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WM-Qualifikation : Psychospielchen auf dem Weg nach Deutschland

  • Aktualisiert am

Raul: „Wir können uns keinen Ausrutscher erlauben” Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Vor den Play-offs um die letzten Tickets zur Fußball-WM ist den Kontrahenten jedes Mittel recht. Vor den drei entscheidenden Duellen zittern ettlichen Profis der sechs beteiligten Nationalteams die Knie.

          Ob Psychospielchen oder verbale Attacken - vor den Play-offs um die letzten Tickets zur WM in Deutschland ist den Kontrahenten nahezu jedes Mittel recht. Vor den drei entscheidenden Duellen in Europa am Samstag und am kommenden Mittwoch zittern den Profis der sechs beteiligten Nationalteams die Knie. Tschechen, Spanier, Türken, Schweizer, Norweger und Slowaken lassen nichts unversucht, um ihre Gegner noch weiter zu verunsichern.

          Vor allem vor der Partie der Schweiz gegen die Türkei in Bern (20.45 Uhr, im FAZ.NET-Liveticker) kochen die Emotionen hoch. „Seit Wochen werden nur Lügengeschichten über uns erzählt“, echauffiert sich der türkische Nationaltrainer Fatih Terim. Die türkischen Medien spekulieren bereits über ein „Komplott“ des in der Schweiz ansässigen Weltverbandes Fifa. Das vermeintliche Indiz: Die Fifa hat den für das Rückspiel in Istanbul vorgesehenen spanischen Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo kurzfristig durch den Belgier Frank de Bleeckere ersetzt.

          „Der Druck ist schon erheblich“

          An Selbstvertrauen mangelt es beim WM-Dritten indes nicht. „Wir werden die Sache im Hinspiel erledigen“, sagt Altstar Hakan Sükür. Terim setzt noch einen drauf: „Wir werden zur WM nach Deutschland fahren. Und bekanntlich ist der Weg dorthin von der Schweiz über die Alpen am kürzesten.“ Doch den Trainer plagen Personalsorgen. Emre und der Schalker Hamit Altintop sind gelbgesperrt, zwölf weitere Spieler mit Gelb belastet. Neben Yildiray Bastürk von Hertha BSC Berlin fehlen Hakan Sas, Tolga Seyhan und Ibrahim Akin verletzt, der Dortmunder Nuri Sahin wird vermutlich nicht zur Anfangsformation gehören.

          Terims Schweizer Kollege Köbi Kuhn bangt um Kapitän Johann Vogel und Boris Smiljanic. Der Hamburger Raphael Wicky, einer von insgesamt 18 für die Europa-Play-offs nominierten Bundesligaprofis, ist gesperrt. „Der Druck ist schon erheblich. Das ganze Land setzt große Erwartungen in uns“, sagt Stürmer Alexander Frei. Dennoch ist Frei zuversichtlich, daß sich sein Land erstmals seit 1994 wieder für eine WM qualifizieren wird, „wenn wir im Hinspiel ein Polster schaffen können“.

          „Unser Prestige steht auf dem Spiel“

          Ähnlich unter Druck wie Frei fühlt sich Spaniens Kapitän Raul. „Wir können es uns nicht leisten, auszurutschen“, sagt er vor dem Treffen mit der Slowakei in Madrid (22.00 Uhr): „Unser Prestige steht auf dem Spiel.“ Seit dem Aus in den Play-offs gegen Jugoslawien vor der WM 1974 hat der Europameister von 1968 keine Endrunde mehr verpaßt, die letzte Niederlage datiert von der EM 2004. „Ich glaube, daß wir 3:0 oder 4:0 gewinnen werden“, sagt Jungstar Jose Antonio Reyes.

          Beim slowakischen Kapitän Miroslav Karhan kommt diese Aussage weniger gut an. „Die haben Angst vor uns“, sagt der Profi des VfL Wolfsburg. „Auch die Russen haben so getönt, und am Ende hatten sie gar nichts“, erinnert Karhan an die Gruppenphase. Die Slowakei geht das Unternehmen erste WM-Teilnahme ohne den nach wie vor verletzten Bundesliga-Torschützenkönig Marek Mintal vom 1. FC Nürnberg an. „Wir sind so weit gekommen, also sind wir auch in der Lage, die letzte Hürde zu nehmen“, sagt Trainer Dusan Galis.

          Vorsorglicher Protest bei der Fifa

          Der große Bruder der Slowakei, Tschechien, hat es in Norwegen nicht nur mit einem unangenehmen Gegner, sondern auch mit widrigen Platzverhältnissen zu tun (19.30 Uhr). Weil der Rasen im Osloer Ullevaal-Stadion eher zum Schlammcatchen denn zu einem Fußballspiel einlädt, hat der tschechische Verband vorsorglich Protest bei der Fifa eingelegt. „Als wir den Platz gesehen haben, bekamen wir einen richtigen Schreck“, sagt Tschechiens Kapitän Tomas Galasek. Nach dem Einsatz der königlich norwegischen Garde, die Sand auf dem Platz verteilt hat, kann aber nun doch gespielt werden.

          Die Hoffnungen der Tschechen ruhen vor allem auf Rückkehrer Pavel Nedved. Der bestritt seit der EM 2004 kein Länderspiel mehr, will seinem Land aber zur ersten WM-Teilnahme seit 1990 verhelfen. „Wir haben eine starke Mannschaft. Mit Nedved ist sie noch stärker geworden“, sagt Trainer Karel Brückner, der auf die verletzten Stürmer Jan Koller und Vratislav Lokvenc verzichten muß.

          Norwegen, das die vierte WM nach 1938, 1994 und 1998 anstrebt, ist erklärter Underdog, das weiß auch Coach Age Hareide: „Wir sind Außenseiter, aber das paßt uns ganz gut. Natürlich steht auch unsere Mannschaft unter Erfolgsdruck. Doch sie können sicher sein, daß der Druck auf Tschechien erheblich größer ist.“

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