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Fußball in Weißrussland : „Die Nummer mit Maradona ist mir peinlich“

  • -Aktualisiert am

Bei seiner Stippvisite in Weißrussland war die Freude um Maradona noch groß. Bild: Picture-Alliance

Diego Maradona sorgt in Weißrussland mit einem skurrilen Auftritt für einen Ausnahmezustand. Das war kurz nach der WM. Doch von der Begeisterung ist nicht mehr viel zu spüren.

          Am 16. Juli herrschte in Brest Ausnahmezustand. Überall auf der Welt wurde am Tag nach dem WM-Finale über Frankreich gegen Kroatien gesprochen. Nur an der belarussisch-polnischen Grenze war das Ligaspiel des lokalen Fußballvereins Dinamo gegen Schachtjor Soligorsk wichtiger. 8000 Karten hatte Dinamo verkauft, für die belarussische Liga eine fast unglaubliche Menge. 1:3 verlor der Klub, doch das Spiel interessierte nur wenige. Vielmehr lockte: Diego Maradona. Der Argentinier hatte vor Monaten einen Vertrag als Vorstandsvorsitzender unterschrieben. Nun sollte er endlich die mit etwa 330.000 Einwohnern sechstgrößte Stadt des Landes besuchen.

          „Maradona war nicht mal einen ganzen Tag hier. Dennoch war ich überrascht, dass er überhaupt gekommen ist. Ich ging fest davon aus, er werde Brest nie im Leben besuchen“, erzählt der 41-jährige Andrej, ein erfahrenes Mitglied der überschaubaren Fanszene von Dinamo Brest. Maradonas Ankunft am Flughafen sorgte für surreale Bilder, zumal der Flughafen, der zu Sowjetzeiten etwa 200.000 Passagiere pro Jahr bediente, mittlerweile nur mit großen Schwierigkeiten auf 10.000 kommt. „So viele Luxusautos, die auf einmal zum Flughafen fuhren, hat Brest auch bei Besuchen des Präsidenten Alexander Lukaschenka nicht erlebt. Wir sind ja doch die Provinz“, sagt Andrej, der zwar sich wegen der unerwarteten Aufmerksamkeit für seinen Verein freut, jedoch äußerst skeptisch bleibt: „Was wir gerade erleben, ist ein Zirkus, der mit der fußballerischen Entwicklung nichts zu tun hat.“

          Als Maradona nach einer bemerkenswerten Pressekonferenz in einem übervollen Hotel in einem Militärjeep ins Stadion von Dinamo Brest fuhr, war die Show des 57-jährigen Argentiniers an ihren Höhepunkt gelangt. „Wenn ich meine Karriere als Fußballfunktionär in Brest beenden soll, dann werde ich eben für immer bleiben“, hatte Maradona vorher gesagt. „Ich habe gar kein Problem damit, in Belarus zu leben.“ Staatliche belarussische Medien freuten sich über seine Lobesworte an den autoritär regierenden Präsidenten Alexander Lukaschenka („starker, guter Präsident“): Er habe gute Erinnerungen an Fidel Castro, Hugo Chavez, Nicholas Maduro, Muammar Gaddafi, sagte Maradona. „Ich kenne nun auch Wladimir Putin persönlich. Ein Foto mit Lukaschenka wäre ab jetzt mein Traum.“

          Im Militärjeep fuhr der frühere argentinische Star durch Brest.

          Der belarussische Präsident hätte sicher nichts dagegen, doch ob Maradona noch einmal kommt, ist nicht klar. Geplant war, dass er nach seinem Urlaub in Argentinien beim Rückspiel der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League gegen den griechischen Verein Atromitos zur Mannschaft stößt. Daraus ist nichts geworden, zudem ist Dinamo in der dritten Runde gegen Apollon aus Zypern rausgeflogen. Wenn man zum Krasnyj Dwor, der attraktiven Trainingsbasis des Vereins am Stadtrand von Brest mit vier modernen Fußballfeldern, fährt, heißt es: Maradona solle „in den nächsten Tagen“ endlich seine Arbeit als Vorsitzender richtig aufnehmen.

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