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Heftige Kritik an Fifa-Bericht : „Der ganze Prozess ist ein Scherz“

  • Aktualisiert am

Am 2. Dezember 2010 bekam Qatar die WM 2022 zugesprochen – seitdem reißen die Diskussionen nicht ab Bild: dpa

Die Fifa spricht sich bei der Untersuchung der WM-Vergaben an Russland und Qatar selber frei, sorgt für einen internen Eklat – und sieht sich nun heftiger Kritik ausgesetzt. Auch der DFB-Präsident schaltet sich ein.

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          Die Fifa muss nach der unfassbaren Farce um die Korruptions-Ermittlungen gegen die WM-Gastgeber Russland und Qatar Hohn, Spott und vor allem radikale Kritik aus der ganzen Fußball-Welt einstecken. Den Weg aus dem Dilemma um den unerwarteten Disput der eigenen Ethik-Doppelspitze kennen derzeit nicht einmal die Führungsköpfe des Weltverbandes. „Wir können einfach nur sagen, dass es traurig ist, dass die beiden Vorsitzenden unserer Ethikkommission unterschiedliche Meinungen haben, wenn wir über solch wichtige Dinge im Fußball reden“, reagierte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke als bislang ranghöchster Funktionär enttäuscht.

          „Dieser Bericht heute ist leider nicht der erhoffte Befreiungsschlag, der die Zweifel in der Öffentlichkeit verschwinden lässt“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach am Donnerstagabend in der ARD-„Tagesschau“. „Der ganze Prozess ist ein Scherz“, sagte Englands Verbandspräsident Greg Dyke. Der angekündigte Einspruch durch Chefermittler Michael Garcia gegen den Freispruch für Qatar und Russland hinterlässt einen erheblichen Flurschaden beim Weltverband. Nach Jahren der massiven Vorwürfe gegen den WM-Ausrichter 2022 Qatar und erheblichen Zweifeln gegen den Gastgeber 2018 aus Russland war das milde Urteil durch Fifa-Richter Hans-Joachim Eckert schon nach wenigen Stunden nichts mehr wert.

          Egal, wie das Fifa-Berufungskomitee über die angekündigte Klage des Amerikaners Garcia irgendwann entscheiden wird, der Geruch von Kumpanei, Intrige und auch Bestechung wird die kommenden beiden milliardenschweren Weltturniere nun dauerhaft begleiten. Folgt das Gremium der Eckert-Einschätzung, wovon ganz stark auszugehen ist, bleiben die Zweifel Garcias in der Welt. Folgen die Fifa-Funktionäre dem amerikanischen Juristen, müsste der Fall mit allen drohenden Konsequenzen wohl neu aufgerollt werden. Den Schaden hat in jedem Fall die Fifa.

          Eine personelle Neuausrichtung in der Ethikkommission scheint unausweichlich, wenn der Fifa-Kongress im Mai 2015 in Zürich tagt. Die Doppelspitze Eckert/Garcia dürfte im Lichte der derzeitigen Ereignisse keine gemeinsame Zukunft mehr haben. Noch wartet man bei der Fifa auf Post von Garcia aus New York. Erst wenn der angekündigte Protest in der Zentrale in Zürich eingeht, wird sich das 13-köpfige Fifa-Berufungskomitee unter der Leitung des Juristen Larry Mussenden von den Bermudas mit der Angelegenheit beschäftigen und der Weltverband sich inhaltlich detailliert zu dem Konflikt äußern.

          Sind nicht mehr einer Meinung: Michael J. Garcia (links) und Hans-Joachim Eckert (Foto von 2012)

          „Bislang ist die Fifa nicht offiziell von dem Statement informiert worden und ist daher derzeit nicht in der Position, die Angelegenheit weiter zu kommentieren“, hieß es am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa vom Weltverband. Immer lauter ist längst wieder der Ruf nach einer Veröffentlichung des Garcia-Berichts zu den Untersuchungen in den elf Ländern, die sich um die Turniere 2018 und 2022 beworben hatten. „Genau der Konflikt zwischen Herrn Eckert und Michael Garcia zeigt doch jetzt, dass der Untersuchungsbericht mit den Ermittlungsergebnissen zu den verdächtigen WM-Vergaben längst hätte veröffentlicht werden müssen oder jetzt schnellstens veröffentlicht gehört, damit man sich selbst von außen eine Meinung bilden kann“, sagte der ehemalige Fifa-Integritätsberater Mark Pieth der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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