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WM-Kommentar : Schweigegeld von der Fifa

Geld ist Macht – wer wüsste das besser als Fifa-Präsident Joseph Blatter Bild: AFP

418 Millionen Dollar zahlt die Fifa für die WM 2018 und 2022 an die Fußballklubs. Kein Wunder, dass FC Bayern, Real Madrid, Manchester United und Co. bei brisanten Themen rund um die Turniere in Russland und Qatar stillhalten.

          Möchte sich noch jemand beschweren? Mit 209 Millionen Dollar erkauft sich der Internationale Fußballverband Fifa das Einverständnis der Klubs, das Finale der Weltmeisterschaft im Jahr 2022 am qatarischen Nationalfeiertag auszutragen – am vierten Advent, dem 18. Dezember. Damit hat das Stillschweigen der Vertreter der Europäischen Klubvereinigung ECA um ihren Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge ein Preisschild.

          Der Betrag ist dreimal so hoch wie die Abfindungssumme, die Klubs für die Abstellung der Spieler für die WM im vergangenen Sommer in Brasilien erhalten haben – und sie wird auch schon im Sommer 2018 fällig, wenn die WM in Russland ansteht. Anders als im Falle Qatars steht beim nächsten Turnier noch nicht einmal fest, bei welchen Themen der FC Bayern, Real Madrid, Manchester United und Co. 2018 stillhalten werden.

          Das wird maßgeblich von der weiteren Gestaltung der russischen Außenpolitik abhängig sein, deren – Achtung, Euphemismus – robuste, raumgreifende Natur, wie das vergangene Jahr zeigte, durch die Gastgeberrolle bei Sportgroßveranstaltungen nicht eben gebremst wird. Gut, ein paar Themen gibt es, bei denen sich die Vertreter der Klubs auch ohne 209-Millionen-Dollar-Schweigegeld schon schwer getan hatten – oder haben wir die Pressemitteilungen der ECA zur Diskriminierung der Homosexuellen in Putins Reich, zur Lage der Opposition, in den Straflagern und auf den WM-Baustellen etwa übersehen?

          Zurück zu Qatar: Die schnelle Einigung, die Fifa und ihr Präsident Joseph Blatter mit der ECA erzielt haben, zeigt auch, wie fest der alte, starke Mann vom Zürcher Sonnenberg im Sattel sitzt. Geld ist Macht, und Joseph Blatter hat so viel davon, dass er sich seine Manöver locker leisten kann. Das Turnier im Emirat ist terminiert, das erste drängende Problem gelöst. Das zweite, daraus resultierende Problem, den Klubs den Puls zu fühlen und die Höhe des Schweigegeldes festzulegen, gelang so zügig und geräuschlos, dass sich die Frage stellt, ob der Deal nicht längst ausgehandelt war.

          Bleibt die Lage der Arbeitsmigranten in Qatar. Sie ist der tatsächlich erschütternde, empörende Skandal dieser WM. Wenigstens 157 Nepalesen sind zwischen Januar und November 2014 nach Zahlen des Außenministeriums in Katmandu auf qatarischen Baustellen gestorben. Die Zahl der toten Inder, Pakistaner und Bengalen kennt niemand. Das mittelalterliche Kafala-System wird weiterhin nicht abgeschafft, versprochene Reformen werden nicht umgesetzt.

          Es ist noch keine 18 Monate her, dass sich Franz Beckenbauer, der Ehrenpräsident des FC Bayern München, bemüßigt fühlte, seine Eindrücke aus Qatar mitzuteilen. Er habe dort keine Sklaven gesehen. Das ist der Eindruck der bleibt: Eine Hand wandert routiniert von den Augen zum Mund und zurück. Nichts sehen, nichts sagen. Aber die andere bleibt immer frei. Damit sie 418 Millionen Dollar festhalten kann.

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