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DFB-Präsident Grindel : „Unklug und falsch“

Sie haben zuletzt angekündigt, nachdem Spiele der Nationalelf nicht mehr ausverkauft waren, künftig auch in kleineren Stadien zu spielen. Selbst in Dortmund war der Klassiker Deutschland gegen England nicht ausverkauft. Sie spüren doch auch eine Form der Unzufriedenheit beim Publikum.

Gegenargument: Die Einschaltquoten sind sehr stabil. Wenn es um ein Überangebot des Fußballs ginge, müssten auch die Quoten sinken. Tatsache ist aber auch, dass neben Terminfragen wie Ferienzeiten bei manchen Länderspielen die Konkurrenz mit internationalen Spielen der Vereine vor Ort, etwa in Dortmund und Mönchengladbach, sehr groß war für ein Freundschaftsspiel. Die Qualifikationsspiele sind weiter sehr gut besucht. Wenn man in Regionen geht, wo kein oder kaum internationaler Fußball gespielt wird, wenn es bei einem Länderspiel um etwas geht oder ein namhafter Gegner kommt, dann kommen die Zuschauer auch. Deswegen wollen wir dort künftig auch häufiger mit der Nationalelf auftreten. Die spanische Nationalmannschaft spielt mittlerweile auch in Alicante oder Gijon. Gerade bei Testspielen ist es für alle schwer, Zuschauermassen zu mobilisieren.

Das Viertelfinale Bayern gegen Real war in wenigen Minuten ausverkauft. Fürchten Sie, dass der Klubfußball in den nächsten Jahren der Nationalelf den Rang abläuft?

Die Zuschauer haben ein feines Gespür, ob es um etwas geht oder eben nicht. Am kommenden Samstag gegen San Marino in Nürnberg ein ausverkauftes Stadion zu haben ist ambitioniert. Das Grundproblem ist aber keineswegs eine abnehmende Akzeptanz der Nationalmannschaft oder eine überzogene Kommerzialisierung. Angesichts der Tatsache, dass fast jedes zweite Mitgliedsland der Uefa an der Endrunde teilnehmen darf, haben eben selbst die Qualifikationsspiele nicht mehr die Spannung wie früher.

Und von 2026 an wird die WM mit 48 Nationen und damit fast jedem vierten Mitgliedsland stattfinden.

Wir als DFB waren dagegen. Aber schon bei der EM in Frankreich hat man auf der anderen Seite gemerkt, wie sehr Länder, in denen eine Endrundenteilnahme nicht die Regel ist, davon profitiert haben. In der Slowakei, Ungarn, Österreich, Nordirland oder Island hat die EM einen unglaublichen Schub entfacht.

Aber mit einem Elite-Wettbewerb, der eine EM und WM sein sollten, haben diese Mega-Turniere immer weniger zu tun. Es geht darum, mehr Geld einzunehmen.

Im Endergebnis wird sich die Elite weiterhin durchsetzen. Aber ich habe die Sorge, dass sich die Versprechungen von Fifa-Präsident Gianni Infantino, 600 Millionen Euro zusätzlicher Fernseheinnahmen einzunehmen, nicht realisieren lassen. Die Gefahr, dass sich der Fußball bei einem Format mit 16 Gruppen à drei Mannschaften verändert und langweiliger wird, ist gegeben. Schwächere Mannschaften könnten einen Abwehrriegel aufbauen und hoffen, er möge 90 Minuten halten. Die Akzeptanz der Zuschauer bei den Spielen in der Vorrunde würde dann sinken – und bisher schaut man als Fan bei einer WM wenn möglich jedes Spiel. Ich habe sportlich meine Zweifel an diesem Vorrundenformat.

Nach dem Finale der Champions League, auf das die Fans geblickt haben, startet der Weltmeister nun zu einer vier- bis fünfwöchigen Tour, bei der es um fast nichts geht. Das kann doch nicht die Zukunft des Fußballs sein.

Für einen Trainer wie Jogi Löw ist es von zentraler Bedeutung, Spieler einmal über einen längeren Zeitraum beobachten und trainieren zu können. Diese Möglichkeit hat er sonst kaum noch.

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