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Würzburger Kickers : Vom Partnerverein lernen

  • -Aktualisiert am

Würzburg startet gegen Eintracht Braunschweig in die Rückrunde. Bild: dpa

Die Würzburger Kickers kooperieren mit Admira Wacker Mödling - und ihrem ehemaligen Spieler Amir Shapourzadeh. Davon profitieren beide Seiten gleichermaßen.

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          Auf ihren Social-Media-Kanälen versehen die Würzburger Kickers ihre Veröffentlichungen stets mit dem Hashtag „#einfachmachen“. Getreu dieser Devise, eben das Beste aus den eigenen Möglichkeiten zu machen, gelang den Würzburgern innerhalb von zwei Jahren der direkte Durchmarsch von der Regionalliga Bayern bis in die Zweite Fußball-Bundesliga. Die Hinrunde beendeten die Kickers mit 27 Punkten auf Platz sechs, nur fünf Punkte hinter Rang zwei.

          Dieser rasante Erfolg ist vor allem mit Bernd Hollerbach, seit Sommer 2014 Trainer und Manager in Personalunion, verknüpft. Ein wichtiger Spieler beim Aufstieg von der vierten bis in die zweite Liga war Amir Shapourzadeh: In 69 Einsätzen erzielte der Deutsch-Iraner 18 Tore und gab zu 16 Treffern die Vorlage. Im Dezember beendete Shapourzadeh seine Karriere als Fußballprofi - in der Hinrunde kam er nur zu einem dreiminütigen Kurzeinsatz gegen Fortuna Düsseldorf. Seit dem 1. Januar 2017 ist Shapourzadeh nun Manager beim FC Admira Wacker Mödling in der österreichischen Bundesliga. Nach 15 Jahren als Profi sei die neue Arbeit definitiv eine Umstellung gewesen, aber ganz unvorbereitet traf die neue Anstellung den 34 Jahre alten Shapourzadeh nicht: Shapourzadeh durfte Manager Hollerbach „bei der Arbeit über die Schulter schauen und zuarbeiten. Er hat mich dabei auch in die Management-Richtung gelenkt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.“ Shapourzadeh war so an der Kaderplanung der Mainfranken beteiligt, parallel schloss er ein Sportmanagement-Fernstudium ab.

          Die Admira und die Kickers verbindet aber mehr als nur der sechste Rang in ihren jeweiligen Ligen, nämlich die Online-Druckerei Flyeralarm. Deren Gründer und Inhaber ist der Würzburger Unternehmer Thorsten Fischer, der seit Sommer 2014 die Mainfranken finanziell und mit seinem Netzwerk beim Akquirieren neuer Sponsoren unterstützt. Zudem ist Fischer Aufsichtsratsvorsitzender der Würzburger Kickers AG. Gerhard Bügler sitzt dem Aufsichtsrat der zum Jahreswechsel neu gegründeten Admira GmbH vor: Er ist der Geschäftsführer von Flyeralarm Österreich. Aufgrund dieser Verbindungen zwischen beiden Klubs ist daher eine enge Kooperation miteinander nur „naheliegend“, wie Daniel Sauer, der Vorstandsvorsitzende der Würzburger Kickers AG, sagt. Die Wiener Tageszeitung „Kurier“ bezeichnete die Kooperation zwischen Mödling und Würzburg als Miniversion des Salzburger und Leipziger Brauseimperiums. „Der Vergleich passt überhaupt nicht“, widerspricht Sauer, „wir wollen hier zwei Vereine weiterentwickeln und keine Marke.“ Bei der Kooperation gehe es darum, Strukturen zu verbessern, zu optimieren.

          „Beim Ticketing, Marketing oder zum Beispiel beim Internetauftritt können wir uns etwas von Würzburg abschauen“, sagt Shapourzadeh. Die Kickers werden sich etwas von der renommierten Jugendakademie der Admira abschauen wollen, die aktuelle österreichische Nationalspieler wie Marc Janko (FC Basel) und Marcel Sabitzer (RB Leipzig) sowie den ehemaligen Profi Andreas Herzog (Werder Bremen und Bayern München) hervorgebracht hat. Eigene ausgebildete Talente werden es bei den Unterfranken in nächster Zeit vermutlich nicht in Kader der ersten Mannschaft schaffen: Der Sprung von der Bayernliga, der fünften Liga, in der die U 23 sowie die U 19 antreten, zur zweiten Liga ist einfach noch zu groß.

          In den letzten Jahren hatte der FC Admira Wacker Mödling immer wieder Probleme beim Lizenzierungsverfahren für die österreichische Bundesliga: Da die Online-Druckerei mit dem Hauptsitz in Würzburg ihr Engagement bei der Admira ausgebaut hat, besteht dieser finanzielle Verkaufszwang nicht mehr direkt. Zukünftige Transfers zwischen Mödling und den Kickers können weder Sauer noch Shapourzadeh ausschließen. Bislang wechselte aber nur ein Spieler zwischen beiden Klubs: Im Sommer kam der Torhüter Jörg Siebenhandl aus Niederösterreich zu den Unterfranken und ist seitdem der Ersatzmann von Robert Wulnikowski.

          Aktuell treffen die Kickers zum Rückrundenstart gleich auf Tabellenführer Eintracht Braunschweig. Gedanken an eine Aufholjagd wie in der Rückrunde der vergangenen Aufstiegssaison, als die Mainfranken Neunter mit sechs Punkten Rückstand auf Platz drei waren, verschwendet Sauer keine: Allein der Verbleib in Liga zwei wäre für Sauer ein noch größeres Wunder als der Aufstieg im letzten Sommer. Die Kickers wollen ihrer Devise aber erst einmal treu bleiben: „#einfachmachen“.

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