https://www.faz.net/-gtl-16qc4

WM-Übersteiger : „Ich denke, irgendwer hat mich verflucht“

Der Übersteiger - die FAZ.NET-Kolumne zur WM Bild: FAZ.NET

Ballack, Essien, Bosingwa, Mikel und wohl auch Drogba - Chelseas WM-Spieler ziehen das Verletzungspech an. Liegt etwa ein Fluch auf den „Blues“? Abramowitsch sollte sich nicht zu viele Sorgen um sein Kapital auf zwei Beinen machen.

          2 Min.

          Ob er sich das auch wirklich gut überlegt hat? Am Freitag gab Michael Essien bekannt, dass er seinen Vertrag beim FC Chelsea vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2015 verlängert hat. Wie immer wird bei solchen Unterschriften das viel zitierte „Gesamtpaket“ gestimmt haben, ein Paket, in das noch der ein oder andere große Geldschein mehr als bisher hineingesteckt wurde. Aber ein Verein, der von einem Oligarchen wie Roman Abramowitsch alimentiert wird, muss nicht jeden Cent zweimal umdrehen. Und jeden Schein erst recht nicht.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Wie dem auch sei: Essien hat im Moment viel Zeit für solche Angelegenheiten - wegen einer unangenehm langwierigen Knieverletztung kann der Nationalspieler aus Ghana nicht für sein Heimatland an der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika teilnehmen. Die Enttäuschung über das verpasste Turnier kann er fast mit einer Handvoll seiner Klubkollegen teilen. Kein anderer Verein als der FC Chelsea hat mehr Verletzte auf der Lohnliste stehen, die die WM vom 11. Juni an nicht auf dem Spielfeld, sondern auf der Krankenstation erleben werden. Ein böser Fluch?

          Bei der Kombination von Afrika und Fußball ist mancher mit so etwas ganz schnell zur Stelle. Und dann meldet sich passend dazu Spielerberater Pini Zahavi in der englischen Boulevardzeitung „The Sun“ zu Wort: „Er hat gesagt: 'Ich denke, irgendwer hat mich verflucht.'“ „Er“ ist Rio Ferdinand und nach John Terry Fehltritt auf privatem Terrain war er eigentlich als englischer Kapitän vorgesehen. Doch der Abwehrspieler verdrehte sich das Knie - WM-Aus. Eine Kleinigkeit passt aber nicht ganz ins Bild der gebeutelten „Blues“: Ferdinand spielt für Chelseas Rivalen Manchester United.

          Chelsea-Verletzter I: Michael Ballack (r.) fehlt den Deutschen
          Chelsea-Verletzter I: Michael Ballack (r.) fehlt den Deutschen : Bild: Getty Images

          Vielleicht hilft bei Drogbas Ellbogen noch ein wenig Zauber

          So ist es wohl einfach nur Pech, dass so viele Chelsea-Spieler auf der WM-Verletzenliste stehen. Kevin-Prince Boateng trennte Michael Ballacks Syndesmoseband wohl nicht, weil der ein blaues Trikot trug. Wer das nicht glaubt, kann bei Rothemd Miroslav Klose oder Grünhemd Makoto Hasebe nachfragen, die auch Bekanntschaft mit Boatengs rücksichtsloser Art machten. Bei John Obi Mikel, den eine Knöchelblessur plagt, ist es einfach Vernunft, die ihn die WM absagen ließ. Der junge Nigerianer will wegen eines Turniers nicht seine gesamte (Chelsea-)Karriere aufs Spiel setzen.

          An den Ausfall des Portugiesen José Bosingwa denkt bei den geballten Problemen der Chelsea-Spieler schon fast niemand mehr. Der Außenverteidiger, der sich seit langem mit einer Knieblessur herumplagt, sagte bereits frühzeitig ab. Und beim Fünften im Bunde besteht noch ein wenig Hoffnung. Didier Drogba brach im Test gegen Japan unglücklich beim Aufprall der rechte Ellbogen. Während der Stürmer zunächst sein WM-Aus bestätigte, hofft der Verband der Elfenbeinküste noch. Vielleicht hilft ja ein wenig Voodoo-Zauber bei der schnellen Heilung.

          Nun sind es noch wenige Tage Verletzungsrisiko bis zum ersten Anpfiff in Südafrika. Und man mag es kaum glauben: Es gibt noch gesunde Spieler des FC Chelsea, die mit einem WM-Einsatz rechnen können. Einer? Zwei? Ach was, ein Weltklasseverein hat viel mehr Nationalspieler. Und so stehen Ashley Cole, John Terry, Joe Cole, Frank Lampard (alle England), Paulo Ferreira, Ricardo Carvalho (beide Portugal), Salomon Kalou (Elfenbeinküste), Branislav Ivanovic (Serbien), Florent Malouda und Nicolas Anelka (beideFrankreich) gesund und munter parat. Genau wie Lee Addy. Der wird sich sicher Sorgen gemacht haben beim Blick in seinen Vereinspass. Er spielt bei Bechem Chelsea in Ghana.

          Weitere Themen

          IOC leitet Untersuchung ein Video-Seite öffnen

          „Fall Timanowskaja" : IOC leitet Untersuchung ein

          Im Fall der belarussischen Leichtathletin Kristina Timanowskaja leitet das IOC eine offizielle Untersuchung gegen den nationalen Verband aus Belarus ein. Timanowskaja gibt an, sie hätte von ihrem Verband zur Rückkehr nach Minsk gezwungen werden sollen, nachdem sie Kritik an Funktionären geübt habe. Auf dem Tokioter Flughafen habe sie sich dann an die Polizei gewandt.

          Topmeldungen

          Klagen gegen Diskriminierung: Carrie (links) und Marie-Luise mit ihren Zwillingen.

          Lesbische Eltern : Wenn nur die eine Mutter Rechte hat

          Bei einer künstlichen Befruchtung wird der Ehemann der Mutter automatisch als Vater anerkannt – die Ehefrau aber nicht als Mit-Mutter. Lesbische Ehepaare ziehen deshalb vors Bundesverfassungsgericht. Ist eine Trendwende in Sicht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.