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Nach Eklat bei Juventus : Wohin geht die Reise für Emre Can?

Zukunft ungewiss: Bei welchem Verein Nationalspieler Emre Can künftig spielen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Bild: Picture-Alliance

Der wechselwillige Nationalspieler Emre Can besucht seine alte Schule in Frankfurt. Fünf weitere Stationen sollen folgen. Vier davon sind bekannt, die letzte ist noch geheim. Verbirgt sich dahinter ein genauer Plan?

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          Als die Tür aufschwingt und den Weg zum Pausenhof freigibt, wird allen Beteiligten wohl erst klar, auf was sie sich da eingelassen haben. Hunderte Handys zucken in die Höhe, ohrenbetäubender Lärm brandet auf. Die meisten Schüler können gar nicht glauben, was sie da sehen. Beziehungsweise wen sie da sehen. Und auch Emre Can, Fußball-Nationalspieler und Profi beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin, ist sich zunächst selbst nicht so ganz sicher: „Da soll ich jetzt raus?“

          Gewusst, dass der ehemalige Jugendspieler von Eintracht Frankfurt seine ehemalige Schule besucht, haben ohnehin nur wenige. Man habe in Rücksprache mit der Polizei entschieden, Eltern und Schüler lediglich einen Tag im Voraus darüber zu informieren, dass eine „bekannte Persönlichkeit“ in die Nordweststadt kommen werde, erzählt die Schulleiterin der Geschwister-Scholl-Schule, Felicitas Hüsing. Sie selbst sei vor fünf Tagen von Cans Management gefragt worden, ob ein Besuch möglich sei. Der 25-Jährige befinde sich „auf den Spuren seiner Vergangenheit“ und würde auch gerne der Realschule einen Besuch abstatten.

          Disziplin und harte Arbeit

          Hüsing sagte gemeinsam mit ihrem Kollegium zu. So kam es, dass der Fußball-Profi nun durch die Tür auf den Pausenhof schreitet und, wenn auch zögerlich, seine Position auf dem extra hergerichteten Podest bezieht. Von der Sonne geblendet steht er da, in schwarzer Hose, schwarzen Schuhen und weißem Hemd. Und schwelgt in Erinnerungen. Nebenan im Niddapark habe alles angefangen, erzählt Can, bei Blau-Gelb Frankfurt habe er zum ersten Mal ein Vereinstrikot übergestreift, ehe es in die Jugendabteilung der Eintracht ging. „Fußball“, sagt er heute, „war alles für mich. Und er hat mir geholfen, meinen Weg zu gehen, auch persönlich.“ Im Training habe er gelernt, wie wichtig Disziplin ist und dass harte Arbeit auch belohnt wird. Er blickt bei diesen Worten direkt in die Augen der vor ihm stehenden Schüler, die sich wie ein aufbrausendes Meer ständig hin und her bewegen, weil jeder versucht, auch nur ein kleines bisschen näher an ihn heranzukommen. „Egal wo ihr herkommt, egal wer ihr seid. Wenn ihr an euch glaubt und hart dafür arbeitet, könnt ihr alles erreichen.“

          Heimspiel: Emre Can macht Station in seiner alten Schule in Frankfurt.

          Die, die nicht hinter ihren Handys kleben, hängen an seinen Lippen. Denn Can weiß, wovon er spricht. Vom Brennpunkt Nordweststadt hat er es nach München geschafft, zum FC Bayern. Dann zu Bayer Leverkusen und schließlich nach England zu Jürgen Klopp und dem FC Liverpool. „Ich bin nicht auf die schiefe Bahn geraten“, sagt er später gegenüber der F.A.Z. „Auch weil mich meine Familie und gute Freunde immer unterstützt haben. Diese Botschaft möchte ich weitergeben.“

          Manche dieser guten alten Freunde sind am Dienstagmittag auch da, auf dem Pausenhof der Geschwister-Scholl-Schule. Cans Schwester und einige seiner früheren Lehrer sind ebenfalls gekommen. Alles wirkt wie ein kleines Familientreffen, kunstvoll inszeniert vor hunderten Bewunderern. Am Ende überreicht Can der Schule einen Scheck. Mit dem fünfstelligen Betrag soll ein Anti-Mobbing-Projekt unterstützt werden. Im Gegenzug erhält der geborene Frankfurter die Ehrenmitgliedschaft der Schule.

          Am Ende ein Neuanfang?

          Dem Besuch in seiner Heimat sollen noch fünf weitere Stationen folgen: München, Leverkusen, Liverpool. Also da, wo er bislang gespielt hat. Und Turin, wo Can mittlerweile unter Vertrag steht, unlängst aber aus dem Champions-League-Kader gestrichen wurde. Wo der sechste und letzte Halt seiner Reise stattfinden wird, bleibt geheim. Nur so viel steht fest: Die Termine finden in den kommenden Wochen statt, wenn Juventus – ohne Can – in der Königsklasse unterwegs ist wie etwa an diesem Mittwoch bei Atlético Madrid (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN sowie Sky).

          Anschließend, in der Winterpause, wird er möglicherweise den Verein wechseln. Denn sein großes Ziel bleibe nach wie vor „der Champions-League-Titel“. Es wäre ein trefflicher Abschluss seiner Reise, dann, wo auch immer, einen Neuanfang zu wagen. Die Autogrammkarten, die er auf den Pausenhof seiner ehemaligen Schule mitgebracht hat, zeigen ihn jedenfalls im deutschen Nationaltrikot. Und nicht im Dress von Juventus Turin.

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