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WM-Organisation : Zwanziger wird Nachfolger von Radmann

  • -Aktualisiert am

Auf seinen Freund Franz Beckenbauer kann Fedor Radmann noch bauen, obwohl er künftig dem Organisationskomitee (OK) der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nur noch beratend zur Seite steht. Sein Nachfolger als OK-Vizepräsident wird Theo Zwanziger, Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes.

          Auf seinen großen Freund kann Fedor Radmann auch jetzt noch bauen, da seine große Zeit im Organisationskomitee (OK) der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 abgelaufen ist. "Es war Fedor Radmanns eigener Wunsch, aus dem operativen Geschäft auszuscheiden und künftig als Berater für uns tätig zu sein", ließ OK-Präsident Franz Beckenbauer am Dienstag erklären, "er genießt weiter unser volles Vertrauen." Das von Beckenbauer gewiß, das seiner Präsidiumskollegen Horst R. Schmidt und Wolfgang Niersbach bedingt. Diese beiden hatten mit dem 58 Jahre alten, überaus agilen Münchner bei allem Respekt vor dessen unermüdlicher Schaffenskraft manchmal ihre Schwierigkeiten. Denn der für Fragen des Sponsorings, des Marketings und des geplanten Kunst- und Kulturprogramms zuständige Vizepräsident war sowohl ein tüchtiger Mitarbeiter am Großprojekt WM 2006 als auch ein zur Selbstüberschätzung neigender Solist. Die Ich-AG im WM-OK gibt es zum 1. Juli nicht mehr. Dann wird Theo Zwanziger, der Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), den Kollegen Radmann ablösen und als dritter Vizepräsident des Organisationskomitees für die Gebiete Personal, Recht und Finanzen zuständig sein.

          Radmanns Aufgaben in Sachen Sponsoring und Marketing gehen in die Kompetenz der OK-Vizepräsidenten Horst R. Schmidt, zugleich DFB-Generalsekretär, und Wolfgang Niersbach über; zur Bündelung der Kunst- und Kulturaktivitäten wird in Berlin eine GmbH gegründet. Eine Einrichtung des DFB, in der sich die Bundesregierung erkennbar und einflußreich engagieren wird. Kein Wunder, da Radmanns mit rund 30 Millionen Euro veranschlagtes buntes WM-Rahmenprogramm aus Bundesmitteln finanziert wird. Radmann soll in Zukunft nicht nur dem OK, sondern auch der Kultur-GmbH mit Rat und Tat zur Seite stehen.

          Der silberhaarige Bajuware legte gegenüber dieser Zeitung höchsten Wert auf die Feststellung, daß er aus seinem jetzigen Amt keineswegs abgeschoben oder weggelobt worden sei. Die Initiative sei vielmehr allein von ihm ausgegangen, weil "mir die Rolle eines freien Unternehmers und Beraters mehr entspricht. Da kann ich effektiver sein." Zusammenhänge mit der Aufregung um seine im Frühjahr teils erst auf Nachfragen bekanntgewordenen Beraterverträge mit der längst insolventen Kirch-Gruppe und dem WM-Ausrüster Adidas sieht Radmann nicht die Spur. Er sei von niemand "moralisch" unter Druck gesetzt worden. Und überhaupt lasse er sich "nicht von der Medienkampagne einiger weniger beeinflussen, das muß man notfalls aushalten können". Radmann stand der Kollege Schmidt am Dienstag, wenn auch nicht überschwenglich, zur Seite: "Wir haben die Pflicht, ihn nicht als Verlierer dastehen zu lassen. Das entspricht auch nicht dem - durch eine Indiskretion bekanntgewordenen - Vorgang." Daß aus dem Vizepräsidenten der künftige Berater Radmann wird, wurde auf einer Präsidialsitzung des OK-Aufsichtsrats am Samstag in Berlin beschlossen.

          Während Radmann sich weiter im Einklang mit den Mächtigen des deutschen Fußballs und der deutschen Politik sieht, denken die anderen OK-Vizepräsidenten schon an die Zukunft ohne den Kollegen aus dem Münchner Büro. Wenn der Aufsichtsrat des Organisationskomitees, angeführt von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder am 18. Juni und das DFB-Präsidium am 26. Juni dem Rückzug von Fedor Radmann und der Berufung von Theo Zwanziger zustimmen, stellt sich die Frage, was aus dem Münchner OK-Büro werden soll. Dort residierte bisher der umtriebige Radmann; Nachfolger Zwanziger aber wird wie Schmidt und Niersbach von der Frankfurter Zentrale aus agieren. Präsident Beckenbauer wiederum ist zwar Münchner, aber inzwischen von derart globaler Mobilität, daß er die Cheffiliale München nicht zu seinem Glück bräuchte. Radmanns Rat indes wird er, wo auch immer, weiter suchen. "Fedor Radmann", sagt Franz Beckenbauer, "bleibt für die WM eine wichtige Persönlichkeit."

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