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Wolfsburgs Pernille Harder : Stets strahlender Star ohne Allüren

  • -Aktualisiert am

Stets strahlende Anführerin: Pernille Harder Bild: EPA

Sie trifft mit links, rechts, per Kopf und voller Eleganz. Mit dem VfL Wolfsburg strebt Pernille Harder den Sieg in der Champions League an. Ihre Erfolgsgeschichte hat nur einen Haken.

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          Die Suche nach möglichen Schwächen dauert an. Es sieht weiterhin so aus, als würde Pernille Harder bei ihrer täglichen Arbeit wenig bis gar nichts falsch machen. Die Dänin ist auf und neben dem Platz eine erstklassige Repräsentantin des VfL Wolfsburg. Sie lenkt beim Finalturnier der Champions League alle Blicke auf sich. „Wir wissen, was wir können“, sagt Harder vor dem Halbfinalduell an diesem Dienstag (20 Uhr) in San Sebastián mit dem FC Barcelona.

          Was mutig klingt, entspricht angesichts der starken Wolfsburger Mannschaft den Tatsachen. Auf dem Weg ins Halbfinale hatte Harder beim 9:1-Erfolg gegen Glasgow vier Tore erzielt. Sie trifft mit links, rechts, per Kopf und voller Eleganz. Lediglich eine Tücke hat die Erfolgsgeschichte. Harder wartet noch auf ihren ersten internationalen Titel.

          Der gemeinsame Weg, den Harder und die erfolgsverwöhnten Wolfsburger Frauen gehen, führt steil bergauf. Die Angreiferin hat sich im Januar 2017 einem ambitionierten Verein angeschlossen, um Titel zu sammeln und sich selbst weiterzuentwickeln. Nach 105 Toren in 112 Pflichtspielen für die Niedersachsen darf festgehalten werden: Allmählich nähert sich der Zeitpunkt, an dem der immer stärker aufspielenden Angreiferin eine Überqualifikation für die Belange in Wolfsburg bescheinigt werden muss. Ihr Vertrag mit dem VfL regelt eine Zusammenarbeit bis zum Sommer 2021. Es steht zu befürchten, dass sich bis dahin eine schmerzvolle Entscheidung anbahnt. Trotz seiner Dominanz im nationalen Frauenfußball kann auch der VfL die internationale Elite nicht automatisch an sich binden. Als aktuelles Beispiel dafür gilt Sara Björk Gunnarsdóttir. Die Isländerin ist gerade von Wolfsburg zu Olympique Lyon gewechselt – dem großen Rivalen und wahrscheinlichen Gegner im Finale der Champions League.

          Wann immer sich Ralf Kellermann im Auftrag des VfL um neue Spielerinnen bemüht, spielt dessen internationale Wettbewerbsfähigkeit eine zentrale Rolle. Aus Sicht des Sportlichen Leiters und des im nächsten Jahr scheidenden Cheftrainers Stephan Lerch wäre es in der Finalrunde der Champions League äußerst wichtig, erst den Rivalen aus Barcelona zu besiegen und danach Seriensieger Lyon zu entthronen. Spielertypen wie Gunnarsdóttir und Harder folgen in ihrem Job als Fußballprofi einer extrem klaren Strategie. Sie zählen nicht nationale Titel und Pokalsiege, sondern definieren sich durch den weltweiten Ruhm. Die Wolfsburgerinnen haben die Königsklasse zuletzt 2013 und 2014 gewonnen. Kellermann hat einen weiteren Triumph im Finale am Sonntag zum Ziel erklärt. Ein Titelgewinn wäre für ihn die perfekte Argumentationsgrundlage, wenn sich in den nächsten Wochen die Nachfolge für Lerch klärt und weitere Verstärkungen gesucht werden.

          Das Verblüffende an Pernille Harder bleibt das Normale. Sie ist auf ihrem Weg zur Führungsspielerin in Wolfsburg frei von sichtbaren Allüren geblieben. Wer die 27-Jährige abseits des Stadions trifft und auf Deutsch anspricht, sieht zuallererst ein entwaffnendes Lächeln und hört dann freundliche Töne auf Englisch. Teamintern gilt die dänische Nationalspielerin als unumstritten. „Sie ist der Typ, der sich immer für die Mannschaft und deren Ziele einsetzt und sehr uneigennützig auf dem Platz spielt“, findet VfL-Trainer Lerch.

          Das Geheimnis des aktuellen Wolfsburger Erfolges ist neben außergewöhnlich starken Spielerinnen ein besonders gutes Miteinander. Das nicht enden wollende Lächeln von Harder vermittelt den Eindruck, als habe sich hier im grün-weißen Dress eine harmonische Einheit gefunden. Neid und Missgunst kommen nicht in Sicht. Persönliche Eitelkeiten sind Fehlanzeige. Warum eigentlich trägt Harder in der dänischen Nationalmannschaft das zu ihrem Spielertypus passende Trikot mit der Rückennummer 10, in Wolfsburg dagegen die 22? „Die Nummer 22 war noch übrig“, sagt die Dänin. So simpel und selbstlos kann Fußball auf Weltklasseniveau sein.

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