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WM-Qualifikation : Klinsmann wahrt den Nimbus

  • -Aktualisiert am

In der dünnen Höhenluft von Mexiko-Stadt fühlen sich Jürgen Klinsmann und die Amerikaner wohl Bild: AFP

Die amerikanischen Fußballer nehmen aus dem Aztekenstadion von Erzrivale Mexiko einen wertvollen Punkt mit. Die oft harsche bis feindselige Kritik in den Medien gegenüber Trainer Jürgen Klinsmann ist der Anerkennung gewichen.

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          Ohne Bundesligaprofis, aber mit zwei mexikanischen Amerikanern im Aufgebot hat Jürgen Klinsmann mit der amerikanischen Fußball-Nationalmannschaft die Feuertaufe im Azteken-Stadion in Mexiko-Stadt bestanden. Das wegen zahlreicher Verletzungen stark ersatzgeschwächte „Team USA“ erreichte vor 100.000 Zuschauern in der dünnen Höhenluft der mexikanischen Hauptstadt ein glückliches 0:0.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Damit sicherten sich die Amerikaner einen wertvollen Auswärtspunkt auf dem Weg zur Qualifikation für die WM-Endrunde in Brasilien 2014. Die mexikanischen Fans quittierten die eifrigen, aber oft hilflosen Bemühungen ihrer Elf von der 80. Minute an mit gellenden Pfiffen und warfen nach dem Schlusspfiff sogar mit ihren noch gut gefüllten Bierbechern um sich.

          Klinsmanns Stammspieler Daniel Williams und Fabian Johnson aus Hoffenheim sowie Steven Cherundolo von Hannover 96 waren wegen Krankheit und Verletzung schon beim wichtigen 1:0-Heimsieg über Costa Rica vom Freitag im Schneegestöber von Denver in Colorado nicht dabei gewesen und fehlten auch am Dienstagabend gegen den Erzrivalen Mexiko. Jermaine Jones von Schalke 04 musste wegen einer Sprunggelenksverletzung am linken Fuß nach einer großen Leistung im Spiel gegen Costa Rica vorzeitig die Heimreise antreten.

          Dafür sprangen junge Spieler aus der amerikanischen Profiliga Major League Soccer (MLS) und vor allem zwei Sprösslinge mexikanischer Einwandererfamilien ein. In der Abwehrmitte zeigte der 24 Jahre alte Omar Gonzalez vom MLS-Meister Los Angeles Galaxy abermals eine grundsolide Leistung, während Routinier Hercúlez Gomez, der in der mexikanischen Liga bei Santos Laguna spielt, im linken offensiven Mittelfeld die meisten Zweikämpfe und Laufduelle gewann.

          Die Hausherren hingegen können mit dem 0:0 nicht so gut leben Bilderstrecke

          Der Schlüssel zum Erfolg im Hexenkessel „Estadio Azteca“ war die geschlossen und diszipliniert agierende Viererkette in der Abwehr. Neben Gonzalez und dem erstaunlich souveränen Pflichtspielneuling Matt Besler vom MLS-Klub Sporting Kansas City in der Mitte machten auf der linken Seite DaMarcus Beasley vom mexikanischen Klub Puebla und Geoff Cameron, der in der englischen Premier League bei Stoke City unter Vertrag steht, für die schnellen und technisch versierten mexikanischen Stürmer Javier „Chicharito“ Hernandez und Giovani Dos Santos die Räume eng.

          Im Sturm enttäuschten Clint Dempsey (Tottenham) und vor allem wieder Jozy Altidore, der für Alkmaar in Holland zwar Tore am Fließband schießt, in der Nationalmannschaft aber nicht ins Ziel trifft. Dafür waren Michael Bradley (AS Roma) und Maurice Edu (Bursaspor) sowohl in der Defensive wie auch bei den seltenen Gegenangriffen gewohnt stark.

          „Die Jungs waren herausragend“

          Im Tor spielte Brad Guzan (Aston Villa), der den rückenverletzten Stammtorhüter Tim Howard (Everton) ersetzte, überragend und rettete mit einer Glanzparade gegen Angelo Reyna drei Minuten vor Schluss den Punkt. Dass die Schiedsrichter zwei strafstoßverdächtige Fouls an „Chicharito“ nicht ahndeten, ergänzte eine kämpferisch und taktisch sehr gute Leistung der Amerikaner mit dem erforderlichen Quäntchen Glück.

          Klinsmann zeigte sich nach dem Spiel zurecht hochzufrieden mit seiner Mannschaft, zumal mit der Verteidigung: „Die Jungs waren herausragend.“ Er hob außerdem hervor, dass jeder Nachrücker, der einen verletzten Stammspieler ersetzt habe, seine Chance genutzt habe. Mit dem Unentschieden wahrte Klinsmann außerdem seinen persönlichen Nimbus als Spieler und Trainer gegen „El Tri“: Er hat in sieben Länderspielen mit Deutschland und den Vereinigten Staaten noch nie gegen Mexiko verloren.

          Kein Grund zu einer Palastrevolte

          Das amerikanische Nationalteam hat nach drei von zehn Spielen in der Concacaf-Gruppe als drittplazierte von sechs Mannschaften jetzt eine gute Ausgangsposition. Mexiko muss nach drei Unentschieden dagegen um die Reise nach Brasilien bangen. Schon wird der Rücktritt von Trainer Manuel De la Torre gefordert.

          Diese Sorgen hat Klinsmann nach den Kraftakten gegen Costa Rica und Mexiko vorerst nicht: Die oft harsche bis feindselige Kritik in den amerikanischen Medien ist der Anerkennung, ja dem Lob für taktisches Feingefühl und Motivationskunst unter schwierigsten Umständen gewichen. Auch vom angeblichen Unmut in Teilen der Mannschaft, weil Klinsmann die Deutsch-Amerikaner und die Bundesliga-Spieler im amerikanischen Nationalteam bevorzuge, ist nichts mehr zu hören. In einer Mannschaft, die in zwei schwierigen Spielen so aufopferungsvoll kämpft und so geschlossen spielt wie das „Team USA“, kann es keine Palastrevolte gegeben haben.

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