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Dietmar Hopp im Gespräch : „Innovation – da sind wir Spitze“

Das unterstreiche ich, denn Julian Nagelsmann hat sich bei uns entwickelt. Unsere Jugendarbeit ist zwar eine Komponente, die zum Erfolg beiträgt. Immerhin hatten wir beim Heimspiel gegen Köln acht in unserer Akademie ausgebildete Spieler in der Mannschaft, fünf auf dem Platz, dazu noch drei im Kader. Aber es ist das Können von Julian, das uns auf den vierten Platz gebracht hat. Er entfacht das Feuer in jedem einzelnen Spieler, Höchstleistungen zu bringen. Letztlich ist Motivation alles, wie auch in Unternehmen. Man muss Verantwortung übergeben können und Freiräume gewähren. Am meisten hasse ich es, wenn es zu viele Regeln gibt. Regeln, mit denen uns die EU überschüttet. Regeln, die die Menschen in Unternehmen einengen. Regeln, die dazu führen, dass keiner mehr etwas wagt und man seine Ideen nicht umsetzen kann. Denn wenn keiner was wagt, unterdrückt man am Ende jegliche Kreativität.

Wie machen Sie das in Hoffenheim?

Bei uns ist das absolute Gegenteil der Fall. Wir nennen uns einen innovativen Klub. Julian Nagelsmann ist dafür ganz offen. Wir wollen mit Innovationen Spieler besser machen. Da geht es um Leistungsdiagnostik, wir haben den Footbonauten und die Helix. Zudem hat SAP eine Software entwickelt, Sports One, die den Charme hat, dass sie den gesamten Geschäftsbetrieb umfasst und nicht nur den Sport als eine Komponente. Wir haben eine Kooperation mit SAP. Ich bin überzeugt, dass dies ein sehr lohnendes Geschäftsmodell für uns wird.

Welche Rolle kommt dabei Hansi Flick zu, der nach vielen Jahren beim DFB nun als Sportdirektor nach Hoffenheim zurückgekehrt ist?

Hansi hatte als Ko-Trainer der Nationalmannschaft unglaublich viel Erfolg. Nicht wenige sagen, dass er einen ganz großen Anteil am WM-Titel in Brasilien hatte. Er hat Verbindungen überall in Europa, in der Nachwuchsarbeit und bei den Profis. Wir hatten das Glück, dass er gerade frei geworden ist, denn wir hatten über kurz oder lang Bedarf auf der Position des Geschäftsführers Sport. Wir haben nämlich die Kooperation mit SAP forciert. Das verantwortet vor allem Dr. Peter Görlich, der zuvor in führender Position auch den Sport mitgemacht hat. Er ist ein ausgewiesener Experte in Sachen Innovation und Leistungsdiagnostik und verantwortet zudem die Internationalisierung und Digitalisierung. Das war unmöglich alles zu schaffen. Wir brauchten also dringend Verstärkung.

Footbonaut: Der Spieler in der Mitte des Feldes erhält ein Signal, nimmt den Ball an und muss ihn in ein erleuchtetes Zielfeld spielen.

Wie innovationsstark ist Hoffenheim im Vergleich zu anderen Bundesligaklubs?

Ich will den Mund nicht zu voll nehmen, aber ich denke, da sind wir Spitze in der Liga.

Meinen Sie?

Ich bin überzeugt davon, dass es keinen zweiten Software-Anbieter in Deutschland mit einer solchen Sportlösung gibt. Ich weiß zwar, dass andere Vereine sagen, sie seien die Nummer eins in der Digitalisierung. Die Digitalisierung ist eines, aber nicht alles. Und in der Digitalisierung hängen wir auch nicht hinterher. In Deutschland gibt es ansonsten auch nur noch einen Footbonauten, in Dortmund. Unserer ist täglich im Dauerbetrieb und wird vor allem von den Jugendmannschaften genutzt. Die profitieren am meisten davon.

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