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Wolfsburg-Trainer Littbarski : „Die oder wir“

  • Aktualisiert am

Wolfsburgs Trainer Littbarski: „Wie im Colloseum” Bild: dapd

Pierre Littbarski ist erst seit zwei Spielen Cheftrainer des VfL Wolfsburg und steht schon unter Druck. Im Interview spricht er vor dem Kellerduell gegen Mönchengladbach (20.30 Uhr) über Abstiegssorgen und den Unterscheid zwischen „Litti“ und Littbarski.

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          Pierre Littbarski war in den 80er Jahren einer der beliebtesten und talentiertesten deutschen Fußballspieler. Der gebürtige Berliner spielte 406 Mal für den 1. FC Köln in der Bundesliga und 73 Mal für die deutsche Nationalmannschaft. Mit der DFB-Auswahl nahm er an drei Weltmeisterschaften teil, erreichte jeweils das Endspiel und wurde 1990 Weltmeister.

          Seine Spielerkarriere beendete Littbarski in Japan, wo er anschließend seine Karriere als Trainer begann. Vor drei Wochen hat er beim VfL Wolfsburg den Job des beurlaubten Engländers Steve McClaren übernommen, dessen Assistent er zuvor war.

          Haben Sie mitgezählt, wie oft Ihnen die Frage gestellt wurde: Wie lange sind Sie noch Trainer in Wolfsburg?

          Die Fragestellung war nicht immer dieselbe, aber irgendwann habe ich damit aufgehört. Die Fragen kamen schon sehr oft.

          „Wir sind nervös, aber damit muss man leben”
          „Wir sind nervös, aber damit muss man leben” : Bild: dapd

          Klingt rekordverdächtig für einen Trainer nach nur zwei Spielen.

          Das bringt die Situation mit sich, die schon schwieriger für alle ist als normal, auch für Dieter Hoeneß. Wenn man als Co-Trainer den Job übernimmt, wird man zunächst immer auch in Haftung dafür genommen, was vorher passiert ist. Zudem war ich vorher noch nie Cheftrainer in der Bundesliga, und die Mannschaft steht im Abstiegskampf. Das ist nicht gerade eine übliche Situation.

          Wenn wir fünf van Bommels in der Mannschaft gehabt hätten, wären wir in die Lage wahrscheinlich gar nicht erst gekommen. Die hätten, wenn sie mit ein paar Dingen auf dem Platz nicht einverstanden gewesen wären, die Taktik von selbst ein wenig modifiziert. So hätten wir das früher gemacht.

          Jetzt müssen Sie die Taktik verändern.

          Ja, das muss ich – und zwar ganz einfach deswegen, weil wir vorher keinen Erfolg gehabt hatten.

          Sie haben auch mit neuer Taktik die beiden ersten Spiele verloren. Wie lange haben Sie gebraucht, um das unglückliche 1:2 in Freiburg zu verarbeiten?

          Seit ich nach Japan gegangen bin, habe ich in diesen Dingen eine andere Auffassung. Ich weiß noch, dass ich vor dem WM-Finale 1982 überhaupt nicht schlafen konnte. Ich habe bei Eike Immel an die Tür geklopft und ihn gefragt, ob wir nicht ein bisschen Karten spielen können. Es war drei Uhr in der Nacht. Das wurde irgendwann besser, aber immer wenn ich eine Führungsrolle hatte, haben mich diese Dinge unheimlich beschäftigt.

          In Japan hat sich das verändert, die Japaner sehen die Dinge anders. Es klingt hart, aber als wir das Erdbeben in Kobe hatten, haben die Menschen nicht ihr Schicksal beklagt. Die haben erst geheult, als sie sich wieder duschen konnten, und zwar vor Freude. An Dingen, die geschehen sind, kann man nichts ändern. Man kann nur die Zukunft verändern. Während des Spiels bin ich heute auch noch emotional, aber wenn ich mich nach solchen Niederlagen ins Bett lege, kann ich sofort einschlafen. Das belastet mich nicht mehr allzu lange. Ich gehe sofort zum praktischen Teil über, überlege, was im Training zu tun ist.

          Gegen Gladbach erwarten nun alle den ersten Sieg. Was haben Sie ganz pragmatisch dafür verändert im Team?

          Warum macht man Veränderungen? Ich verändere nicht jede Woche, um etwas zu verändern. Das bringt nichts. Die Veränderungen haben am Anfang gestanden. Es ging dabei nicht nur um Taktik, sondern vor allem auch um Disziplin. Ich glaube, da habe ich die richtigen Leute getroffen, denn ich kannte die Spieler ja schon (Anmerkung der Redaktion: Littbarski strich Madlung und Kahlenberg aus dem Kader).

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