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DFB-Präsident Grindel : „Unklug und falsch“

Ein transparenter Prozess zur WM 2026. Eine Stärkung des Fifa-Councils und nicht eine weitere Aufgabenverlagerung in diesen kleinen Fifa-Ratsausschuss, mit dem Herr Infantino jetzt wohl intensiver arbeiten will. Eine offene Diskussion, in welchem Modus wir die WM 2026 mit 48 Nationen spielen wollen. Eine intensivere Aufarbeitung der Vergangenheit. Ich würde mir wünschen, dass wir von der Fifa mehr Unterstützung bekämen, Herrn Bin Hammam dazu zu bewegen, uns zu sagen, was er mit den zehn Millionen Schweizer Franken im Zuge der WM-Affäre angestellt hat. Im Zusammenhang mit der WM 2018 in Russland habe ich die Erwartung, dass wir eine unabhängige DopingKontrolle durch die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada bekommen, dass die Fifa das auf die Wada überträgt. Und dass die Fifa für uneingeschränkte Berichterstattung der Journalisten kämpft. Das sind Impulse, die wichtig und notwendig sind für eine bessere Zukunft der Fifa.

Um den Bogen zu schlagen: Adidas-Chef Rorsted hat die Vision, das DFB-Pokalfinale einmal in Schanghai zu spielen. Dort wird Helene Fischer bestimmt nicht ausgepfiffen.

Ich finde, dass Kasper Rorsted sehr wertvolle Hinweise gegeben hat, was die Erwartung von Adidas an eine ethisch glaubwürdig handelnde Fifa angeht. Da ist er ein ganz wichtiger Partner, wenn es darum geht, Erwartungen an den Reformprozess zu formulieren. Er nimmt eine unabhängige Position gegenüber der Fifa ein. Was das Pokalfinale angeht: Das gehört nach Berlin. Und das wird so bleiben. Wenn er aber darauf aufmerksam macht, dass wir unsere Aktivitäten auf dem chinesischen Markt verstärken müssen, dann ist das richtig. Aber auch hier kommt es darauf an, wie man es macht. Wir unterscheiden uns als DFB in unseren Aktivitäten zum Teil stark von manchen ausländischen Klubs, die China vor allem als Absatzmarkt für Trikots betrachten. Wir wollen die Entwicklung des chinesischen Fußballs unterstützen – durch den Transfer von Know-how etwa in der Trainer- und Talentausbildung. Das ist der richtige Weg, um in China Fuß zu fassen.

China will die WM 2030 ausrichten und dann am liebsten auch Weltmeister werden. Warum helfen Sie der Konkurrenz?

Die Fifa-Satzung spricht derzeit gegen eine WM 2030 in China, weil die WM 2022 in Qatar stattfindet und der asiatische Verband die beiden nächsten Weltmeisterschaften nicht ausrichten darf. Wenn im Zuge der chinesischen Entwicklung unsere Ideen von Fußball und Ausbildung dort greifen, wird das auch dem deutschen Fußball nutzen. Wir investieren in die chinesische Entwicklung, weil wir darauf setzen, dass der deutsche Fußball dort seine große Akzeptanz findet.

Erwarten Sie, dass die Fifa-Statuten im chinesischen Sinne geändert werden?

Die diskutierte Ausnahmevorschrift ist erst einmal vertagt worden. Eine Ad-hoc-Kommission soll nun den Reformprozess evaluieren und weiterentwickeln. Wir haben mit unserem Talentsystem 14 Jahre gebraucht, um Weltmeister zu werden. In so einem riesigen Land muss noch viel mehr im Fußball aufgebaut werden. Vielleicht würde es unseren chinesischen Freunden guttun, mit der WM bis 2034 zu warten. Als Gastgeber will man ja nicht nur dabei sein, sondern auch eine große Rolle spielen.

Wohin rollt der Ball

In der Serie „Wohin rollt der Ball“ sind bisher folgende Beiträge erschienen: Interview mit Günter Gebauer: „Die Zeit im Fußball ist reif für eine Rebellion“ (15. Januar); Interview mit Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff: „Das große Wachstum – da bin ich skeptisch“ (3. Februar); „Gefahr aus China? Wir stehen doch erst am Anfang!“; Marco Pezzaiuoli, Nachwuchsleiter der größten Fußballschule der Welt (11. Februar); Interview mit Ewald Lienen und Andreas Rettig: „Das ganze Sportsystem ist krank“ (16. März); Interview mit Oliver Bierhoff: „Irgendwann knallt es mal im Fußball“ (26. März); Interview mit Katja Kraus: „Die Spieler wollen selbst eine Marke sein“ (28. April); Interview mit Reinhold Beckmann: „Mehr Mut am Mikrofon“ (6. Mai); „Kopfstände für China“; Vereine wie der 1. FC Köln und Schalke 04 vermitteln nicht nur Wissen (19. Mai).

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