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Frauenfußball : Lyon wankt, aber Wolfsburg verliert

Eine deutsche Siegerin in Wolfsburg: Dzsenifer Marozsan gewinnt mit ihrem Klub Olympique Lyon beim VfL und trifft zum 2:0. Bild: Imago

Nach den deutsch-französischen Hinspielen des Champions-League-Viertelfinales steht es 1:1. Während München eine gute Ausgangsposition hat, muss Wolfsburg die Überlegenheit von Lyon akzeptieren.

          Olympique Lyon scheint für die Fußballfrauen des VfL Wolfsburg derzeit eine Nummer zu groß zu sein. Nachdem die zweimaligen Champions-League-Siegerinnen im Finale der Königsklasse der vergangenen Saison im Elfmeterschießen an den Französinnen gescheitert waren, zahlten die Wolfsburgerinnen am Donnerstagabend Lehrgeld im Viertelfinal-Hinspiel gegen den selben Gegner. Bei der 0:2-Heimniederlage war Wolfsburg engagiert und kampfstark, Lyon aber schlicht cleverer und abgebrühter. Die Tore erzielten Camille Abila (62.) und die deutsche Nationalmannschafts-Spielführerin Dzsenifer Marozsan, der in ihrem ersten Jahr nach dem Wechsel aus Frankfurt nach Frankreich ein merklicher Leistungssprung gelungen ist.

          Der Zweite der Frauenfußball-Bundesliga forderte den Gegner vor 3700 Zuschauern im Wolfsburger Frauenfußball-Stadion in einem hochintensiven Duell so hart, wie es die in ihrer Liga seit zehn Jahren dominant und ungefährdet von Titelgewinn zu Titelgewinn eilenden Französinnen nur selten gewohnt sind. „Wolfsburg ist das Team in Europa, mit dem wir uns messen wollen. Sie fordern uns bis an unsere Grenzen“, sagte OL-Trainer Gerard Precheur nach dem Spiel. „In der ersten Halbzeit waren sie das bessere Team, sie haben uns mit ihrer Athletik und Aggressivität beeindruckt. Das 0:0 war schmeichelhaft für uns.“

          Durch aggressives Pressing und schnelles Umschalten geriet die Abwehr von OL immer wieder ins Wanken – aber sie fiel nicht. Meist waren die überragenden Innenverteidigerinnen Wendie Renard und Kadeisha Buchanan im letzten Moment zur Stelle, um zu klären. Zudem hatte die eigentlich torgefährlichste Wolfsburgerin, Alexandra Popp, einen rabenschwarzen Tag erwischt. Die Nationalstürmerin entschied sich in mehreren aussichtsreichen Situationen grundsätzlich falsch und schloss zu zaghaft ab oder übersah die besser postierte Mitspielerin, wenn sie den Abschluss entschlossen suchte.

          Lyon effektiver

          Diese Abgeklärtheit hatten die Französinnen, die aus Respekt vor der Wolfsburger Stärke anders als gewohnt mit einer Viererabwehrkette, statt einer offensiveren 3-5-2-Grundformation, ins Spiel gingen, ihren Widersacherinnen voraus. Zudem besitzt Trainer Precheur den Luxus, eine Weltklassestürmerin wie die Norwegerin Ada Hegerberg von der Einwechselbank aus ins Spiel zu bringen.

          Die damit einhergehenden Umstellungen – Camille Abily zog sich aus der Rolle der Spielmacherin für etwas defensivere Aufgaben ins Mittelfeld zurück, Dzsenifer Marozsan rückte von der ungeliebten linken Außenbahn ins Zentrum des Geschehens – brachten Lyon in Halbzeit zwei Vorteile. Wolfsburg hatte zunehmend Schwierigkeiten, die Angriffswucht des französischen Serienmeisters zu kontrollieren, weil neben Hegerberg der kürzlich für vier Monate aus den Vereinigten Staaten ausgeliehene amerikanische Superstar Alex Morgan und die französische Nationalstürmerin Eugenie Le Sommer in vorderster Front für Unruhe sorgten.

          Das Führungstor fiel freilich auf für Wolfsburg auf denkbar dämliche Weise: Camille Abily erwischte bei einem direkt aufs Tor gezogenen Freistoß aus halblinker Position die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult auf dem falschen Fuß. Schult hatte auf eine Flanke spekuliert und konnte dem ins lange Eck segelnden Ball nur noch hinterher schauen. Ähnlich erging es Schult bei Marozsans 2:0. Die glänzend aufgelegte Spielmacherin dribbelte sich mit einer feinen Einzelleistung in eine perfekte Schussposition und plazierte den Ball aus 20 Metern unhaltbar für ihre Nationalteamkollegin Schult im linken unteren Eck.

          „Wir wussten vor dem Spiel, dass Kleinigkeiten den Unterschied machen“, sagte Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann. „Wir sind an der Effektivität von Lyon gescheitert.“ Kellermann und sein Team geben die Schlacht indes noch nicht geschlagen und hoffen im Rückspiel am kommenden Mittwoch vor vermutlich über 20.000 Zuschauern im Stade Gerland zu Lyon auf ein Wunder, wie man es bei den Männern jüngst erlebt hat. „Barcelona hat uns vorgemacht, dass immer was möglich ist“, sagte Nilla Fischer in Erinnerung an das Achtelfinal-Rückspiel der Spanier in der Champions League gegen Paris Saint-Germain, in dem Barcelona mit einem 6:1 die 0:4-Hinspielniederlage wettgemacht hat.

          Bayern München mit leichtem Vorteil

          Jenes PSG spielte im anderen deutsch-französischen Viertelfinale die Rolle des Verlierers. Bayern München verschaffte sich gegen die Frauen aus Paris mit einem 1:0-Heimsieg eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in der französischen Hauptstadt. Die niederländische Torjägerin Vivienne Miedema bescherte Bayern im Grünwalder Stadion vor 7300 Zuschauern den knappen Vorsprung, den es nun im Rückspiel im Pariser Prinzenpark-Stadion zu verteidigen gilt.

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