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WM-Ticketing : Kampf um Kunden vor der Haustür

  • -Aktualisiert am

Wird das Stadion in Johannesburg mit dem Etikett „ausverkauft” versehen werden? Bild: REUTERS

700.000 Tickets muss WM-Ausrichter Südafrika noch loswerden. Der Kartenverkauf läuft schleppend. Denn Kriminalität, Klima und Wirtschaftskrise könnten viele potentielle Gäste von einem Flug abhalten. Wie leer werden die Stadien sein?

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          Horst R. Schmidt war zu seiner Zeit als Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stets ein Mann, der seine Worte wägte. Heute ist der 68 Jahre alte Perfektionist freiberuflicher Berater des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), wenn es um Fragen der bevorstehenden WM in Südafrika geht. Der Franke, der eine Reihe von Fußball-Weltmeisterschaften mitorganisieren half, benutzte in Frankfurt ein für seine Verhältnisse kräftiges Wort beim Blick auf den bisher schleppenden WM-Kartenverkauf. Er sprach von einer „Herkulesaufgabe“, als es bei einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, ein international tätiges Bundesunternehmen für nachhaltige Entwicklung, darum ging, wie es Südafrika noch schaffen könne, die Megaparty mit dem Etikett „ausverkauft“ zu versehen.

          Bisher nämlich sind erst 2,2 von rund 2,9 Millionen Tickets abgesetzt worden. 700.000 Karten muss der WM-Ausrichter also noch loswerden, will das Lokale Organisationskomitee (LOC) am Ende rund 300 Millionen Dollar (240 Millionen Euro) erlösen und damit einen Gewinn machen, der der Weiterentwicklung des Fußballs in der Republik am Kap der Guten Hoffnung dienen soll.

          Auch die Billigpreisklasse ist zu teuer

          „Die bisherigen Zahlen sind ernüchternd“, sagte Schmidt, der sich auch als Schatzmeister des DFB mit Gewinn- und-Verlust-Rechnungen bestens auskennt. Hundert Tage vor Beginn des Turniers am 11. Juni gehört das Thema Ticketing zu den noch nicht zur Zufriedenheit gelösten Fragen. Während die WM in Deutschland vor vier Jahren schon früh ausgebucht war, kämpfen die Organisatoren der ersten WM auf afrikanischem Boden nun vor allem um die einheimische Kundschaft. Die Fifa hofft darauf, dass der Run vom 15. April an so richtig einsetzt, wenn die Karten nicht mehr über Internet und Banken, sondern über eigens eingerichtete Ticketcenter in den neun WM-Städten sozusagen über den Tresen verkauft werden. „Wir hoffen“, sagt Schmidt, „dass dann die Leute kommen, die wir bisher nicht erreicht haben.“

          Horst R. Schmidt spricht von einer „Herkulesaufgabe”

          Zwanzig Prozent der erhofften knapp drei Millionen Kartenbesitzer sollen in den Genuss von Billetts aus der Kategorie vier kommen, die speziell für Südafrikaner vorgehalten wird. Doch für die sind auch die in der Billigpreisklasse von 140 Rand (knapp 14 Euro) reservierten Karten oft schon zu teuer. Jérôme Valcke, der Fifa-Generalsekretär, zieht aus den Schwierigkeiten, die das WM-Organisationskomitee beim Kartenverkauf diesmal hatte, den Schluss, „dass wir bei der nächsten Weltmeisterschaft – 2014 in Brasilien – flexibler und näher am Kunden sein müssen“.

          Klima und Weltwirtschaftskrise

          Zu den besonders begehrten Kunden gehören die WM-Touristen aus aller Welt. Ursprünglich war deren Gesamtzahl auf 500.000, dann auf 450.000 geschätzt worden. Inzwischen pendeln sich die Hochrechnungen irgendwo zwischen 300.000 und 350.000 WM-Besuchern ein. Gründe hierfür gibt es mehrere: Das Image des Landes mit einer hohen Kriminalitätsrate ist suboptimal, dazu ist es in Südafrika im deutschen Sommer bei den meisten Abendspielen winterlich kalt mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Da werden viele lieber daheim beim Public Viewing auf ein zweites Sommermärchen nach 2006 hoffen.

          Zu den klimatischen Umständen kommt die Weltwirtschaftskrise, die viele potentielle WM-Gäste von einem Flug nach Südafrika abhält. Eine WM-Woche mit Flug und Unterkunft kostet den Fußballreisenden laut Schmidt zwischen 2500 und 3000 Euro. Direktflüge nach Johannesburg oder Kapstadt gibt es dazu von Frankfurt aus über die Lufthansa oder South African Airways nur zwei am Tag, so dass auch kurzfristig geplante WM-Touren nicht einfach zu bewerkstelligen sein dürften. „Ich will keine leeren Sitze in den Stadien sehen“, sagt Valcke trotzig – ein Traum, der vielleicht nur ein frommer WM-Wunsch bleiben wird.

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