte er sogar doch noch mit Clarence Seedorf gleichziehen.

          Der Niederländer ist bisher der einzige Spieler, der mit drei verschiedenen Klubs den Titel in der Königsklasse gewann. Es geht zwar nicht um „diese persönliche Marke“, sagte Alonso einmal. Aber er würde lügen, „wenn ich verneinen würde, dass es reizt, Geschichte zu schreiben“. Noch einmal die Champions League zu gewinnen, gibt er zu, „wäre ein Traum“ – und das perfekte Ende einer großartigen Karriere.

          Alonso heimste nicht nur mit seinen Klubs zahlreiche nationale und internationale Titel ein, sondern führte als prägender Spieler auch die spanische Nationalmannschaft zu den beiden EM-Titeln 2008 und 2012 sowie zum WM-Triumph 2010. Er stand in der „La Roja“ zwar oft im Schatten der Offensivspieler wie Iniesta, Xabi oder Raul, aber er gab als Stratege den Rhythmus vor und stopfte die Löcher vor der Abwehr. „Ich hätte nie gedacht, so eine großartige Karriere zu haben, und ich hoffe, es kommt noch was dazu.“

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