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Dietmar Hopp im Gespräch : „Innovation – da sind wir Spitze“

Als Hoffenheim in die Bundesliga kam, war der internationale Fußball bald ein Ziel. Wie haben sich Ihre Erwartungen unter den veränderten Bedingungen entwickelt?

Den internationalen Fußball hatte zumindest ich damals nicht zum Ziel. Ich war immer bescheiden. Der Aufstieg war für mich schon eine Sensation. Ich wäre damals mehr als zufrieden gewesen, wenn ich gewusst hätte, dass wir uns in der Bundesliga etablieren würden. Wir gehen nun in die zehnte Bundesligasaison nacheinander, das haben insgesamt nur 19 Vereine in Deutschland geschafft. In der vergangenen Saison habe ich es auch für unmöglich gehalten, dass wir unter die ersten sechs kommen. Klubs wie Wolfsburg, Leverkusen, Gladbach oder Schalke, die das Doppelte und mehr an Spielerbudgets zur Verfügung haben, hatten aber ein schlechtes Jahr. Deswegen sind wir dabei. Man kann auch nicht davon ausgehen, dass wir es jetzt in die Gruppenphase der Champions League schaffen. Der Modus ist brutal. Wir gehören zu den ungesetzten Mannschaften – da können wir es mit Liverpool, Sevilla, Neapel oder Ajax Amsterdam zu tun bekommen. Ich gehe mit großer Freude, aber nicht euphorisch in die beiden Spiele.

Was erwarten Sie für die neue Spielzeit?

In der neuen Saison haben wir es mit den Big Seven zu tun, denn Leipzig gehört neben Dortmund, Bayern, Schalke, Gladbach, Wolfsburg und Leverkusen ja nun auch dazu. Wenn zwei Klubs ein schlechtes Jahr haben, kann ich mir vorstellen, dass wir wieder zu den besten sieben gehören. Erwarten darf man das aber nicht. Unter die besten vier Klubs zu kommen, halte ich eigentlich wieder für nahezu unmöglich.

Als Sie Hoffenheim mit Ihrem Engagement in die Bundesliga führten – haben Sie mit einer solchen wirtschaftlichen Entwicklung und Kommerzialisierung des Fußballs gerechnet?

Nein, auch wenn mir klar war, dass man versuchen würde, Zuwachsraten zu generieren. Aber dass das Fernsehgeld derart in die Höhe schießt, habe ich nicht erwartet. Das ist bei uns aber auch nur deswegen passiert, weil es England in noch weit größeren Dimensionen vorgemacht hat. Ich frage mich allerdings, wie das auf der Insel langfristig funktionieren soll. Sind die Menschen wirklich bereit, so viel Geld für den Fußball auszugeben? Uli Hoeneß war vor wenigen Tagen hier, und wir sind einer Meinung, wenn der Tabellenletzte in England viel mehr Fernsehgeld bekommt als bei uns der FC Bayern, dass dies ein Wahnsinn ist – und es auf Dauer zu Verschiebungen führen muss. Ich wünsche mir als Konsequenz aber nicht, dass der Markt in Deutschland auch so massiv wächst. Denn darunter leiden am Ende nur die Menschen, die den Fußball lieben und dafür noch mehr bezahlen sollen.

Wie kann Hoffenheim auf Dauer unter diesen Bedingungen unabhängig von Ihnen als Bundesligaklub existieren?

Wir müssen Transferüberschüsse generieren. Wenn wir einen Spieler besonders gut entwickeln, wie jetzt zum Beispiel Niklas Süle, dann rechnen wir damit, dass die Bayern, Dortmund oder ein anderer Verein mit besseren finanziellen Möglichkeiten ihn holt. Das ist unser Geschäftsmodell. Schon in der Vergangenheit ist uns das recht gut gelungen, sonst wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. Durch die Fülle der bei uns nachwachsenden Talente wird das auch so bleiben. Zudem wollen wir Spieler, die wir relativ günstig einkaufen, mit Gewinn weiterverkaufen.

Aber auch ein großes Trainertalent wie Julian Nagelsmann wird Hoffenheim auf Dauer kaum halten können.

So einen außergewöhnlichen Trainer in einem relativ kleinen Klub zu halten ist ausgeschlossen. Da mache ich mir keine Illusionen. Das ist genauso ausgeschlossen, wie einen Süle, einen Firmino oder einen Volland zu halten.

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Aber einen herausragenden Trainer zu entwickeln ist viel schwieriger als junge Spieler.

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