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Dietmar Hopp im Gespräch : „Innovation – da sind wir Spitze“

An fast alle Dinge, die im Footbonauten oder der Helix geschehen, sind wissenschaftliche Arbeiten gekoppelt, aktuell mehr als fünfzig. Die Jungs und Mädchen gehen da nicht rein, um ein bisschen zu kicken. Wir erweitern unsere Helix jetzt auch von einer 270- auf eine 360-Grad-Projektionsfläche, die das periphere Sehen schult und die Konzentration stärkt. Zudem bauen wir gerade neben der Footbonauten-Halle auf 600 Quadratmetern ein Research-Lab, in dem künftig Millionen von Datensätzen ausgewertet werden. Das ist wirklich ein Big-Data-Labor des Fußballs. Da kann man schon jetzt sehr viele konkrete Rückschlüsse zum Beispiel anhand der Leistungsdiagnostik ziehen. Ob ein Spieler etwa aufgrund der Belastungen einer erhöhten Verletzungsgefahr unterliegt – das sieht man. Wir hatten in der vergangenen Saison die zweitwenigsten Ausfälle durch Verletzungen, nur Ingolstadt hatte weniger. Auch dort arbeitet man übrigens mit SAP-Software. Oder die Videowand, die wir auf dem Trainingsplatz getestet haben. Das war eine Idee von Julian Nagelsmann. Ich kann mir gut vorstellen, wie hilfreich es ist, wenn er direkt zu den Spielern hingehen kann und die Fehler während des Trainings sofort anspricht – in Echtzeit. Später in der Kabine haben die Spieler die zwanzig Szenen eines Trainings doch längst wieder vergessen.

Welchen Anteil haben die technischen Innovationen am Erfolg von Hoffenheim?

Das ist in Zahlen für den sportlichen Erfolg schwer zu beziffern, aber ich halte den Anteil für erheblich. Für den gesamten Verein werden die Innovationen zu einer tragenden Säule. Transferüberschüsse und Einnahmen aus weltweiten Innovationen – das wird einen großen Teil unserer Erlöse ausmachen.

Wie wollen Sie daraus ein weltweites Geschäft machen?

Die SAP ist weltweit mit fast 90.000 Leuten tätig. Überall sitzen Menschen, die Software verkaufen wollen – aber die Sportlösungen lassen sich leichter verkaufen, wenn man Content mitliefert. Und den schaffen wir in Hoffenheim. Sports One ist aber nicht nur Fußball, sondern auch zum Beispiel im Eishockey bei den Adler Mannheim oder den San José Sharks. Weltweit heißt nicht zuletzt auch China. Dass es dort wegen der neuen Fußball-Begeisterung bei Transfers zu Ausreißern kommt, ist schade. Aber die Chinesen wollen Fußball tatsächlich zum Volkssport machen. Zuletzt war die Olympia-Mannschaft hier in der Gegend, und es hat für einigen Wirbel gesorgt, dass sie in der Rückrunde der neuen Saison außer Konkurrenz in der Regionalliga Südwest mitspielt. Ich finde das sehr sinnvoll.

Warum?

Ich weiß, dass das viele Fans nicht gut finden. Aber zum einen profitieren die Vereine in der Regionalliga. Und mit welcher Begründung sollten wir den Chinesen unsere Hilfe verweigern? Auch gegen Geschäftsverbindungen spricht nichts. Die werden doch auf allen Ebenen geknüpft. Die chinesische Olympiamannschaft wird schon mit unseren Techniken betreut. SAP hat in China vielversprechende Aufträge im Sport. Dass das chinesische Team hier im Südwesten war, hat auch mit den Standorten der TSG und SAP zu tun. Kurze Wege, das hilft immer. Und ganz grundsätzlich: Ich bin überzeugt, dass Fußball verbindet. Das hilft auch politisch und wirtschaftlich.

Als Unternehmer sind Sie China-Fan?

China hat sich geöffnet. Ich habe gehört, es gibt mittlerweile 250 Milliardäre dort, es wird aber immer noch gesagt: In China sind alle gleich. Es gibt also den Großkapitalismus, aber bei der großen Masse kommt das nicht an. Im Fußball hat China noch einen weiten Weg vor sich. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass Fußball dort Volkssport wird, aber nicht, indem wir nach China fahren, sondern indem wir die Chinesen hier ausbilden, damit sie es dann in ihrem Land selbst tun können. Es wird auf Dauer auch nicht reichen, dass die Innovationen aus Walldorf von SAP und aus Zuzenhausen von der TSG kommen. Aber es ist ein Anfang. Irgendwann werden die Chinesen europaweit ihre Stützpunkte haben, an denen sie ihre Leute ausbilden. Das sind Dimensionen . . .

Da lacht Ihr Unternehmerherz?

So ist es. Und es ist besser, wir liefern Fußball nach China als Panzer.

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