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WM-Qualifikation : Jubel und Skepsis bei der dänischen Elf

  • -Aktualisiert am

Das neue Danish Dynamite: Thomas Delaney lässt sich vom Österreicher Marcel Sabitzer nicht aufhalten. Bild: Imago

Die dänische Nationalelf feiert die Qualifikation für die Fußball-WM in Qatar. Doch lieber würde sie an einem Sommerturnier in einem anderen Land teilnehmen.

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          Rot-weiße Schlapphüte, große grüne Carlsberg-Flaschen und standesgemäß bedruckte T-Shirts – die dänischen Fußballprofis waren nach dem 1:0-Sieg über Österreich am Dienstagabend in Feierlaune. Zum sechsten Mal wird die erste Auswahl der Dansk Boldspil-Union (DBU) bei einer Fußballweltmeisterschaft dabei sein. Im Rahmen der Qualifikation sind Ziffern entstanden, aus denen WM-Träume werden: acht Spiele, acht Siege. 27:0 Tore. Wer spielt derzeit eigentlich überzeugender als Dänemark?

          Die letzten beiden Partien in der Gruppe F gegen Färöer und in Schottland Mitte November dienen Trainer Kasper Hjulmand schon als erste Vorbereitungspartien für die WM in 13 Monaten in Qatar. Dass sich in den großen Jubel im ganzen Land auch Skepsis mischte, spricht für die Einstellung der Dänen zum Sport: Viel lieber würden Fans und Verantwortliche ihre Nationalmannschaft bei einer Sommer-WM eines klassischen Ausrichters sehen.

          Doch der Fehler der FIFA ist irreparabel, und die dänischen Profis sollen nicht ausbaden müssen, was die Sportpolitik verbockt hat. „Natürlich wird unsere Nationalmannschaft bei der WM starten“, sagte Dänemarks sozialdemokratische Kulturministerin Ane Halsboe-Jørgensen. Sie kündigte allerdings eine öffentliche Debatte über zukünftige Austragungsorte sportlicher Großveranstaltungen an. Die Repräsentanten des dänischen Verbandes bemühten sich, das Erreichte einzuordnen – und mussten dafür Superlative benutzen. „Im Namen des dänischen Fußballs sollten wir uns kneifen“, sagte Hjulmand, „die Qualität, mit der wir gespielt haben, ist fantastisch. Wir haben es geschafft, ein Spiel auf die Beine zu stellen, das schwer zu knacken ist.“

          Eriksen bleibt ein Thema

          Tatsächlich ist es Hjulmand gelungen, den erfolgreichen Stil der Dänen von der Europameisterschaft zu verfeinern. Die Mechanismen greifen. Der Ballvortrag gerät selten mal ins Stocken. In der gar nicht so leichten Gruppe dominierten die Skandinavier nach Belieben. Inzwischen sind ihre Spiele begehrte Leckerbissen geworden. Das Nationalstadion Parken war Tage vor der Partie ausverkauft.

          Der Sieg kam dann durch eine Koproduktion von Thomas Delaney und Joakim Mæhle zustande. Vorarbeit Delaney, Tor Mæhle (53. Minute). Diesmal war es kein großes Chancenfestival, sondern ein pragmatisch erarbeiteter Sieg. Davon hat Hjulmands Elf in dieser Kampagne einige erwirtschaftet. Das Ganze basiert auf der souveränen Hinterachse bestehend aus Torwart Schmeichel und der Dreierkette Kjær, Christensen, Vestergaard. Vorn fällt den Dänen auch ohne ihren eigentlich besten Spieler Christian Eriksen immer etwas ein.

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          Eriksen bleibt ein Thema. Auch, weil das Team immer wieder von ihm spricht. Vor Anpfiff bekam die Nationalmannschaft den Preis des Internationalen Fair-Play-Komitees verliehen. Eriksen war am 12. Juni in Kopenhagen während des EM-Gruppenspiels gegen Finnland zusammengebrochen und musste wiederbelebt werden. „An diesem Tag haben wir gezeigt, wer wir sind und auf welchen Werten diese Mannschaft basiert“, sagte Spielführer Kjær. Das Team habe Fürsorge, Zusammenhalt und Respekt auf dem Platz gezeigt, begründete das Komitee die Preisverleihung.

          „In Moldau war der Platz zehnmal besser“

          Beeindruckend war indes auch, wie sich die Dänen von dem Schockmoment befreit hatten und bei der Kontinentalmeisterschaft bis ins Halbfinale vordrangen. Schaut man auf die Qualifikation, sind die Dänen an dieser Herausforderung nicht zerbrochen, sondern gewachsen. Jedenfalls waren die Siege im Sommer keine Eintagsfliegen.

          Zu den Gewinnern des Verbandes gehört Sportdirektor Peter Møller. Vor gut zwei Jahren entschied er mutig und gegen Widerstand, sich vom erfolgreichen norwegischen Trainer Åge Hareide zu trennen und mit Hjulmand etwas Neues zu probieren. Schon damals bestand die Hoffnung, mit ihm vielleicht eine Ära prägen zu können. Auf diesen Weg haben sich die Dänen nun gemacht – mit einem Fußball, der oft genug an das Danish Dyna­mite der Achtzigerjahre erinnert hat.

          Kasper Hjulmand geht dabei vorweg und findet häufig genau die richtigen Worte. Er diskutiert gesellschaftspolitische Themen in Dänemark, er bewahrt sich aber auch den Blick auf Fußballdetails: So ärgerte ihn der schlechte Rasen im Parken, der kein feines Spiel zuließ: „In Moldau war der Platz zehnmal besser“, sagte er – und verband die Kritik mit einer Forderung: „Wir brauchen gute Greenkeeper. Die sind für den Fußball wichtiger als Logen und VIP-Plätze.“

          In Österreich haben sie derweil ganz andere Probleme. Zwar kann Trainer Franco Fodas Mannschaft die WM noch über die Hintertür namens Nations League erreichen (die Teilnahme an den Berechtigungsspielen im März 2022 ist sehr wahrscheinlich), doch waren die vergangenen Leistungen längst nicht so gut wie bei der EM. Da erreichte Österreich das Achtelfinale. Der Rückenwind blieb aus: nur drei Siege in acht Spielen, unansehnlicher Fußball trotz namhafter Profis, chancenlos gegen Dänemark (0:4/0:1). Allerdings vermissten sie zuletzt viele verletzte Stammspieler. Auf sie hofft Foda im März. Er sagte: „Uns fehlt gerade der Flow. Den haben die Dänen.“

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