https://www.faz.net/-gtl-10qse

WM-Qualifikation : Otto gegen Ottmar

  • -Aktualisiert am

Otto gegen Ottmar: 19 Duelle als Trainer Bild:

Das WM-Qualifikationsspiel zwischen Griechenland und der Schweiz ist auch ein deutsches Trainerduell zwischen Otto Rehhagel und Ottmar Hitzfeld. Beide standen sich schon 19 Mal gegenüber - häufiger mit dem besseren Ende für Hitzfeld.

          3 Min.

          Über Geschenke konnte sich Ottmar Hitzfeld schon wenige Stunden nach der Ankunft in Athen freuen. Ewald Lienen, der seit Juni 2006 den griechischen Erstligaklub Panionios Athen trainiert, hatte am Montagabend bei spätsommerlichen Temperaturen im Athener Vorort Nea Smyrni das Training der Schweizer Nationalmannschaft unter ihrem neuen Coach Hitzfeld im Panionios-Stadion verfolgt. Nach dem Trainingsende bedachte der Ostwestfale den früheren Bundesliga-Trainerkollegen mit Präsenten.

          Geht es nach Griechenlands deutschem Nationaltrainer Otto Rehhagel, soll es das aber auch mit Geschenken gewesen sein. In trauter Runde schwor der 70 Jahre alte Essener Fußball-Lehrer im Mannschaftshotel seine 21 Schützlinge für das Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz an diesem Mittwochabend in Piräus unmissverständlich auf einen Erfolg ein. In der Öffentlichkeit hob der Trainer-„Fuchs“ demgegenüber warnend den Zeigefinger. „Die Schweiz ist wie ein angeschossener Löwe. Wir müssen unbedingt die Konzentration hochhalten.“ Der Frage eines griechischen Journalisten, ob es ein besonderer Anreiz für ihn sei, auf einen Landsmann und alten Bekannten aus der Bundesliga auf der gegnerischen Trainerbank zu treffen, wich Rehhagel elegant aus. „Ich konzentriere mich nur auf meine Mannschaft.“

          Drei Siege ohne Gegentor

          Fest steht: Griechenland, dessen Projekt Titelverteidigung bei der Europameisterschaft im Juni nach drei Niederlagen mit einem blamablen Vorrunden-Aus kläglich scheiterte, weist nach drei Runden in der Gruppe 2 der WM-Qualifikation eine makellose Bilanz von drei Siegen ohne Gegentor in Luxemburg, Lettland und daheim gegen Moldau auf.

          Rehhagels dritter Frühling mit Griechenland: drei Siege ohne Gegentor
          Rehhagels dritter Frühling mit Griechenland: drei Siege ohne Gegentor :

          Gewinnt der Tabellenführer auch gegen die Schweizer, die es bisher nicht zuletzt wegen ihrer Heimschlappe im September gegen den Fußball-Zwerg Luxemburg auf lediglich vier Punkte brachten, bliebe für die Hellenen schon nach vier von zehn Runden im Qualifikationsmarathon nur Israel (7 Punkte) als ernstzunehmender Rivale im Kampf um Gruppenplatz eins übrig. Der Gruppenerste qualifiziert sich umstandslos für die WM 2010 in Südafrika.

          Beharrliches Festhalten an Charisteas

          Spielerisch ist Rehhagel seiner bekannten Linie treu geblieben. Beim 3:0-Sieg am Samstag über die harmlosen Moldauer standen sechs Europameister von 2004 in seiner gewohnt defensiv verankerten Anfangself. Für die ohne kreativen Mittelfeldspieler agierenden Griechen schoss der mit dem 1. FC Nürnberg in die zweite Bundesliga abgestiegene Angelos Charisteas zwei Treffer.

          Rehhagels beharrliches Festhalten an Charisteas ist zwar auch in Griechenland oftmals auf Unverständnis gestoßen. Doch mit nun 22 Treffern in 72 Partien rückte der 28 Jahre alte Angreifer in der „ewigen“ Torschützenliste der griechischen Nationalspieler hinter dem schon lange inaktiven Nikos Anastopoulos (28 Tore) auf Platz zwei vor. Dem klaren Sieg gegen Moldau zum Trotz ließ der nach längerer Verletzung erstmals wieder eingesetzte Frankfurter Profi und Eintracht-Kapitän Ioannis Amanatidis seinem Frust freien Lauf. „Die Mannschaft kann und konnte nicht attraktiven Fußball spielen. Wir haben zu gewinnen. Wenn jemand attraktiven Fußball sehen will, sind wir die falsche Mannschaft.“

          Hitzfeld verbuchte neun Siege, Rehhagel nur sechs

          Neben der nach der EM wiedergewonnenen Defensivstärke kann Rehhagel auf die Harmonie in seinem Team setzen. Charisteas schwärmte dieser Tage sogar von seinem Verbandscoach: „In den sieben Jahren, seit er unser Trainer ist, sind wir fast nur erfolgreich. Wir sind glücklich, dass er seinen Vertrag bis 2010 verlängert hat. Eine Zukunft ohne Rehhagel ist für uns unvorstellbar.“ Der Trainer kann sich auf ein Team stützen, das seine Ziele trotz des jüngsten EM-Rückschlags in Österreich ungebrochen ehrgeizig ansteuert. Mittelfeldspieler Kostas Katsouranis meint sogar: „Die Qualifikation für die WM 2010 würde uns mehr Freude als der EM-Titel 2004 bereiten.“

          Die Duelle zwischen Otto und Ottmar hat Hitzfeld mehrheitlich für sich entschieden. Die beiden Deutschen standen sich in ihrer Trainerkarriere bis dato 19 Mal gegenüber. Neun Siege verbuchte Hitzfeld, sechs Mal gewann Rehhagel. Diesmal scheinen die Vorteile auf Rehhagels Seite zu liegen. Hitzfeld aber lässt sich von dem mühsamen Start seiner Schweizer in die WM-Qualifikation nicht schrecken. Bei der Ankunft in Griechenland sagte er auf dem Athener Airport: „Gegen die Griechen verlieren wir auf keinen Fall.“ Seine Mission heißt allen anfänglichen Rückschlägen zum Trotz Schweiz. Auf die Frage, was er machte, falls ihn Manager Uli Hoeneß bäte, noch einmal Bayern München zu übernehmen, sagte Hitzfeld der Athener Tageszeitung „Eleftherotypia“: „Ich würde ihm sagen, dass meine Karriere als Vereinstrainer unumkehrbar abgeschlossen ist und ich nicht mehr zur Verfügung stehe.“

          Weitere Themen

          Den Hunger mit Silber gestillt

          Ruder-Duo Rommelmann/Osborne : Den Hunger mit Silber gestillt

          Teuer verkauft gegen die überlegenen Iren: Die Leichtgewichts-Ruderer Jason Osborne und Jonathan Rommelmann holen Silber im Doppelzweier. Für den Schlagmann geht es nun auf dem Rennrad weiter.

          „Wie ist man mit 13 schon auf Weltniveau?“ Video-Seite öffnen

          Olympia-Video aus Tokio : „Wie ist man mit 13 schon auf Weltniveau?“

          Die ersten Olympia-Tage in Tokio sind vorbei. Die F.A.Z.-Reporter sprechen über die Eindrücke. Wie groß ist die Begeisterung vor Ort? Wie sind die neuen Sportarten? Und wie schlagen sich die Deutschen?

          Topmeldungen

          Eine Schülerin einer Abschlussklasse wird im Impfzentrum an der Messe München geimpft.

          Leopoldina-Forscher Falk : „Klappe halten, impfen lassen“

          Spitzenforscher Armin Falk fordert eine Impfpflicht und findet, dass der Impfstatus bei der Triage eine Rolle spielen sollte. An Politiker, die sich nicht impfen lassen, hat er eine klare Ansage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.