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Julian Weigl beim Nationalteam : „Man muss vorsichtig sein in diesem Geschäft“

Was können Sie der Mannschaft konkret geben?

Es ist schwierig, wenn man das selbst sagen soll.

Das ist Ihnen unangenehm?

Ein Stück weit schon. Es geht am Ende aber um die Dinge, weswegen ich hierhergekommen bin: meine Passsicherheit, mein Spielverständnis, meine Übersicht, meine defensive Qualität auf der zentralen Mittelfeldposition. Das würde ich alles gerne zeigen, wenn ich die Chance dazu bekomme.

Sie gehören zu einer Generation, die schon als Kind auf eine Karriere im Profifußball vorbereitet wurde. Ab wann ist Ihnen das Denken, dass immer das Team im Mittelpunkt zu stehen habe und man sich zurücknehmen müsse, in Fleisch und Blut übergegangen?

Dafür wird man vom ersten Tag an sensibilisiert. Sobald man zu einem Nachwuchsleistungszentrum wechselt, fängt das an. Dort werden einem sofort die Attribute aufgezeigt, die einem zeigen, dass man nur als Team Erfolg hat und nicht allein. Je höher man kommt, desto mehr merkt man das auch als Spieler auf dem Platz. Nur wenn deine Mitspieler gut mit dir spielen, kann man selbst glänzen. Auf meiner Position in der Zentrale ist es enorm wichtig, wirklich gut angespielt zu werden. Ich habe ja auch in der zweiten Liga Erfahrungen gesammelt, wo viel über den Kampf geht und der Spielaufbau nicht so läuft wie jetzt beim BVB. Aber auch da musste ich mich dem Team unterordnen und den Kampf annehmen. In Dortmund und bei der Nationalelf ist es besser für mich – mit stärkeren Mitspielern kann man selbst mehr glänzen.

Bei München 1860 waren Sie mit 18 Jahren der jüngste Spielführer in der Geschichte des Klubs. Und dann kamen Sie in einer Nacht spät nach Hause – und waren zur Strafe nicht mehr Kapitän. Kaum zu glauben. . .

Ja, aber so war es. Nach dieser Nacht wurde ich als Kapitän abgesetzt. Daraus habe ich viel gelernt. Ich habe jetzt einen besseren Blick auf dieses Business. Mit 18 Jahren Zweitliga-Kapitän zu sein in einem Verein wie 1860 München, in dem es teilweise drunter und drüber ging, und wo ich mich dann vor die Kameras stellen und für die Mannschaft sprechen musste – das waren Dinge, die ich zu lernen hatte. Im Nachhinein denke ich jetzt, dass es sicher nicht das Beste war, einen so jungen Spieler diesem Druck auszusetzen. Damals habe ich natürlich nicht nein gesagt zu so einer Chance. Die Löwen waren ja mein Heimatverein, dafür hat mein Herz geschlagen. Und dann habe ich einen Fehler gemacht, den mal als junger Spieler halt mal macht.

Sie werden es wohl kaum als fair und gerecht empfunden haben, wie damals mit Ihnen umgegangen wurde?

Ich bin der Meinung, dass man das anders hätte regeln müssen. Intern. Aber damals lief viel über die Öffentlichkeit, das war nicht sauber.

Welche Erfahrung haben Sie daraus gezogen?

Ich habe gelernt, dass man vorsichtig sein muss in diesem harten Geschäft. Nicht jeder will dir etwas Gutes. Danach war ich fünf Wochen lang in München außen vor, obwohl ich im Training immer alles gegeben hatte. Aber der Trainer hatte mich abgehakt. Als der Kotrainer den Job übernahm, wurde ich für meinen Einsatz im Training nachträglich doch belohnt. Ich habe gelernt, dass am Ende, wenn man immer Gas gibt, die Qualität belohnt wird. Vom unumstrittenen Stammspieler und Kapitän zu einem Spieler, der wochenlang nicht zum Kader gehört hat - daran bin ich gereift. Ich weiß, dass ich diszipliniert sein muss, weil in dem Geschäft alles ganz schnell gehen kann. Nach oben wie nach unten. Mir ist jetzt vollkommen klar: Man darf sich einfach nichts erlauben.

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