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DFB-Präsident Grindel : „Unklug und falsch“

Wir müssen Mehrheiten in der Uefa bilden und dann gemeinsam im Fifa-Council argumentieren. Das hat gut geklappt bei der Frage einer möglichen Vorfestlegung der WM 2026. Die Verbände USA, Mexiko und Kanada wollten während des Fifa-Kongresses in Bahrein (im vergangenen Mai/d. Red.) einen Beschluss herbeiführen, auf dessen Basis sie bei Erfüllung der technischen Kriterien der Fifa ohne eine Ausschreibung schon im nächsten Jahr den Zuschlag für diese WM bekommen hätten. Ich habe mich in meiner ersten Council-Sitzung dagegen ausgesprochen und darauf gedrängt, dass wir nach den Erfahrungen mit Qatar 2022 diesmal einen vorbildlichen, transparenten Bewerbungsprozess brauchen. So wird es kommen – mit einer gleichen Chance für alle, sich für die WM 2026 zu bewerben.

DFB-Präsident Reinhard Grindel gemeinsam mit Bundestrainer Jogi Löw.

Der Fifa-Präsident hat sich in Bahrein „überrascht“ gezeigt, dass Sie an den abgesetzten Chef-Ethikern Borbély und Eckert festhalten wollten. Glauben Sie wirklich, dass Sie jetzt noch einmal einen Fuß in die Tür dieser Fußballfamilie bekommen, die unbedingte Loyalität erwartet, um in der Fifa Reformen durchsetzen zu können?

In der ersten Council-Sitzung mit konträren Positionen aufzuwarten ist nicht üblich. Ich hatte das aber natürlich mit den Uefa-Mitgliedern im Council vorher abgestimmt und abgesprochen. Nach meinem Wortbeitrag sind einige Kollegen aus Asien und Afrika auf mich zugekommen und haben mir klar zu verstehen gegeben, dass sie meine Argumente nachvollziehen können. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich mich damit sofort ins Abseits begeben habe. Ich habe ja auch keinen besserwisserischen Auftritt mit Pauken und Trompeten hingelegt, auch wenn mir das in der Heimatpresse bestimmt positivere Reaktionen eingebracht hätte.

Wir glauben, dass Infantino Ihnen Ihren Widerspruch weder vergessen noch vergeben wird.

Ich habe meine Linie. Jeder im Council hat genau gemerkt, was meine Position ist. Ich glaube, dass hat weder mir noch der Uefa geschadet. Und ich habe einer ganzen Reihe von Kollegen gesagt, die viel stärker als wir vom Finanztopf der Fifa abhängen, dass dieser Topf von Sponsoren und TV-Anstalten gefüllt wird. Und die haben die klare Erwartung, dass wir uns bei Themen wie Good Governance, Compliance und Transparenz in Zukunft sehr sauber verhalten. Und dass ihre Zuwendungen, wenn wir das nicht tun, in Frage gestellt werden. Das ist ein Argument, das in der Fifa nicht ohne Resonanz geblieben ist. Ich bin überzeugt, im System etwas erreichen zu können.

Wir sind, was Fifa und Uefa angeht, illusionsfrei. Und von einem Neuanfang für eine bessere Zukunft unter Fifa-Präsident Infantino können wir nichts feststellen.

Das kann ich verstehen.

Was sehen Sie kritisch?

Ich glaube, dass das Zusammenspiel von Generalsekretärin und Präsident nicht dem Geist der Fifa-Satzung entspricht. Ich finde, unabhängig von der Kompetenz und Erfahrung, die Frau Samoura hat, dass die Rollenverteilung beim Kongress in Bahrein in dieser Art und Weise so nicht hätte sein dürfen. Frau Samoura hätte eine aktivere Rolle spielen müssen. Ich finde auch, dass die Personalentscheidung in der Ethik-Kommission unklug und falsch war. Auch das habe ich deutlich artikuliert. Herr Infantino muss jetzt in vielerlei Hinsicht das Zeichen setzen, dass er vom Reformprozess nicht nur spricht, sondern ihn auch tatsächlich mit Inhalten und Leben füllt.

Was muss geschehen, dass Ihre Erwartungen erfüllt sind?

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