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WM in Südafrika : „Diese Panikmache ist mir unbegreiflich“

  • -Aktualisiert am

„Mir ist in Afrika noch nie etwas passiert”: Trainer Otto Pfister Bild: AP

18.000 Morde jährlich, doch Millionen Touristen bereisen Südafrika ohne Probleme. Die Entrüstung über Panikmache in Deutschland ist groß. Experten wie Horst R. Schmidt, Otto Pfister und Winfried Schäfer wissen, wie es in Afrika zugeht.

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          Horst R. Schmidt wechselt die Fußballwelten wie andere die Fußballschuhe. Seit drei Jahren pendelt der Achtundsechzigjährige zwischen Rhein-Main und dem Kap hin und her. Der Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes, der in Aschaffenburg wohnt, ist Berater des internationalen Verbandes Fifa für die Organisation der Weltmeisterschaft in Südafrika.

          Und er weiß aus eigener Anschauung, wie genau die Südafrikaner die oft wenig fundierten Aussagen aus Deutschland, was die Sicherheit während des vierwöchigen Großereignisses angeht, registrieren. Wenn von schusssicheren Westen die Rede ist, die angeblich benötigt würden, oder wenn Uli Hoeneß die Vergabe der WM nach Südafrika als großen Fehler bezeichnet, „tut uns das nicht gut“, sagte Schmidt bei einer Podiumsdiskussion in Mainz.

          „Dann ist die Entrüstung groß über Deutschland, nicht nur über Hoeneß.“ In seinen Augen ist in der Vorbereitung der WM „sehr viel getan und sehr sorgfältig gearbeitet worden. Der Sicherheitsaufwand wird immens sein.“ Der wie immer nüchtern daherkommende erfahrene Meister der Organisation saß schon im Organisationskomitee für die Olympischen Spiele in München 1972 und hat seitdem alle Europa- und Weltmeisterschaften mit vorbereitet.

          „Mir ist in Afrika noch nie etwas passiert“

          Doch auch Schmidt rät den Südafrika-Besuchern - nach seinen Angaben sind bislang rund 35.000 Tickets nach Deutschland verkauft worden - den Aufenthalt in dem Land nicht blauäugig anzugehen und sich an einfache Regeln zu halten. Das „Phänomen der Kriminalität“ werde auch während der WM eine Rolle spielen, so Schmidt, in einem Land, in dem jährlich 18.000 Morde geschehen, das aber auch jährlich Millionen Touristen ohne Zwischenfälle bereisen.

          Vor übertriebener Angst warnte in Mainz auch Otto Pfister, der als Trainer schon in elf afrikanischen Ländern gearbeitet hat. „Diese Panikmache ist mir unbegreiflich. Mir ist in Afrika noch nie etwas passiert“, sagte der Zweiundsiebzigjährige, der bei der WM 2006 in Deutschland Togo betreute. „Wenn man abends am Frankfurter Hauptbahnhof die Brieftasche zu locker sitzen hat, ist sie auch weg.“

          Gemeinsam mit Winfried Schäfer, der als Trainer die Mannschaft Kameruns 2002 zur Afrika-Meisterschaft führte, klärte Pfister anekdotenreich darüber auf, woran der afrikanische Fußball krankt. Nämlich vor allem an mangelnder Organisation im Umfeld der Teams, an der oft schädlichen Einflussnahme der Regierung und mitunter auch Selbstbereicherung von Funktionären. Weil vereinbarte Prämien nicht ausgezahlt wurden, konnte Schäfer mit den Kamerunern einst erst verspätet zur WM 2002 anreisen. Und auch Pfister musste 2006 damit leben, dass seine Spieler kurz vor der WM in den Streik traten.

          Dass die Fußballbegeisterung in Afrika hohe Wellen schlagen kann, hat Schäfer am eigenen Leibe erfahren. Nach einem Training in einem vollen Stadion „mussten wir über den Zaun und dann mit dem Panzerspähwagen ins Hotel, weil 70.000 Fans die Trikots der Spieler haben wollten“. Auf volle Stadien in Südafrika bei den WM-Spielen hofft noch die Fifa. Zwei Monate vor dem Anpfiff sind 500.000 Karten noch nicht verkauft.

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