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WM in Qatar : Hoffen auf die Fußball-Milliarden

Joseph Blatter (l.) hat sich durchgesetzt: Mohamed bin Hammam ist raus Bild: dapd

Überprüfung der WM-Vergabe 2022? Über die Machenschaften Mohamed bin Hammams wird viel spekuliert. Doch die deutsche Wirtschaft will im großen Stil investieren. Und fühlt sich von DFB-Präsident Zwanziger im Stich gelassen.

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          Die Präsidentenwahl am 1. Juni war Gipfel eines historischen Fußballskandals - und seine Folgen sind noch lange nicht ausgestanden. An diesem Samstag will der Internationale Fußball-Verband (Fifa) über die Zukunft des einst mächtigen Funktionärs Mohamed bin Hammam entscheiden. Die Ethikkommission und ein ehemaliger FBI-Fahnder wollen Beweise dafür zusammengetragen haben, dass der Qatarer als Gegenkandidat des alten und neuen Präsidenten Joseph Blatter versucht hat, Stimmen zu kaufen. Und es kann wohl nur ein Ergebnis geben: den lebenslangen Ausschluss aus dem Verband. So dürfte es jedenfalls der kaum weniger im Zweifel stehende Blatter wünschen. Doch ist dies das Ende der schmutzigen Schlacht?

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bin Hammams Fall ging der steile Aufstieg in den Machtzirkel der Fifa voraus, der eng verbunden war mit den hochtrabenden Sportambitionen Qatars. Der kleine, mit Erdgas-Reichtümern gesegnete Wüstenstaat hat Milliarden investiert in sein sportives Erscheinungsbild. Höhepunkt war Ende vergangenen Jahres die umstrittene Vergabe der Fußball-WM 2022 an das Emirat. Doch das triumphale Gefühl ist inzwischen einer gewissen Unsicherheit gewichen. Das Turnier wurde zum sensiblen Thema, seit aus England und Deutschland Stimmen aufkamen, die Vergabe zu untersuchen. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und frisch gewähltes Exekutivmitglied der Fifa, forderte unlängst großspurig eine „nochmalige Überprüfung“.

          „Deutsche Unternehmen sind hier sehr aktiv“

          Das mag honorig sein, doch der deutschen Wirtschaft tut Zwanziger damit keinen Gefallen. Gerade deutsche Unternehmen wollen von dem Multimilliarden-Aufbauprogramm am Golf profitieren. Es geht um neue Stadien, Highways, eine Metro, ein Schnellbahnnetz oder auch die Megabrücke nach Bahrein. Konzerne wie die Deutsche Bahn, Thyssen-Krupp, Siemens, Hochtief oder das Frankfurter Architekturbüro Albert Speer & Partner, das die meisten Stadionvorhaben in der WM-Bewerbungsphase erfolgreich präsentiert hat, stehen an der Startlinie zum Big Business.

          Bundespräsident Wulff in Doha: Rückendeckung aus der Heimat

          Förderlich könnte sein, dass Qatar an Konzernen mit Sitz in Deutschland beteiligt ist und somit ein gesteigertes Interesse an der Auftragsvergabe hat - wie im Fall von Hochtief. Noch ist aber nicht einer der Aufträge für die vielen großen Bauprojekte vergeben. „Deutsche Unternehmen sind hier sehr aktiv. Es gibt großes Interesse. Tag für Tag spüren wir, dass die Anfragen steigen“, sagt Yasmin Fürstmann, Vertreterin der Deutschen Auslandshandelskammer in der Hauptstadt Doha. Aber sie stellt auch fest: „Natürlich trägt es nicht zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit bei, wenn in Deutschland Kritik an der WM-Vergabe für Qatar geäußert wird. Das wird hier teilweise kritisch wahrgenommen. Eigentlich bräuchten deutsche Unternehmen vor Ort die volle Rückendeckung aus der Heimat.“

          Auf dem Antikorruptionsindex gut platziert

          Ganz ähnlich sieht das Tilman Engel. Er ist Sportbusiness-Profi, hat vor einigen Jahren die Fußballliga in dem kleinen Emirat mit aufgebaut und berät heute mit seiner Frankfurter Agentur SBC International auch Firmen, die nun mit den Qatarern ins Geschäft kommen wollen. Engel wundert sich, dass Qatar von einigen Seiten in ein solch schlechtes Licht gerückt wird. Das Land belege auf dem Antikorruptionsindex einen guten Platz knapp hinter Deutschland, noch vor Großbritannien, den Vereinigten Staaten oder Frankreich. Die gleichzeitige WM-Vergabe der Fifa an Russland für 2018 werde hingegen nicht kritisiert, obwohl das Land in der Transparency-Tabelle sehr negativ beurteilt werde und in der Rangliste hinter Ländern wie Papua-Neuguinea, Laos oder Kenia stehe. „Die Möglichkeit einer arabischen WM ist ein tolles Signal für die Welt und bietet außerordentlich positive Effekte. Eine Diskussion über eine Aberkennung hätte verheerende Folgen für den Westen“, sagt Engel.

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