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WM-Kommentar : Fifa und Uefa wie im Mittelalter

Den nächsten WM-Ball spielt Fifa-Präsident Blatter (links) in das Spielfeld von Putin Bild: AP

Qatar hin oder her – die Häupter des Weltfußballs sollten auch auf das näher rückende WM-Turnier in Russland schauen. Doch es zählen nur Macht und Geld. Verantwortungsvolle Problemlösungen sind nicht vorgesehen.

          So spielen sie sich gerne auf – die eitlen Spitzenfunktionäre des Weltfußballs. Als große Problemlöser haben sie sich in dieser Woche geriert. So herrschte einträchtige Zufriedenheit, als der Termin für die in siebeneinhalb Jahren stattfindende Winter-WM in Qatar gefunden war und die Klubs aus Europa dem Internationalen Fußball-Verband (Fifa) Hunderte an Kompensations-Millionen abgerungen hatten.

          Die Umarmungsrituale innerhalb der „Fußballfamilie“ signalisierten, dass jetzt wieder konfliktfrei und damit ungestört dem Big Business nachgegangen werden kann. In Wirklichkeit aber steht die größte Zerreißprobe noch bevor. Qatar hin oder her – eigentlich sollte die Häupter des Weltfußballs derzeit bewegen, was mit dem immer näher rückenden WM-Turnier in Russland passiert.

          Der Gastgeber 2018 steckt tief in der Krise, hat das Völkerrecht gebrochen, befördert einen Bürgerkrieg in der Ukraine. Präsident Putin hat in Russland die Opposition kaltgestellt und verfolgt einen Weg martialischer Propaganda. Die Europäische Union droht mit weiteren Sanktionen. Der Rubel-Verfall belastet die russische Wirtschaft und hat schon dazu geführt, dass erste WM-Projekte eingedampft werden. Und was sagt der Fußball zu alledem? Nichts.

          Fifa-Präsident Blatter, der den Kreml-Potentaten gerne hofiert, wiegelt ab, als gebe es keinen Entscheidungsdruck. Die Frage eines Boykotts oder einer Verlegung ist nicht abwegig unter den aktuellen Bedingungen. Über die menschenunwürdige Behandlung von Gastarbeiter-Kolonnen in Qatar werden (zu Recht) ganze Konferenzen abgehalten.

          Europa und Deutschland verlangen Antworten

          Unter welchen Umständen aber die WM-Stadien in Russland gerade jetzt während der Depression hochgezogen werden, interessiert keinen. Schon einmal schaute ein großer Sportverband weg, als hier Menschen ausgebeutet wurden. Beim Aufbau von Sotschi zur Wintersport-Destination hat das Internationale Olympische Komitee seine Aufsicht sträflich vernachlässigt.

          Bei Russland und der WM wird die Öffentlichkeit zumindest in Europa und Deutschland Antworten von der Fifa verlangen. Hier muss der Verband zeigen, dass er den gestiegenen Anforderungen und Ansprüchen als Weltorganisation gerecht wird.

          Auch bei der ECA herrscht Fußball-Mittelalter

          Auf diesem weiten Feld geben andere gewichtige Mitspieler allerdings noch weniger Anlass zur Hoffnung. Die Europäische Fußball-Union von Michel Platini hat außerhalb des Fußball-Biotops keine Relevanz. Und die Klubvereinigung ECA, die den Deal zur Qatar-Kompensation mit der Fifa aushandelte und die vom Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge angeführt wird, ist ebenfalls nicht dafür bekannt, dass sie Standards setzt, die über die schlichten Belange des eigenen Wohls hinausgehen.

          Auch hier herrscht noch das Fußball-Mittelalter, zählt nur Macht und Geld, was einen verantwortungsvollen Umgang mit brisanten Problemstellungen weiterhin ausschließt. Die nächsten peinlichen Verwerfungen sind programmiert.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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