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WM-Ausrichter Qatar : „Ein Sklavenhändler-Staat“

Vorwürfe um tote Arbeiter wiegen schwer

Er reagiert diplomatisch, will nichts riskieren, was den betroffenen Profis schaden könnte. Anfragen an den qatarische Fußballverband werden nicht beantwortet. Bei der Fifa heißt es, dass Untersuchungen im Fall von Ouaddou laufen, aber nicht abgeschlossen sind. Druck auf den WM-Ausrichter Qatar wächst an verschiedenen Fronten – am schwersten wiegen die Vorwürfe um die toten Arbeiter aus Nepal auf den Baustellen.

In der kommenden Woche, am Donnerstag und Freitag, trifft sich der Fifa-Vorstand in Zürich. Vor allem geht es um die Frage, ob die WM in Qatar 2022 nun endgültig vom Sommer in den Winter verlegt werden soll. Um den richtigen Termin streitet die Fußballwelt seit vielen Monaten. Aber das Thema der nepalischen Arbeiter ist kurzfristig mit auf die Agenda genommen worden.

Auf den Baustellen kamen schon etliche Arbeiter ums Leben

„Es geht darum, dass wir hier den Dialog mit den qatarischen Behörden weiter fördern“, heißt es auf Nachfrage bei der Fifa. Die englische Zeitung „The Guardian“ hatte am Donnerstag über 44 Todesfälle von Gastarbeitern aus Nepal in diesem Sommer berichtet und damit internationalen Protest von Menschenrechtsgruppen und Gewerkschaften ausgelöst. Das WM-Organisationskomitee in Qatar reagierte „entsetzt“ und kündigte eine Ermittlung der zuständigen Behörden an.

Dem durch Korruptionsvorwürfe beschädigten Weltverband muss zumindest zugestanden werden, dass er während seines Reformprozesses erste Regelungen mit dem schon länger in der Kritik stehenden WM-Ausrichters Qatar getroffen hat. Im vergangenen November sorgte die Fifa dafür, dass sich in London Vertreter des Organisationskomitees für 2022 und von Human Rights Watch erstmals trafen.

„Die Fifa muss einfach ihren Job tun“

Daraus entstand eine Charta zum Schutz der Rechte der Arbeiter. Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke traf sich ein Jahr zuvor mit Gewerkschaftsleuten der Ituc und wurde später in einem Bericht von Human Rights Watch zitiert, dass die Fifa bei zukünftigen WM-Bewerbungen während des Auswahlprozesses spezielle Kriterien zum Schutz von Menschenrechten und zur Einhaltung von Sicherheitsstandards auf den WM-Baustellen aufsetzen wird. Und auch in Qatar gibt es im Organisationskomitee Kräfte, die Veränderungen vorantreiben. Die Frage ist: Wie ernsthaft und wie entschlossen wird das alles umgesetzt?

„Wir wünschen uns hier noch mehr Druck von der Fifa. Wir werden nach den neuesten Vorfällen auch wieder Experten nach Qatar schicken, um uns die Situation anzusehen“, sagte Wolfgang Büttner, Sprecher von Human Rights Watch, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Ein menschenwürdiger Umgang mit angestellten Fußballprofis müsste der Fifa da ebenso wichtig sein. Es gebe die Paragraphen im Reglement, man müsste sie nur schnell anwenden. Fifpro-Mann Schwab bemängelt, dass die beim Weltverband zuständige Stelle viel zu langsam arbeite. „Die Fifa muss einfach ihren Job tun“, verlangt Schwab.

Im Machtkampf: Uefa-Chef Michel Platini (links) und Fifa-Präsident Joseph Blatter

Dass hinter den vielen Verwerfungen um Qatar auch der Machtkampf zwischen Fifa-Präsident Joseph Blatter und dem europäischen Fußball-Chef Michel Platini von der Uefa steht, macht die Sache nicht einfacher. Jeder versucht dem anderen zu schaden. Es geht um die nächste Fifa-Präsidentschaft ab 2015. Die Diskussion um die Sommer-WM in Qatar ist sozusagen das Kampffeld der beiden Fußball-Oberhäupter.

Wie zu hören ist, soll bei den neuen Fifa-Ermittlern Qatar unter die Lupe genommen werden. Theo Zwanziger, ehemaliger Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und derzeit Mitglied im Fifa-Vorstand, sieht längst schon Handlungsbedarf, erst recht nach den traurigen Berichten über die toten nepalischen Arbeitsmigranten.

Manches passt nicht in die schöne Fußballwelt

„Im Gesamtkomplex Qatar ist dies ein weiterer Gesichtspunkt, der der Fifa-Ethikkommission mit Herrn Garcia und Herrn Eckert eine sorgfältige Untersuchung der WM-Vergabe an Qatar nahelegen müsste“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Aber nicht jeder in der Fußballwelt sieht die Verantwortung, sich zu den drängenden Problemen und bedrohlichen Szenarien um WM-Ausrichter Qatar zu äußern. Platinis Uefa wollte auf Anfrage nichts sagen und verwies auf die Zuständigkeit der Fifa. Und auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sah keinen Grund, als Vertreter des größten Verbandes innerhalb der Fifa eine politische oder auch nur sportpolitische Einschätzung abzugeben. Manche Themen passen eben nicht in ihre schöne Fußballwelt.

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