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Dietmar Hopp im Gespräch : „Innovation – da sind wir Spitze“

Helix: Auf der Projektionsfläche, die auf 360 Grad erweitert werden soll, muss der Spieler wechselnde Gegner im Auge behalten und orten. Bild: TSG 1988 Hoffenheim

1899 Hoffenheim setzt auf neueste Entwicklungen, um besser Fußball zu spielen. Mäzen Dietmar Hopp spricht im Interview über die Helix, Big-Data-Fußball in Sinsheim – und Proteste der Fans.

          Dietmar Hopp, Mäzen von 1899 Hoffenheim, über die Helix, peripheres Sehen und Big-Data-Fußball in Sinsheim, seine Sorgen über die Spekulationsblase und den Sinn hinter den Spielen der chinesischen Olympiaauswahl in der Regionalliga Südwest.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wären Sie Ihr dreistelliges Millionen-Engagement in Hoffenheim auch eingegangen, wenn Sie gewusst hätten, wie sich der Profifußball in den vergangenen Jahren entwickelt und kommerzialisiert hat?

          Wenn man mir am Anfang gesagt hätte, was ich da tatsächlich reinstecken muss, hätte ich Angst gehabt. Zwei Drittel meines Vermögens habe ich ja in meine Stiftung gegeben, die mit dem Profifußball überhaupt nichts zu tun hat. Mittlerweile aber sage ich: Es ist okay. Der Verein trägt sich und wird auf Dauer auch bescheidene Gewinne abwerfen. Da hat man doch etwas Besonderes geschaffen für die Menschen in der Region, zu denen ich mich zähle. Aber die Entwicklung des Profifußballs ist nicht gesund. Ich fürchte, wir befinden uns schon in einer Spekulationsblase. Aber Deutschland kann ja nicht alles anders machen, sonst haben wir in der Bundesliga ganz schnell keine Spitzenspieler mehr. Vielleicht sind wir dann noch gut mit der Nationalmannschaft, weil wir so eine extrem gute Nachwuchsarbeit in Deutschland betreiben. Aber im europäischen Klubfußball würde man dann keine Rolle mehr spielen, wenn man sich von dem Geschäftsverhalten distanziert.

          Sie verstehen die Proteste vieler Fans?

          Mir wäre es auch am liebsten, wenn alle Spiele am Samstagnachmittag angepfiffen würden. Aber wenn der Spielplan nicht entzerrt wird mit einem Montagsspiel und zwei zusätzlichen Spielen am Sonntag, dann würden wir deutlich weniger Fernsehgeld erlösen und den Anschluss noch schneller verlieren. Dass die Grenze von einer Milliarde in der Bundesliga gerissen wurde, war für mich eine positive Sensation. England, Spanien, Italien und auch Frankreich haben mehr Geld als wir. Auch wenn es Ausreißer gibt: Der Erfolg hängt auf Dauer proportional von der Höhe des Budgets ab.

          Hoffenheim steht nun vor den beiden entscheidenden Spielen für die Qualifikation zur Champions League – was bedeutet Ihnen die Königsklasse im Fußball unter diesen Umständen noch?

          Mir ist vor allem wichtig, dass der Klub sich selbst tragen kann. Wenn wir in der Champions League spielen würden, dann wäre die schwarze Null oder auch ein angemessener Gewinn einfacher zu erreichen. Auch wenn ich nicht so blauäugig bin, zu glauben, dass die gesamten Einnahmen beim Klub bleiben. Aber Champions League wäre schon eine tolle Geschichte, auch sportlich. Aber das Wichtigste ist für mich: einen Verein zu hinterlassen, der ohne mich dauerhaft existieren kann.

          Wie stark ist der Klub noch von Ihnen abhängig – und wie stark sind Sie vom Klub abhängig?

          Der Klub ist nicht mehr abhängig von mir. Mit dem Thema sind wir durch. Ich habe zum letzten Mal 2011 eine ordentliche Einlage gemacht, aber nicht, wie andere, mit einem Darlehen. Seitdem hat es keine Nachschüsse mehr gegeben. Schon in der vorvergangenen Saison haben wir einen satten Gewinn gemacht, so dass wir auf längere Sicht – ich nehme mal den Drei-Jahres-Zyklus, wie er für das Financial Fairplay angewendet wird – keine Schwierigkeiten haben werden, diese Kriterien zu erfüllen. Wir haben gut gewirtschaftet und deshalb kein Problem zu befürchten.

          Sicher?

          100 Prozent sicher!

          „Der Klub ist nicht mehr abhängig von mir“: Dietmar Hopp.

          Und wie steht es mit Ihrer Abhängigkeit?

          Ich bin nicht süchtig nach Fußball, aber ich schaue mir sehr gerne die Spiele an. Das hat sich über die Jahre überhaupt nicht verändert. Ich bin nach wie vor absolut sport- und vor allem fußballbegeistert. Ich dachte früher, das würde nachlassen, wenn man selbst nicht mehr spielt. Aber das hat bei mir nie nachgelassen. Nach Fußball und Tennis ist Golf jetzt mein Sport. Sport muss sein, jeden Tag. Auch im Keller an den Gewichten und auf dem Laufband. Wenn ich einen Tag nicht gelaufen bin, habe ich das Gefühl, dass der Tag sich nicht richtig anfühlt.

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