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Julian Weigl beim Nationalteam : „Man muss vorsichtig sein in diesem Geschäft“

Ganz klar: Ja. Wie so ein Turnier abläuft, wie sich der Team-Spirit entwickelt, wie andere große Nationen sich vorbereiten und präsentieren – da konnte ich sehr viel lernen. Auch von unseren großen Spielern in der Mannschaft, nicht zuletzt von Bastian Schweinsteiger. Wir sind schon beim Trainingslager in Ascona ins Gespräch gekommen, zudem stammen wir ja aus derselben Gegend. Über das Turnier hinweg hat sich zwischen uns eine echte Sympathie entwickelt, wir liegen auf einer Wellenlänge. Auch bei seinem Abschiedsspiel haben wir viel miteinander gesprochen, und er hat mir angeboten, dass ich ihm immer schreiben könne, wenn ich mal Rat brauche. Wir schreiben uns jetzt regelmäßig, das ist für mich eine tolle Sache. Und dass ich bei seinem Abschiedsspiel auch noch für ihn eingewechselt wurde, war etwas sehr Besonderes. Das war ja ein sehr emotionaler Abend – wann sieht man schon mal einen gestandenen Mann so weinen?

Bei der EM waren Sie gar nicht ungeduldig, weil Sie nicht zum Einsatz kamen?

Ich kenne das Geschäft jetzt auch schon ein bisschen. Für mich ist es jetzt völlig okay, dass ich in der Nationalmannschaft noch nicht die erste Geige spiele. Vor eineinhalb Jahren habe ich noch in der zweiten Liga gespielt. Aber klar ist auch, dass man als Fußballer immer spielen will. Wenn man sich jedoch die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld anschaut, dann war es doch auch verständlich, dass ich in Frankreich auf der Bank saß.

Öffentlich seine Chance einzufordern ist im Profifußball nahezu undenkbar. Wie gehen Sie mit den Drang um, den Sie privat ja kennen, Ihre Ungeduld auch mal im Profifußball auszuleben – oder auch mit dem Wunsch, mal richtig aus sich herauszugehen, Grenzen zu testen oder gar zu überschreiten, was in diesem Alter auch ganz normal wäre?

In Dortmund musste ich gar nicht ungeduldig sein. Da ging alles sehr schnell. Und bei der Nationalmannschaft ist es wirklich in Ordnung, wie es ist. Ich werde hier, genau wie Sie gesagt haben, keine Ansprüche stellen. Es ist ein Privileg, überhaupt dabei zu sein. Und der Bundestrainer gibt mir Feedback, wie er meine Entwicklung sieht. Solange das positiv ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich mehr Einsatzzeiten bekomme.

Wie sehen Sie und der Bundestrainer denn Ihren Weg bis zur WM 2018 – gibt es da große Unterschiede?

Wir haben keine konkreten Ziele festgelegt. Dass ich Champions League spielen kann, ist der nächste Schritt. Der Blick geht von Woche zu Woche, von Lehrgang zu Lehrgang. Wir schauen nicht, ob ich 2018 Stamm- oder Einwechselspieler sein werde. Es wird kommen, wie es kommt. Die Bundesliga ist meine Plattform.

Der Bundestrainer will die Nationalelf ausdrücklich verjüngen. Was erwarten Sie sich für die Qualifikationsspiele am Samstag gegen Tschechien und am Dienstag gegen Nordirland?

Ich will dem Bundestrainer zeigen, dass er sich auf mich verlassen kann. Dass ich bereit bin. Dass er kein Risiko eingeht, wenn er mich spielen lässt. Dass er von mir das Spiel bekommt, das ich in Dortmund spiele. In den Trainingseinheiten versuche ich, mich bestmöglich zu präsentieren. Ich hoffe, dass ich eingewechselt werde. Es sind ja zwei wichtige Spiele, und da ist klar, dass die beste Mannschaft auf dem Platz stehen wird.

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