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WM-Qualifikation : 6:1 - Deutscher Spaßfußball in Irland

Ein Länderspiel zum gern haben: die deutsche Mannschaft gewinnt 6:1 Bild: dpa

Die deutsche Nationalmannschaft lässt alle Diskussionen und Aufgeregtheiten hinter sich und gewinnt in Dublin gegen Irland leicht und hoch mit 6:1. Reus trifft ebenso doppelt wie Kroos.

          3 Min.

          Es ist noch gar nicht so lange her, dass Marco Reus zu den Teilzeitarbeitern im deutschen Nationalteam gehörte - bestenfalls. Im verlorenen Europameisterschafts-Halbfinale gegen Italien kam er nach 45 Minuten von der Bank, mit dem Auftrag zu retten, was am Ende bekanntlich nicht mehr zu retten war. Am Freitag nun durfte Joachim Löw froh sein, einen wie ihn zu haben, und das als Mann der allerersten Reihe.

          Christian Kamp
          (camp.), Sport

          Mit den beiden ersten Treffern des Abends in der 32. und 40. Minute öffnete der Dortmunder Offensivspieler die Tür zum 6:1-Sieg im WM-Qualifikationsspiel gegen Irland in Dublin. Später durften Mesut Özil (55., Foulelfmeter), Miroslav Klose (58.) und Toni Kroos (61. und 83.) bei einem Gegentreffer durch Andy Keogh (90.+2) ihren Teil zum ungefährdeten Erfolg beitragen, der fürs Erste beruhigende Wirkung auf die zuletzt hypersensible Stimmung rund ums Nationalteam entfalten dürfte. Wobei die Iren gewiss nicht der Maßstab waren, an dem sich etwas für höhere Zukunftsaufgaben ablesen ließe.

          Die von Giovanni Trapattoni betreute Mannschaft warf zwar in die Waagschale, was sie zu bieten hatte, vornehmlich Einsatz. Das war aber bei weitem nicht genug, um die Deutschen ernsthaft zu prüfen. So musste sich auch die zwangsweise neuformierte Abwehr keinem echten Belastungstest unterziehen. Auch wenn das deutsche Spiel zu Beginn eher mühsam in Schwung kam und dabei noch lange nicht den Rhythmus besaß, den Löw erwartet, darf der Bundestrainer nun zumindest darauf hoffen, dass die vielen Diskussionen rund um das Team abflauen. Das gilt erst recht, wenn den Deutschen auch am Dienstag in Schweden bei der letzten Pflichtaufgabe des Jahres ein Erfolg gelingen sollte.

          Der Anfang vom Schützenfest: Reus schiebt Klose weg und schießt den Ball  beherzt ins Tor Bilderstrecke
          Der Anfang vom Schützenfest: Reus schiebt Klose weg und schießt den Ball beherzt ins Tor :

          Der Vorlauf zu diesem Spiel war an Nebengeräuschen reich wie lange nicht. Und als wären Hoeneß-Kritik und Teamgeist-Debatte noch nicht genug gewesen, lieferte der Bundestrainer ohne Not weiteren Stoff. Die Art und Weise, wie er am Donnerstag in Dublin kritisch über Marcel Schmelzer und dessen Reife für das höchste Niveau sprach, ging über das übliche Maß hinaus. Der Dortmunder musste sich ein Stück weit vorgeführt fühlen, daran änderte auch der Versuch des DFB, den Schaden zu reparieren, nichts. Im Gegenteil - Schmelzer, speziell seit dem misslungenen Österreich-Auftritt so etwas wie die Symbolfigur für dauerhafte deutsche Defizite, spielte in Dublin unter besonderer Beobachtung. Der Druck indes schien Schmelzer kaltzulassen - er zeigte eine konzentrierte Leistung, an der es nichts auszusetzen gab.

          Die irischen Medien hatten sich vor dem Spiel ein wenig amüsiert gezeigt über Löws Versuch, den Gegner starkzureden. Für sie kam nicht ein EM-Verlierer in Krisenstimmung nach Dublin, sondern die zweitbeste Mannschaft der Welt. Gegen die Trapattonis Team ohne die verletzten Keane, Doyle, St. Ledger, Whelan und McClean antreten mussten. Das dürfte allemal schwerer gewogen haben als die Abwesenheit von Kapitän Philipp Lahm und Mats Hummels im deutschen Team.

          Halbe Stunde zähe Kost

          Die erste halbe Stunde bot ziemlich zähe Kost. Die Iren verstanden Fußball eher als Auftrag zum Spielverderben denn als Spiel. Und den Deutschen fehlte bei allem Ballbesitz das nötige Tempo, um Lücken zu reißen. Immerhin: Die Rückkehr von Bastian Schweinsteiger, der als Vertreter des gesperrten Lahm die Kapitänsbinde trug, erwies sich gleich als Gewinn. Mit ihm und Sami Khedira besitzt das deutsche Spiel zwei Autoritäten in der Spielzentrale. Für Schwung im Spiel nach vorn sorgte am ehesten Özil - aber alles in allem war es einfach nicht flott genug, um Trapattonis eng geknüpftes Verteidigungsnetz zu zerschneiden.

          Den ersten echten Aufreger gab es nach 30 Minuten - und der war bestimmt nicht der deutschen Spielkunst geschuldet. Der irische Kapitän O’Shea ließ sich an der eigenen Strafraumlinie wie ein Anfänger den Ball von Reus vom Fuß nehmen, der steuerte Richtung Tor und kam, bedrängt von O’Shea, zu Fall - statt des Elfmeters, den Reus erwartete, gab es Gelb für den Dortmunder. Nur zwei Minuten später tat er genau das Richtige, um den Abend doch noch zu seinem werden zu lassen. In einem Moment, der Riecher und Geistesgegenwart erforderte, schnappte er sich den Ball und vollendete sehenswert unter die Latte. Und es kam noch besser für Reus und die Deutschen. Sein Linksschuss aus rund 20 Metern ins rechte Toreck ließ das Team schon recht früh einem entspannten Restabend entgegenblicken.

          Das kurze irische Aufbäumen nach der Pause war jäh beendet, als der bis dahin unscheinbare Klose im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Diesmal gab es Elfmeter, und Özil verwandelte ebenso nonchalant wie zuverlässig. Drei Minuten später traf Klose dann auch noch selbst. Tor Nummer 65 im 125. Länderspiel - das ist eine Bilanz, die wohl überall mit Ausnahme des Hauses Hoeneß Eindruck macht. Für Klose wie für das gesamte Team galt am Freitag: So lange keine großen Gegner kommen, muss man auch aus Spielen gegen kleinere das Beste machen. Und das gelang in Dublin am Ende überzeugender, als mancher das während der Woche noch erwartet hatte.

          Irland - Deutschland 1:6 (0:2)

          Irland: Westwood - Coleman, O’Shea, O’Dea, Ward - McGeady (59. Keogh), Cox, Andrews, McCarthy, Fahey (51. Long) - Walters
          Deutschland: Neuer - Boateng, Mertesacker , Badstuber, Schmelzer - Khedira (46. Kroos), Schweinsteiger - Müller, Özil, Reus (66. Podolski) - Klose (72. Schürrle)
          Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
          Zuschauer: 42.000 in Dublin
          Tore: 0:1 Reus (32.), 0:2 Reus (40.), 0:3 Özil (55./Foulelfmeter), 0:4 Klose (58.), 0:5 Kroos (61.), 0:6 Kroos (83.), 1:6 Heogh (90.+2)
          Gelbe Karten: O’Dea / Reus, Badstuber

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