https://www.faz.net/-gtl-89zgd

Sommermärchen-Skandal : DFB-Präsident Niersbach tritt in WM-Affäre zurück

Wolfgang Niersbach (Mitte) tritt als DFB-Präsident zurück, Rainer Koch (links) und Reinhard Rauball (rechts) übernehmen vorerst. Bild: Reuters

Wolfgang Niersbach übernimmt „die politische Verantwortung“ und tritt als DFB-Präsident zurück. Die Vermutung, dass bei der Vergabe der WM 2006 Stimmen gekauft wurden, verstärkt sich.

          Es war dunkel geworden am Montag, als nach mehr als drei Wochen „Dreyfus-Affäre“ zum ersten Mal Konsequenzen gezogen wurden, aber wirklich heller wurde es im Korruptionsskandal beim DFB dadurch noch nicht. Wolfgang Niersbach ist vom Amt des Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes zurückgetreten. Das teilte der 64 Jahre alte Funktionär am Montag in Frankfurt mit. Zuvor hatten am Sitz des größten Sportfachverbandes der Welt stundenlange Gremiensitzungen stattgefunden.

          Er übernehme damit die „politische Verantwortung“ für den Korruptionsskandal rund um die Vergabe der WM 2006. Niersbach, Vizepräsident im Organisationskomitee der WM, sagte, er fühle sich „für Ereignisse rund um die WM 2006“ nicht in der Verantwortung und sage „bis heute: Ich habe dort absolut sauber und gewissenhaft gearbeitet. Aber es sind Dinge passiert, die auch in den letzten Tagen erst aufgedeckt wurden, die mich dazu veranlassen zurückzutreten im Sinne einer politischen Verantwortung“.

          Bis auf weiteres führen nun Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL), und der bisherige erste Vizepräsident des DFB, Rainer Koch, den Verband. Rauball ergänzte das kurze Statement Niersbachs am frühen Montagabend um die Feststellung, dass Niersbach den DFB weiterhin in der Exekutive der Europäischen Fußball-Union Uefa und des Internationalen Fußball-Verbandes Fifa vertreten werde. Dies sei einstimmiger Wunsch des Präsidiums gewesen.

          Koch kündigte an, dass der DFB von rechtlichen Schritten gegen das Nachrichten-Magazin „Spiegel“ absehen werde. Vielmehr seien durch die Untersuchung der Kanzlei Freshfields Kenntnisse gewonnen worden, die es nötig machten, die Umstände der Vergabe der WM 2006 im Sommer des Jahres 2000 eingehender zu untersuchen. Koch und Rauball dankten Niersbach für sein 27-jähriges „engagiertes Wirken“ beim DFB. Rauball sagte, Niersbach sei ein „großartiger Mensch“, die Deutsche Fußball-Liga wünsche ihm alles Gute.

          Die Berichterstattung des „Spiegels“, die nahe legt, das „Sommermärchen“ sei durch die Bestechung der Fifa-Wahlmänner gekauft gewesen, hatte die Affäre vor mehr als drei Wochen ans Tageslicht gebracht. Gleichwohl hatte Niersbach am Montag, als er sich mit seinem Präsidium in der DFB-Zentrale in der Otto-Fleck-Schneise am frühen Nachmittag traf, einen deutlich anderen Ablauf geplant. Ursprünglich war ein kurzes Statement für halb vier angekündigt worden, doch im Frankfurter Süd-Westen färbte sich der Himmel zunächst blutrot und schließlich wurde es dunkel, bevor Niersbach, deutlich gezeichnet, aber in besserer Verfassung als bei seiner gründlich missratenen Pressekonferenz wenige Tage nach der ersten Spiegel-Veröffentlichung, gemeinsam mit Rauball und Koch an die Öffentlichkeit trat.

          Offenkundig war sein Ansinnen, eine plausible Erklärung zu finden für das inkriminierende Schriftstück, von dem der „Spiegel“ von Anfang an berichtet hatte und das schließlich am vergangenen Freitag veröffentlicht wurde, nicht aufgegangen. Auf dem Briefentwurf aus dem Jahr 2004 soll Niersbachs Handschrift zu sehen sein. In dem Schreiben ist die Legende für die Zahlungsanweisung über ein Fifa-Konto an den früheren Chef des Adidas-Konzerns, Robert Louis-Dreyfus, zu lesen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.