https://www.faz.net/-gtl-8nb1p

WM-Qualifikation der anderen : Schweigeminute in Frankreich - Gemeinsamer Protest in England

  • Aktualisiert am

Gedenkminute in Saint Denis: Frankreich und Schweden erinnern an die Ereignisse des 13. November Bild: AP

In Paris gedenken die Menschen ein Jahr nach den Terrorattacken beim Fußball. Engländer und Schotten widersetzen sich einem Fifa-Verbot. Und in Rumänien trifft Lewandowski nach einer Böller-Attacke.

          3 Min.

          Die erste Marseillaise erklingt schon im S-Bahnhof. Fußballstimmung im Pariser Vorort Saint-Denis - wie an jenem 13. November 2015. Der französische Fußballverband FFF hat junge Leute geschickt, die den Fans auf dem Weg zum Stadion Frankreich-Fahnen auf die Wangen malen. Doch wenige Meter dahinter werden Besucher abrupt daran erinnert, dass Fußball hier seit einem Jahr eben nicht mehr ganz unbeschwert ist. „Die Frauen nach rechts, die Männer geradeaus“, rufen Sicherheitsleute: Taschenkontrolle, Wintermäntel öffnen, abtasten. Im Hintergrund wachen schwerbewaffnete Polizisten.

          Vor den Toren des Stade de France begann am 13. November 2015 die Pariser Terrornacht. Drei Selbstmordattentäter sprengten sich hier in die Luft, während drinnen Frankreich gegen Deutschland spielte. Fast auf den Tag genau ein Jahr später laufen „Les Bleus“ am Freitagabend wieder auf: WM-Qualifikation gegen Schweden.

          Das Spiel ist wichtig, die beiden Teams stehen tor- und punktgleich an der Spitze ihrer Qualifikations-Gruppe für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Nach einer unspektakulären ersten Hälfte und dem Führungstreffer Schwedens zu Beginn der zweiten Halbzeit berappelt sich Frankreich. Dank Treffer von Paul Pogba und Dimitry Payet können die Gastgeber am Ende einen 2:1-Sieg bejubeln.

          Es ist aber klar, dass die Partie neben der sportlichen auch eine symbolische Bedeutung hat - auch wenn Frankreich seit den Anschlägen schon mehrfach hier gespielt hat, nicht zuletzt während der EM.

          Man kann nicht vergessen

          Frankreichs Kapitän Hugo Lloris will den Blick nach vorne richten - weiß aber, dass der Schatten des Terrors nicht einfach verschwinden wird. „Das ist ein tragisches Ereignis. Aber man muss immer nach vorne schauen und versuchen, die Seite umzuschlagen, selbst wenn dieses Ereignis uns sicher das ganze Leben im Gedächtnis bleiben wird“, sagte er bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Spiels. „Auf eine gewisse Art sind wir mit diesem Drama verbunden.“ Trainer Didier Deschamps sagte: „Die Zeit vergeht, aber man kann das nicht vergessen.“

          Zu Beginn des Spiels erhebt sich am Freitag das gesamte Stadion zu einer Schweigeminute. Auch Präsident François Hollande sitzt auf der Tribüne. Dann der Anpfiff - und bald herrscht wieder fröhliches Gejohle. Ursprünglich hätte das Match laut Fifa-Kalender sogar am Jahrestag stattfinden sollen. Aus Respekt für die Opfer bekam Frankreichs Fußballverband aber eine Ausnahmegenehmigung, schon zwei Tage früher zu spielen.

          England und Schottland tragen verbotene Armbinden

          Die englische Fußball-Nationalmannschaft hat in der WM-Qualifikation das Prestigeduell gegen Schottland gewonnen. Das Team von Interimstrainer Gareth Southgate setzte sich am Freitagabend im Wembleystadion in London mit 3:0 (1:0) gegen die Schotten durch. Es war das erste Pflichtspiel zwischen beiden Mannschaften seit 17 Jahren. Daniel Sturridge (24.), Adam Lallana (50.) und Gary Cahill (61.) trafen für die Three Lions. Durch den Sieg blieben die Engländer nach vier Spielen mit zehn Punkten Tabellenführer in der Gruppe F. Schottland ist mit vier Zählern Fünfter und damit Vorletzter.

          Poppy-Armbinde zum Remembrance Day: Wayne Rooney und Kollegen protestieren
          Poppy-Armbinde zum Remembrance Day: Wayne Rooney und Kollegen protestieren : Bild: dpa

          Am Remembrance Day trugen die Spieler beider Mannschaften schwarze Armbinden mit der sogenannten „Poppy“-Blume. Die rote Klatschmohn-Blüte erinnert an den Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg. Der Weltverband FIFA hatte die Armbinden untersagt und damit eine Protestwelle in Großbritannien ausgelöst. Beide  Nationalteams müssen möglicherweise mit einer Geldstrafe oder einem  Punktabzug in der WM-Qualifikation rechnen.

          Nordirland positioniert sich hinter Deutschland

          Nordirland hat in der WM-Qualikations-Gruppe C das Duell mit dem Überraschungs-Team aus Aserbaidschan klar für sich entschieden und Platz zwei hinter Deutschland übernommen. Die Mannschaft von Trainer Michael O'Neill gewann am Freitag im renovierten Windsor Park in Belfast mit 4:0 (2:0). Kyle Lafferty (27. Minute), Gareth McAuley (39.), Conor McLaughlin (66.) und Chris Brunt (83.) erzielten die Treffer für die nordirische Fußball-Nationalmannschaft.

          In der Quali-Tabelle für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland liegt Nordirland nun mit sieben Punkten auf Platz zwei hinter der DFB-Elf. Die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw ist nach dem 8:0 in San Marino mit 12 Punkten souveräner Spitzenreiter. Aserbaidschan ist Dritter (7 Punkte) vor Tschechien (5), Norwegen (3) und dem noch sieg- und punktlosen San Marino. Die Tschechen setzten sich in Prag dank der Tore von Michal Krmencik (11. Minute) und Jaromír Zmrhal (47.) mit 2:1 (1:0) gegen Norwegen durch. Der Anschlusstreffer durch Joshua King (87.) kam für die Gäste zu spät.

          Spielunterbrechung in Rumänien

          Nach einer Spielunterbrechung wegen Fan-Ausschreitungen hat Trainer Christoph Daum in seinem vierten WM-Qualifikationsspiel mit der rumänischen Fußball-Nationalmannschaft die erste Niederlage kassiert. Gegen den EM-Viertelfinalisten Polen verloren die Rumänen am Freitag in Bukarest mit 0:3 (0:1). Kamil Grosicki (11. Minute) und Bayern-Star Robert Lewandowski (82./90.+1/Foulelfmeter) trafen für die Gäste. Überschattet wurde die Partie von dem Wurf eines Böllers auf den Rasen, der direkt neben dem polnischen Kapitän Lewandowski explodierte. Der Stürmer vom deutschen Rekordmeister FC Bayern München ging zu Boden und musste behandelt werden.

          Am Boden: Robert Lewandowski nach der Böllerattacke
          Am Boden: Robert Lewandowski nach der Böllerattacke : Bild: dpa

          Die Partie wurde für etwa zehn Minuten unterbrochen, Lewandowski konnte aber weiterspielen, sorgte acht Minuten vor dem Ende für die Entscheidung und in der Nachspielzeit sogar noch für das 3:0. Polen (10 Punkte) übernahm die Tabellenführung in der Gruppe E vor Montenegro (7), das 2:3 in Armenien verlor, und Dänemark (6), das 4:1 gegen Kasachstan gewann. Rumänien ist mit fünf Zählern Vierter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Airbus der Lufthansa landet im November 2020 auf dem Berliner Flughafen Tegel.

          Klimaschutz : Rettet die Inlandsflüge

          Ein Verbot von Inlandsflügen, wie es zuletzt in Frankreich beschlossen wurde, ist der falsche Weg zum Klimaschutz. Es gibt andere, bessere Möglichkeiten.
          Wichtiger Wert: Wie viele Covid-Kranke auf  Intensivstationen liegen.

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.
          Am 18. Juni in Teheran: Ebrahim Raissi winkt den Medien zu, nachdem er seine Stimme in einem Wahllokal abgegeben hat. Die Wahl gewann er.

          Irans neuer Präsident : Schlächter und Schneeflocke

          Nächste Woche tritt Ebrahim Raissi sein Amt als iranischer Präsident an. Mit ihm zerbricht der Mythos vom reformfähigen Regime. Weiß der Westen, mit wem er es zu tun bekommt? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.