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DFB-Präsident Grindel : „Unklug und falsch“

DFB-Präsident Reinhard Grindel: „Ich habe nichts gegen sachliche Kritik. Wir müssen den Dialog mit allen friedlichen Fangruppen fortsetzen.“

Aber nicht für die Zuschauer.

Die Zeit des Confed Cup hat für den Bundestrainer trotzdem entscheidende Bedeutung. Deswegen nimmt er auch eine Reihe von Perspektivspielern mit. Wir wollen ja nicht den Confed Cup gewinnen, sondern ein Jahr später Weltmeister werden. Und wenn uns der dänische Verband fragt, ob wir 25 Jahre nach dem sensationellen EM-Gewinn der Dänen für dieses Spiel bereitstehen, dann lehnen wir das nicht arrogant ab. Und San Marino? Wir können ja schlecht sagen, der besondere Reiz des DFB-Pokals liegt darin, dass die Kleinen gegen die Großen spielen, und verwehren San Marino, an der Qualifikationsrunde teilzunehmen. Aber beim Confed Cup haben Sie grundsätzlich recht: Ich halte diesen Wettbewerb für verzichtbar.

Der Confed Cup ist nicht Ihr Ding?

Angesichts der großen sportlichen Belastung unserer Spieler sollten wir ihnen einen Sommer der Regeneration gönnen.

Und das heißt?

Ich bin dafür, den Confed Cup abzuschaffen. Und auch die Klub-WM zu hinterfragen oder sie nur in einem sehr schmalen Format zu spielen, sie auf keinen Fall auch noch auf eine Vielzahl von Mannschaften auszudehnen. Ich glaube, die Fifa ist gut beraten, sich auf ihr Premiumprodukt zu konzentrieren: Und das sind die Weltmeisterschaften für Männer und Frauen. Die Fifa sollte ihre Organisationskraft nicht an den Confed Cup oder die Klub-WM verschwenden. Mit der Erweiterung der WM auf 48 Mannschaften ab 2026 soll es eine Vorqualifikation auf die WM geben. Das ist eine ideale Vorbereitung für das WM-Gastgeberland, was die Stadien und Abläufe betrifft. Der Confed Cup wäre dann hinfällig.

Erleben wir jetzt den letzten Confed Cup?

Mir fehlt die Phantasie, wie der Confed Cup 2021 in Qatar in den Rahmenterminkalender passen sollte. Wir haben ja bereits im Jahr 2022 größte Probleme, die WM von Mitte November bis Mitte Dezember in den Rahmenterminkalender einzufügen. Und das gleich in zwei Spielzeiten hintereinander? Das halte ich für völlig undenkbar.

Und als Nächstes kommt auch noch die Nations League, von der Manager Oliver Bierhoff nicht weiß, was die soll. Aber den Wettbewerb finden Sie gut. Warum?

Durch die Nations League gibt es keinen zusätzlichen Spieltag. Er ist im Grunde die wettbewerbsmäßige Veredelung von Freundschaftsspielen. An den Terminen, an denen bisher Freundschaftsspiele stattfinden, finden dann Spiele im Rahmen der Nations League statt. Das kann dazu beitragen, dass wir Gegner haben, die auf einem ähnlichen Niveau spielen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieser Wettbewerb auf Akzeptanz beim Zuschauer stößt.

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Der sportpolitische Vorwurf ist aber immer derselbe: Die Erweiterung der Wettbewerbe für kleine Ligen und Nationen sind vor allem der Preis für die Stimmen bei der Präsidentenwahl, ob nun einst unter Blatter oder jetzt unter Infantino oder Ceferin, dem Uefa-Chef.

Noch mal: Es gibt kein zusätzliches Spiel, das ist ganz wichtig, auch für die abstellenden Vereine. Mittlere und kleinere Nationen tun sich schwer, attraktive Gegner für Freundschaftsspiele zu finden. Die Nations League gehört daher auch zur Solidarität unter den europäischen Verbänden. Als Deutsche steht es uns gut an, solidarisch mit kleineren und mittleren Verbänden zu sein.

Wie wollen Sie in den Uefa- und Fifa-Gremien Ihre Vorstellungen durchsetzen, etwa den Confed Cup abzuschaffen? Mehrheitsfähig sind die nicht.

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